DIE ODYSSEE – Filmkritik


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My dad is coming home.

(Telemachus – The Odyssey)

Nach der Schlacht um Troja ist der König von Ithaka, Odysseus (Matt Damon), verschollen. Königin Penelope (Anne Hathaway) glaubt an seine Rückkehr und versucht verzweifelt, sich der heiratswilligen Anwärter auf seinen Tron, allen voran Antinous (Robert Pattinson), zu verwehren und ihren Sohn Telemachos (Tom Holland) zu schützen. Gelingt Odysseus die rechtzeitige Rückkehr?

Regisseur Christopher Nolan hat bei seinem neuen Blockbuster Die Odyssee erneut auch das Drehbuch geschrieben, teilt sich diesen Job jedoch mit Homer, der mutmaßlich die Ilias und die Odyssee um 850 vor Christi verfasste. Das Ergebnis zu schauen, ist, ob dieses Ursprunges des Stoffes, ein wenig wie einen Film basierend auf wahren Gegebenheiten zu sehen. So ziemlich jeder weiß ungefähr, worum es geht. Nicht umsonst ist eine der beliebtesten Reviews auf der Filmplattform Letterboxd von dem User „blue“: „Kinda strange that an Odyssey would happen to a guy named Odysseus.“ Die Geschichte könnte archetypischer kaum sein und dennoch, so ganz genau, wissen nur die wenigsten, was passiert und selbst wenn, weiß man ja noch nicht, was und wie der detailversessene Meisterregisseur dies umgesetzt hat. Grundsätzlich vorweg, egal ob ihr Fans der griechischen Mythologie seid oder nicht, der Film ist wahnsinnig spannend und für jeden sehenswert. Denn was Nolan hier abgeliefert hat, ist gleichzeitig genau das, was man von ihm erwartet hat und dennoch unglaublich frisch und aktuell.

Fangen wir mit den Fakten an, denn natürlich war dies eine Produktion der Superlative. Der erste komplett in IMAX produzierte Film für dessen Entstehung 640 Kilometer Filmmaterial verbraucht wurden. Alle Rüstungen und Materialien wurden künstlich und per Hand gealtert (weshalb das Kupfer hier nicht wie sonst immer glänzt), Bärte und generell Frisuren mussten von den Schauspielern gewachsen bzw. geschnitten werden lassen (es gab eine strickte Regel gegen Perücken und alles musste on Location auch bei starkem Wind „funktionieren“). Zu Hochzeiten wurden über 90 VisagistInnen und 500 KostümdesignerInnen beschäftigt, die über 5.300 Kostüme fertigten und natürlich wurde alles, alles, alles on Location gedreht. Das alles kann man als Filmfan feiern oder als „einfacher“ Kinobesucher ignorieren, aber der Effekt, dass sich alles haptisch und wirklich echt anfühlt, dass man auch in gigantischer Großaufnahme und vor allem den vielen Nahaufnahmen die Anstrengung, den Schmutz, Wind und Wetter in und an den Gesichtern des unglaublichen Casts sieht, das spürt jeder.

Das Einzige, was sich diesem Realismus-Absolutismus entzieht, ist die Sprache. Wie im vorangestellten Zitat beispielhaft aufgezeigt, wird nahezu umgangssprachlich geredet. Ob dieser Ansatz von Nolan bewusst gefahren wurde, um eine wichtige Barriere für das moderne Publikum abzubauen oder vielleicht dem Umstand geschuldet ist, dass man ja ohnehin nicht in altem Griechisch hätte drehen und veröffentlichen können oder es eine gänzliche andere Bewandtnis hat, darüber kann man nach Herzenslust spekulieren und genau dies hat das Internet seit dem Release des ersten Trailers getan. Aber selbst wenn euch dies durchaus ein- bis zweimal kurz aufhorchen lassen kann, das gesamtheitliche Seherlebnis trübt dies definitiv nicht. Und dies liegt sicher nicht zuletzt an den fantastischen DarstellerInnen, die ohnehin auch mit weniger guten Dialogen Großartiges abliefern könnten. Allen voran Matt Damon, der hier seinen inneren Josh Brolin channelt und kernig und ambivalent wie nie spielt. Einerseits Held ohnegleichen, andererseits vom Krieg und den moralischen Konsequenzen gezeichnet. Hin- und hergerissen zwischen der Liebe zu seiner Frau, seinen Söhnen und dem Reich. Tom Holland, der ewig Junggebliebene, spielt den blauäugigen Sohn, Robert Pattinson ist mal wieder hinterhältig und so einfach zu hassen. Auch Anne Hathaway als Penelope darf mit List und Liebe glänzen, keine Selbstverständlichkeit, ist das Schreiben weiblicher Figuren doch die eine Sache, die Nolan selten gelingt und gerade in klassischen Epen oft zu kurz kommt. Und dann spielen auch noch Charlize Theron und Zendaya als Figuren der griechischen Mythologie und Göttin auf und wer könnte das besser? Bis in die letzten Reihen begeistert die Cast, denn auch zum Beispiel Lupita Nyong’o, Benny Safdie und Jon Bernthal spielen in absoluter Höchstform. Besonders hervorgehoben werden muss jedoch Elliot Page, der das tragische Schicksal des Sinon darstellt und sicher sehr bewusst in dieser Rolle gecastet wurde und absolut brilliert.

Wem das nicht ausreicht, den Film sofort auf der größtmöglichen Leinwand zu sehen, dem sei gesagt, dass der Soundtrack den Bildern in nichts nachsteht. Nolan hat sich seinen speziellen Soundtrack ohne ein klassisches Orchester gewünscht und Ludwig Göransson, der zuletzt mit Sinners (2025) begeisterte, hat diesen mit klassischen griechischen Instrumenten abgeliefert. Obgleich man Nolan gedanklich kaum von Hans Zimmers donnernden Soundtracks trennen kann, das hier ist noch mal eine Spur besser und pointierter. The Odyssey ist bei weitem kein Horrorfilm, aber die Schockmomente sind besonders auf Tonebene, so organisch eingebaut und dann so gut herausgearbeitet, ihr werdet ein ums andere Mal zusammenzucken.

Nolan liefert somit genau das ab, was man sich von einer Adaption dieses Epos durch einen modernen Meisterregisseur erhofft hat. Brachial inszeniert, perfekt gespielt und vertont und technisch wie inhaltlich auf Hochglanz poliert. Zum Inhalt wird Nolan-typisch auch ein wenig mit der Chronologie der Ereignisse gespielt, wobei ihm in die Hände spielt das auch schon Homer dieses Element im Original nutzte. Dennoch ein weiterer Faktor, der dieses klassische Epos herrlich frisch hält und dann wird am Ende auch noch eine sehr clevere inhaltlich relevante Brücke zwischen dem Film und der Entwicklung von Kriegen und unserer Gesellschaft bis in das hier und jetzt geschlagen. Nach Nolans Aussage hat er sich dem Stoff angenommen, weil es einfach zu lange her war, dass jemand dies ernsthaft getan hat und es wird einige Zeit brauchen, bis sich das wieder jemand traut, geschweige denn Erfolg damit haben wird.

The Odyssey (US UK 2026)
Regie: Christopher Nolan
Darsteller: Matt Damon, Tom Holland, Anne Hathaway, Robert Pattinson, Lupita Nyong’o, Zendaya, Charlize Theron, Elliot Page, Samantha Morton, Jon Bernthal, Himesh Patel, Moa Goth, Benny Safdie
Kinostart: 16. Juli 2026, Universal Pictures International Germany

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Malte Triesch

Malte wuchs im idyllischen Lilienthal, direkt an der Grenze zu Bremen, der schönsten Stadt im Norden Deutschlands, auf. Seine frühesten Film-Erinnerungen ist, auf dem Schulhof in der neusten TV Movie alles anzustreichen was gesehen und aufgenommen werden muss. Da die Auswahl an Horrorfilmen hier doch recht be- oder zumindest stark geschnitten war entdeckte er Videotheken für sich bzw. seine Mutter, da man diese ja erst ab 18 betreten durfte. Wenn er nicht gerade Filmreviews schreibt ist er wahrscheinlich im (Heim-)Kino oder vor dem Mikrophon für den OV Sneak Podcasts, SneakyMonday.

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