
Foto-© LEONINE Studios
Ich hab was gefunden.
(Clark – Backrooms)
Psychotherapeutin Mary (Renate Reinsve) bekommt von ihren Patienten sicher oft unglaubwürdige Geschichten erzählt. So auch die von Clark (Chiwetel Ejiofor), der in seinem heruntergekommenen Möbelgeschäft, das Tor zu einer anderen Dimension gefunden haben will. Doch diese Geschichte ist tatsächlich wahr und um ihn zu retten, muss sie ihm dorthin folgen.
Die Geschichte um Backrooms ist dabei fast genauso fantastisch wie die des Films selbst. Gedreht und geschrieben (letzteres gemeinsam mit Will Soodik) wurde der Film von Kane Parsons, der hier wenig überraschend sein Spielfilmdebüt abliefert, denn als er den Vertrag unterzeichnete, war er noch 19 Jahre jung. Folglich brachen sowohl er als auch der Film mehrere Rekorde, was Jugend (der jüngste Regisseur beim renommierten Studio A24) und Einspielergebnisse (erfolgreichstes Eröffnungswochenende mit 81 Millionen USD, insgesamt später über 400 Millionen und das bei einem Budget von nur 10 Millionen USD) angeht. Entstanden ist die Idee, wie viele Horrorkonzepte unserer Zeit aus einem Creepy Pasta-Meme aus einem 4chan-Thread in 2019. Ein Meme, das Parsons seit 2022 zu einer Youtube-Serie ausbaut, welche auch den Look und die Hintergrundgeschichte des Films schon vorzeichnete, und Teil des gleichen Universums ist.
Das sehr moderate Budget von 10 Millionen USD wurde dann genau dort investiert, wo es drauf ankommt, in die Schauspieler. So gewann man Veteran Chiwetel Ejiofor (12 Years a Slave) und Indie Film-Darling Renate Reinsve (unter anderem Sentimental Value und The Worst Person in the World) für die beiden Hauptcharaktere. Ihr Spiel ist es dann auch, was die fantastischen Elemente so unglaublich real und greifbar wirken lässt. Ein weiterer Faktor sind aber sicher die „echten“ Sets. Denn hier gibt es keinen oder zumindest wenig immer etwas künstlich wirkenden Greenscreen-Einsatz, nein, es wurden 30.000 Quadratmeter „echte“ Backrooms gebaut. So glaubwürdig, dass sich angeblich auch die Crew immer mal wieder verirrte. Backrooms vereint mehrere erfolgreiche Strömungen des Horrorfilms der letzten Jahre. Zunächst den realistischen und beklemmenden psychologischen Unterbau. Backrooms ist kein Party-Slasher, sondern ein Film, der absolut ernst genommen werden möchte. Das im Kern des Plots eine Psychologin und ihr Patient stehen, ist dabei zwar nicht der subtilste Hinweis darauf, dass man die Backrooms als eine Psychose von Clark und vielleicht sogar Mary lesen kann, aber dieser Aspekt bzw. die Beziehung zwischen den beiden ist letzten Endes nicht der Dreh- und Angelpunkt des Films. Ein weiterer offensichtlicher Grund für den Erfolg des Films ist sein Ursprung. Denn die Verquickung von Internet-Memes und Youtube-Serien, lockt genau das junge Publikum ins Kino, das sich dort in den letzten Jahren kaum noch blicken ließ und mit Parsons steht ein Regisseur hinter der Kamera, der auch klar ihre Sprache spricht. Ein letzter Aspekt ist noch, dass der Film nicht, wie viele Vertreter des „Elevated Horrors“, dem Zuschauer überlässt, zu interpretieren, ob es denn jetzt übernatürliche Elemente gibt oder nicht. Der Film lässt keinen Zweifel daran, dass die Backrooms real sind. Die psychologische Ebene des Horrors funktioniert dadurch jedoch kein Stück weniger, kann aber vom Publikum ignoriert werden, wenn sie einfach „nur“ einen Horrorfilm sehen möchten.
Kritisch betrachtet muss man Backrooms jedoch auch attestieren, dass er gerade vom Tempo her alles andere als treibend ist und sich die teilweise fast dokumentarisch anfühlenden gut zwei Stunden durchaus ziehen. Wie eingangs erwähnt, handelt es sich absolut um keinen Partyfilm, der dazu auch noch fast gänzlich auf Jumpscares verzichtet. Zusammen mit dem Überraschungshit Obsession (2025) von dem nicht viel älteren Curry Baker (Jahrgang 1999) läutet Backrooms dennoch nicht weniger als einen Schichtwechsel im Horror-Genre ein. Eine neue Generation von Filmemachern, die eine neue Generation von Zuschauern in das Kino locken. Überraschend, dass dies hier ausgerechnet mit einem recht trockenen, oberflächlich geradezu biederen Film gelingt. Wobei ja auch gerade diese Elemente den Horror darstellen. Wenig überraschend sind weitere Youtube-Episoden und eine Fortsetzung des Films unter Aufsicht von Parsons in der Mache. Hoffen wir, dass sie auch weiterhin junges und altes Publikum in die Kinos ziehen, es sind definitiv genug Plätze für sie frei. Alle die, an denen das Phänomen bisher vorbeigezogen ist, sollten daheim einen Blick in die Hinterzimmer wagen und sich dann vielleicht beim nächsten Mal auch ins Kino trauen.

Backrooms (US CA 2025)
Regie: Kane Parsons
Darsteller: Chiwetel Ejiofor, Renate Reinsve, Mark Duplass, Finn Bennett, Likita Maxwell
Heimkino VÖ: 25. September 2026, LEONINE Studios

