JACK WHITE – Frozen Charlotte


Foto-© David James Swanson

Looks like you started
Something that you cannot finish
Yeah, you started
Something that you cannot finish
Looks like you need to buy some more time
I think you need a couple more minutes

Well, I came to ya
On the back of a twister storm, yeah
I came to ya
On the back of a twister storm, yeah
You know I got something up my sleeve
I guess you’ll have to try to twist my arm

[Guitar Solo]

I got a brand new truck, yeah
Three tone, custom made
I got a brand new truck
Three tone, custom made, yeah
And I think that’s kind of funny
For a man who never made the grade like me
Woo!

(Jack White – Derecho Demonico)

Normalerweise sind Song-Lyrics ja in Strophen (verses) und Refrain (chorus) unterteilt. Ein Jack White verzichtet gern auch mal auf diese bewährte Struktur und lässt den Mitsingteil einfach weg, beispielsweise im neuen Track Derecho Demonico, der den Chorus durch ein Gitarrensolo ersetzt (siehe oben). Kann man natürlich machen – wenn man ein so virtuoser Gitarrist und erstklassiger Songwriter wie Jack White ist. Auch auf seinem mittlerweile siebten Soloalbum seit den White Stripes bleibt der US-amerikanische Garagenrocker unberechenbar und lässt es wieder nach Herzenslust krachen.

Dass Frozen Charlotte nichts wirklich Neues bietet – geschenkt, wen kümmert’s bei dieser erstaunlich juvenilen Hochenergie-Lieferung des inzwischen auch schon 51-jährigen Superstars. Mit seiner aktuellen Studio- und Live-Band (Dominic Davis am Bass, Bobby Emmett an den Keys, Patrick Keeler am Schlagzeug) zeigte White kürzlich schon bei seiner Tournee durch mittelgroße Venues, dass er weiterhin (sorry für die Floskel!) „Bock auf Rock“ hat. Die Erneuerung des Blues hat es ihm offenkundig immer noch angetan.

Für Balladen und andere Feinheiten blieb bei diesen Gigs kaum Platz, stattdessen wurde das Solo- und White-Stripes-Repertoire in (freilich etwas redundanten) Power-Gitarrenrock-Versionen dargeboten. Legendäre 60s/70s-Bands wie Led Zeppelin, Cream und Free ließen da schön grüßen. Frozen Charlotte (wie von White zuletzt gewohnt wieder mit Yves-Klein-blauem Cover-Artwork-Akzent) schließt nun an die Retro-Seligkeit und furiose Wucht dieser Konzerte und des mitreißenden Vorgängers No Name (2024) an, erspart uns also exzentrische Sound-Innovationen wie auf Boarding House Reach (2018).

Die 13 neuen Stücke sind vermutlich genau das, was langjährige White-Verehrer hören wollen, die dem rohen, ungeschliffenen Punk-Blues-Groove der besten Stripes-Platten hinterhertrauern. Vom krachigen Opener G.O.D. And The Broken Ribs bis zum ebenso fantastischen abschließenden Fünfminüter Neighbors Blues gibt’s so richtig auf die Zwölf. White brüllt und kreischt sich in Robert-Plant-Manier fast die Seele aus dem Leib – ein Gitarrenriff für die Ewigkeit (und die Sportstadien) wie Seven Nation Army fehlt hier allerdings (oder gibt You’ll Never Fix Me demnächst doch eines her?).

Vor zwei Jahren wurde Jack White in die Rock & Roll Hall of Fame aufgenommen – mehr als angemessen nach fast 30 Jahren im Business. No Name wurde 2025 mit einer Grammy-Nominierung in der Kategorie „Best Rock Album“ gewürdigt und hätte die Trophäe (es wäre seine 17. gewesen) mindestens ebenso verdient gehabt wie Hackney Diamonds von den Rolling Stones. Auch Frozen Charlotte könnte durchaus wieder auf die Grammy-Kandidatenliste gelangen, weil niemand kompromisslosen Garagenrock so massentauglich abliefert wie Jack White (sorry, Black Keys!). Mag diese Platte auch nicht das ganz große Meisterwerk dieses genialen Musikers sein – die enorme Spielfreude und Rotzigkeit des derzeitigen White-Quartetts macht dieses Manko wett.

Jack White – Frozen Charlotte
VÖ: 10. Juli 2026, Third Man Records
www.jackwhiteiii.com
www.facebook.com/jackwhite

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Werner Herpell

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