RETURN TO SILENT HILL – Filmkritik


Foto-© LEONINE

Something has happened here, something really, really bad.

(James – Return to Silent Hill)

James (Jeremy Irvine) erhält einen Brief von seiner Ex Mary (Hannah Emily Anderson), die ihn darum bittet, sie in Silent Hill zu treffen. Obgleich seine Erinnerungen an sie und Silent Hill düster und verschwommen sind, ist sein Drang, sie und vor allem die Stadt zu besuchen, zu stark als, dass er sich diesem verschließen könnte.

Fans des Videospiels Silent Hill 2 (2001) wird diese Story bekannt vorkommen. Weniger bekannt ist der Plot für Kenner der beiden Silent Hill-Filme (Silent Hill (2006) und Silent Hill: Revelation (2012)). Denn dies ist keine Fortsetzung dieser, sondern grundsätzlich inhaltlich von diesen losgelöst zu betrachten. Regisseur Christophe Gans, der auch den ersten Silent Hill-Film drehte, betont dies auch explizit und verweist als Grund auf seine persönliche Weiterentwicklung als Regisseur und ein tiefergehendes Verständnis der menschlichen Psyche. Dennoch kommen in dem Film einige Elemente des Erstlings vor, die nicht im Spiel vorkamen und hier dann merkwürdig deplatziert wirken. Ebenso ist der Film aber auch keine direkte Adaption des Spiels, sondern enger verzahnt mit dem gleichzeitig erscheinenden Remake, welches die Entwickler von Konami parallel zu dem Film auf den Markt bringen. Somit ist der Film inhaltlich eine etwas wilde Mischung von drei Silent Hill-Werken, die sich sehr ähneln, aber deren Versatzstücke leider nicht perfekt ineinandergreifen. Ebenso oder eben deshalb wird auch kein Fan der Ursprungswerke inhaltlich so richtig zufrieden mit der Adaption sein.

Man muss jedoch leider kein Fan der Serie sein, um von dem Film enttäuscht zu werden. Sowohl das Spiel von Jeremy Irvine als auch Hannah Emily Anderson wirkt extrem hölzern und unnatürlich, was jedoch vom Setting und den Effekten noch bei weitem unterboten wird. So richtig böse kann man den Darstellern dann auch gar nicht sein, denn bei Settings, die allesamt Greenscreen schreien, muss es maximal schwierig gewesen sein, irgendwie naturalistisch zu performen. Überbordender Einsatz von Computereffekten klingt zwar in der Theorie vertretbar bei einer Videospieladaption, aber gerade Silent Hill, mit seinem Horror aus Rost, Schmutz, Asche und getrocknetem Blut schreit nach einer dreckigen, haptisch erlebbaren Umsetzung. Ebenso unnatürlich im negativen Sinne ist leider auch die Inszenierung der „Monster“. Was besonders verwundert, den diese wurde fast alle von Giulia Pelagatti gespielt, deren Performance so überzeugend gewesen sein soll, dass sie deshalb zusammen mit der Hauptcast schon im Intro des Films genannt wird. Und nicht nur sie, Bewegungscoach Roberto Campanella stand sogar ein ganzes Team an Tänzern, Akrobaten und Künstlern zur verfügen, deren Performance den Computereffekt-Künstlern später als Referenz diente. Ein Hinweis, warum das Ergebnis am Ende dann so wenig überzeugt, liegt in einem anderen Fakt der im Marketing stolz vor der Film hergetragen wird, der Film wurde in nur 50 Tagen für 23 Millionen USD gedreht, nur halb so viel wie früher der erste von Christophe Gans gedrehte Silent Hill.

Das ist zwar beeindruckend, aber leider auch in jeder Szene des Films spürbar. Ein schlechtes Skript, irritierende Effekte und mit Jeremy Irvine ein Hauptdarsteller, der einfach bei weitem kein Sean Bean ist, dessen Performance ein wichtiger Anker des Erstlings war. Da hilft auch nicht das erneut Akira Yamaoka, wie schon in den bisherigen Spielen und Filmen, den Soundtrack abgeliefert hat. Auch wenn es natürlich wahnsinnig schön ist, seine Originalsongs aus dem Silent Hill 2 Spiel zu hören, führt einem dies doch nur den starken qualitativen Kontrast zu dem Ursprungswerk vor Augen. Ebenso schmerzt, dass im Kino von Silent Hill in der Lightbox beworben wurde, dass Jacobs Ladder (1990) aufgeführt wird. Dieser absolute Klassiker des psychologischen Horrorfilms nahm vieles vorweg, was die Silent Hill-Spiele später in den Mainstream trugen und inspirierte diese maßgeblich. Ein weiterer Vergleich, dem sich dieser Film lieber nicht stellen sollte. Warum Christophe Gans ausgerechnet für diesen Film aus dem Ruhestand zurück kehrte, wird ein Mysterium bleiben. Ob er wirklich eine künstlerisch wertvolle Vision hatte oder die Fortsetzung von 2012, die nicht von ihm inszeniert wurde, toppen wollte. Gelungen ist ihm beides jedoch leider nicht. Immerhin hat der Film Konami dazu bewegt, ein Remake von Silent Hill 2 (2001) auf den Markt zu bringen, also ist wenigstens etwas Gutes dabei rumgekommen. Filmisch solltet ihr euch lieber an den Erstling oder den hier referenzierten Jacobs Ladder halten.

Return to Silent Hill (DE UK RS 2026)
Regie: Christophe Gans
Darsteller: Jeremy Irvine, Hannah Amily Anderson, Robert Strange, Emily Carding, Eve Macklin
Heimkino VÖ: 12. Juni 2026, LEONINE

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Malte Triesch

Malte wuchs im idyllischen Lilienthal, direkt an der Grenze zu Bremen, der schönsten Stadt im Norden Deutschlands, auf. Seine frühesten Film-Erinnerungen ist, auf dem Schulhof in der neusten TV Movie alles anzustreichen was gesehen und aufgenommen werden muss. Da die Auswahl an Horrorfilmen hier doch recht be- oder zumindest stark geschnitten war entdeckte er Videotheken für sich bzw. seine Mutter, da man diese ja erst ab 18 betreten durfte. Wenn er nicht gerade Filmreviews schreibt ist er wahrscheinlich im (Heim-)Kino oder vor dem Mikrophon für den OV Sneak Podcasts, SneakyMonday.

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