BLONDSHELL – Violins


Foto-© Reese Layton

It’s not overnight
It takes all my focusing
It’s like watching paint
Wait what’d you say
Rushing just puts more on my plate
‘Cause it’s not overnight

(Blondshell – Violins)

Manchmal braucht es nur einen Satz, um den Ton eines Albums zu treffen. “It’s not overnight“, singt Sabrina Teitelbaum im Titelsong von Violins und meint damit einen Prozess, der sich weder beschleunigen noch in einen triumphalen Refrain auflösen lässt. Dennoch ist dieser Refrain groß, tief emotional und voller Hoffnung. Schwere, grungige Gitarren türmen sich auf, während ihre Stimme beinahe leicht bleibt; unerwartete Breaks geben dem Song gerade dort Luft, wo er am dichtesten wird. Dieser Widerspruch trägt auch Blondshells drittes Album.

Nach Blondshell und If You Asked for a Picture ist Teitelbaum bei einem Sound angekommen, der seine Wucht nicht ständig beweisen muss. Heart Has To Work So Hard etwa lässt die elektrischen Gitarren zwar wieder kraftvoll aufspielen, findet aber eine lockere, melodische Bewegung, die an den Alternative Rock der frühen Nullerjahre erinnert. Umso stärker wirkt der Blick auf eine Freundschaft, in der Zuneigung und Erschöpfung nah beieinanderliegen. Man kann jemandem viel verdanken und sich in dessen Nähe trotzdem verlieren.

Von dort aus öffnet sich Violins immer wieder in ruhigere Gefilde. Auf Sea Legs geben Drum Machine und effektvolle Gitarren dem Song zunächst eine schwebende, stellenweise an Dream-Pop erinnernde Atmosphäre. Er bewegt sich fast leichtfüßig auf den Refrain zu, bevor eine verzerrte Leadgitarre diese Ruhe aufbricht. New Shape braucht für seine Unruhe weniger: Die akustische Gitarre steht im Vordergrund, Teitelbaum singt direkt und nachdenklich über einen Menschen, der sich jeder vermeintlichen Gewissheit entzieht. Gerade weil hier keine Antwort erzwungen wird, bleibt der Song hängen. Auch die verträumte Ballade Knotted nimmt sich Zeit. Hall legt sich über die Gitarre, während Teitelbaums Gesang stärker ins Poppige rückt. Die Melodie klingt weich, das Verhältnis im Text ist es nicht: Versprechen halten die Erzählerin fest, obwohl die Nähe längst an ihr zehrt. Solche Brüche verleihen dem Album mehr Tiefe als jede große Geste.

Wie vorsichtig sich Glück anfühlen kann, erzählt Lucky. Zwischen Erinnerungen an Krankheit und beiläufigen Bildern aus dem Alltag singt Teitelbaum davon, sich schön und ausgeruht zu fühlen. Doch sie will diesen Zustand lieber nicht auf die Probe stellen. Selbst die Zuversicht hält hier kurz den Atem an. Im Schlusstrack Fur Elise verdichtet sich das noch einmal. Aus einem nachdenklichen Beginn wächst ein lauterer, rockiger Song, der in seiner emotionalen Dringlichkeit stellenweise an Mitski erinnert. Doch die letzten Takte öffnen einen vorsichtig hoffnungsvollen Ausblick. Violins erzählt nicht davon, dass alles gut wird. Es lässt hören, wie man trotz allem weitermacht.

Blondshell – Violins
VÖ: 25. September 2026, Partisan Records
www.blondshellmusic.com
www.facebook.com/blondshe11

Blondshell live:
07.12.26 Berlin, Metropol

YouTube Video

Robert Heitmann

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