TEMPLES – Bliss


Foto-© Jimmy Fontaine

Beats
I was thinking of the streets
Blinking traffic midnight heat
City rhythms hit you hard

(Temples – Jet Stream Heart)

Mit ihrem fünften Studioalbum Bliss liefert die britische Band Temples den Soundtrack des Sommers und stellt einmal mehr ihre Fähigkeit unter Beweis, hit-taugliche Ohrwürmer zu produzieren. Gegründet wurde die Gruppe von Sänger und Gitarrist James Bagshaw und Bassist Tom Walmsley in einer englischen Kleinstadt im Jahr 2012 und war zunächst nur als Heimstudio-Projekt gedacht. Die ersten Songs, die die beiden auf Youtube hochgeladen hatten, erregten die Aufmerksamkeit der Plattenfirma Heavenly Recordings, die ihnen einen Vertrag anbot. Für die Live-Auftritte wurden noch der Schlagzeuger Samuel Toms und der Keyboarder Adam Smith rekrutiert. Alben nahmen sie zuhause in Bagshaws Kellerstudio in Northamptonshire auf und landeten mit ihrem ersten Longplayer Sun Structures 2014 auch gleich in den englischen Top Ten Charts. Inspiriert sind sie vom Britpop und dem Psychedelic Rock und Pop der 60er Jahre.

Nach Exotico (2023) schlagen Temples jetzt mit Bliss ein weiteres Kapitel auf. Die erste veröffentlichte Single Jet Stream Heart war schon der passende Vorgeschmack: federnder Electro Pop mit Britpunk-Einschlag und einem orientalisch anmutenden Riff, das sofort im Ohr bleibt. Revelations erinnert mit seinem Sample eines Kirchenchorgesangs, seinen dramatischen Melodiebögen und der charakteristischen Bassline an die 80er und 90er Jahre und die Hits von Enigma oder Eurythmics. Megalith geht mit seinem treibenden, kühlen Beat mehr in die Rock-Richtung von Joan Jett oder Survivor.

Die zweite Single Vendetta zeigt die Experimentierfreude der Briten: eher ein Electro-Pop-Song, dessen Bridge sogar ein bisschen nach David Guetta oder Avicii klingt. Mit einem starken Synth Beat haben sie einen melancholischen Sommerhit zum Mittanzen erschaffen. Das ebenso sommerlich leichte, aber elegantere Glimmer bringt Lounge-Pop mit Ambient-Anklängen. Blue Flame ist eine in sich gekehrte Ballade, es geht um Liebe und Herzschmerz; wenn Bagshaws Vocals im Fokus stehen, erinnert seine kratzige und verletzliche, aber doch kraftvolle Stimme auch mal an Ezra Furman. Jaguar ist das surrealste Stück, verträumt, aber immer noch launig, und deutlich inspiriert von psychedelischen Tracks der Beatles in den 60ern. Mit Fantasy Realm schlägt das Album dann nochmal den Bogen zurück zum Anfang in Richtung Electro Pop, mit einer epischen und großformatigen Klanglandschaft; der Song verbreitet nicht nur Melancholie, sondern auch Hoffnung auf eine bessere Welt.

Diese Themen von Nostalgie und Euphorie ziehen sich durch den ganzen Longplayer, der sommerliche und leichte Stimmung verbreitet und immer wieder Spannungsmomente aufbaut, die sich dann entladen. Die Drums treiben und die Riffs sind supereingängig, bleiben sofort im Ohr und laden zum Tanzen ein. Die Verschränkung von House, Electro, Britpop, Rock und 60er-Jahre-Flair ist ungewöhnlich, funktioniert aber dank der Qualität des Songwritings und den starken Melodien. Minimale Abstriche gibt es für den ein oder anderen etwas generisch geratenen Song, insgesamt ist Bliss aber ein starkes fünftes Album, das den Briten noch mehr Aufmerksamkeit bescheren und ihre Position in der Musikwelt festigen dürfte.

Temples – Bliss
VÖ: 26. Juni 2026, V2 Records
www.templestheband.com
www.instagram.com/templesofficial

YouTube Video

Tamara Plempe

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