LOW CUT CONNIE – Livin In The USA


Foto-© Danny Clinch

Livin in the USA, but it ain’t my home
Livin in the USA, but it ain’t my home
My kinda people ain’t never gonna leave us alone
My kinda people ain’t never gonna leave us alone

They’re scarin me to death with all these things that they got goin on
It’s like Halloween baby when you realize the dream is gone
Walkin home from school there’s all these people out there lookin strange
The seasons are turnin but we didn’t have a chance to change

Pray for the children, let the children have a chance to stay
Pray for the children, let the children have a chance to stay

Livin on the street, there’s people dying out there every day
Screamin in the midnight, don’t you take my child away
You can pay some people to tell you what you want to hear
Get a good lawyer, gonna make em all disappear

Livin in the USA, but it ain’t my home
Livin in the USA, but it ain’t my home
But it ain’t my home

(Low Cut Connie – Livin In The USA)

„Ich lebe in den USA, aber das ist nicht mehr meine Heimat.“ Für Donald Trump und seine faschistoiden MAGA-Schergen ist dieser in einem Rock-Song gesungene Satz ganz sicher das Gegenteil von Patriotismus – für „gute Amerikaner“ wie den Singer-Songwriter Adam Weiner alias Low Cut Connie indes ein Ausdruck der Erschütterung über ihr Land, das sich von den amerikanischen Werten abgewendet hat. Wenn dieser Alptraum irgendwann mal vorbei ist, wird man Weiner für sein beharrliches Insistieren auf Demokratie und Menschenrechte hoffentlich zu den Helden des Widerstandes aus der US-Kulturszene zählen.

Während Stars wie Bruce Springsteen, Neil Young oder Jack White ihre Prominenz und Popularität derzeit (höchst ehrenwert) nutzen, um vor den Faschismus-Gefahren für das „Land of the Free“ zu warnen, ist Weiner schon seit über einem Jahr einer der unbekannteren, damit angreifbareren und daher besonders mutigen Pioniere des „Bis hierher und nicht weiter“. Nun hat er Wut über und Sorge um sein irrlichterndes Land auf einem ganzen Album herausgelassen. Auf einer astreinen Protestplatte, die mit ihrer Mixtur aus Piano-Pop, Heartland- und Glam-Rock, R&B und Gospel ganz nebenbei unheimlich gute Laune macht.

Wer Livin In The USA also nur als mitreißendes, verschwitztes Party-Album irgendwo zwischen Jerry Lee Lewis und Little Richard, Ben Folds und (dem jungen) Elton John, The Rolling Stones, Mott The Hoople und Little Steven genießen will, kann das natürlich tun – er/sie wird viel Spaß haben. Wer diese Lieder aber auch wegen ihrer teilweise explizit politischen Texte hören möchte, dem dürften erst recht die Ohren aufgehen. Dass Low Cut Connie seine harsche Gesellschaftskritik zu feurigem Soul-Rock äußert, der in den meisten nordamerikanischen Bars und Bierkneipen auch verstrahlte Trumpisten zum Tanzen animieren könnte, macht den Gegensatz noch eindrücklicher.

Schon kurz nach Beginn der zweiten, noch katastrophaleren Trump-Präsidentschaft im Januar 2025 trat Weiner aus der Masse der hilflosen, verschreckten Künstler mit einem klaren Statement hervor. Auf die dreiste Übernahme des Kennedy Centers in Washington durch den Möchtegern-Diktator reagierte er so: „Ich habe mich sehr darauf gefreut, im Rahmen der ‚Social Impact‘-Reihe dieser wunderbaren Einrichtung aufzutreten, die Gemeinschaft, Freude, Gerechtigkeit und Gleichheit durch die Künste in den Vordergrund stellt. Als ich erfuhr, dass diese Einrichtung, die seit 54 Jahren überparteilich geführt wird, nun unter dem Vorsitz von Präsident Trump selbst und seinem Regime steht, habe ich beschlossen, dort nicht aufzutreten.“ Bang! Der saß.

Ende 2025 veröffentlichte Low Cut Connie dann die (leider nicht auf dem 10-Track-Album vertretene) ergreifende Klavierballade Settle Down, begleitet von einem Video des renommierten Fotojournalisten Alex Wroblewski. Seine Bilder zeigen Vorfälle militarisierter Polizeieinsätze, angefangen bei Aufnahmen aus Ferguson/Missouri im Jahr 2014 bis hin zu aktuellen Razzien der brutalen Einwanderungsbehörde ICE und Einsätzen der Nationalgarde in Chicago, Memphis und Washington/D.C.

Der in Philadelphia (einer der für die freiheitliche US-Geschichte wichtigsten Städte) ansässige Songwriter hat seine achte Studioplatte dem politischen Kampf gegen die Trump-Regierung und ihre milliardenschweren Unterstützer gewidmet: „Ich habe dieses Album aufgenommen, weil es mich anwidert zu sehen, wie unser Land abgleitet in eine autoritäre Hölle, ein moralisches Vakuum, einen Ort, an dem die Kunst nicht mehr den kulturellen Diskurs bestimmt. Ich habe dieses Album aufgenommen, um diesem Regime den Stinkefinger zu zeigen, der Brutalität und Unmenschlichkeit unserer politischen und technologischen Führungskräfte. Das sind Arschlöcher ohne Klasse, Geschmack, Moral oder jeglichen Sinn für Kunst.“

Weiners Lösung ist so einfach wie ermutigend: „Rock ’n’ Roll ist eine Kunstform, bei der man Tische umwirft. Es ist Zeit, wieder einen Tisch umzuwerfen.“ Dass Songs wie Livin In The USA, Little Freakers oder Human Condition daran (hoffentlich) ihren Anteil haben werden, kann man Low Cut Connie gar nicht hoch genug anrechnen. Superbe Musik, zielgenaue Texte – ein rundum tolles politisches Rock-Album.

Low Cut Connie – Livin In The USA
VÖ: 03. Juli 2026, Contender Records
www.lowcutconnie.com
www.facebook.com/lowcutconnie

YouTube Video

Werner Herpell

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