THE AFGHAN WHIGS – Soft Control


Foto-© Orlando Perkins

I can feel the way, the weight of the world
Gold
Ever since I was old enough to play

(Say) Say what you want to, child
(Say) Say what you’re needing
Say you’re a superstar
If that’s the way you’re feeling
(Say) Can’t get you off my mind
I don’t believe it
(Say) Can’t get you off my line
Watch your body steal it

Whoa oh oh
Had it coming to me (Had it coming to me)
Whoa oh oh
Had it coming to me (Had it coming to me)
Whoa oh oh
Had it coming to me (Had it coming to me)
Had it coming to me, heavy lies the crown

(The Afghan Whigs – Jungle Roux)

„Vor dem von Karo-Mustern und Grunge geprägten Hintergrund der frühen bis mittleren 90er Jahre hoben sich die Whigs von ihren Zeitgenossen ab, indem sie Anzüge trugen und sich viel eher auf einen Marvin-Gaye-Groove einließen, als ein Black-Sabbath-Riff zu wiederholen“, war kürzlich über The Afghan Whigs, letztlich eine der langlebigsten Bands jener legendären Ära, zu lesen. Und tatsächlich: Neben all den tollen neuen Indie-Rockern wie Nirvana, Pearl Jam, Soundgarden, Dinosaur Jr und Screaming Trees waren diese Typen aus Cincinnatti/Ohio echte Exoten. Denn ihnen ging es nicht um Gitarrenkrach mit metallischer Härte, Schmerz und Wut, sondern um einen düsteren, sinnlichen Grunge mit Groove.

So fand der grandiose Sänger, Songwriter und Vollblut-Frontmann Greg Dulli mit seiner Band dank schwarzer Musik ein Alleinstellungsmerkmal. Und hatte ziemlich schnell auch Erfolg – nicht in Kurt Cobain-, Eddie Vedder– oder Chris Cornell-Dimensionen, aber immerhin. „Die Afghan Whigs entwickelten sich zu einem kultivierten, stimmungsvollen, von Soul geprägten Post-Punk-Quartett und wurden zu einer der von der Kritik am meisten gefeierten Alternative-Bands der 1990er Jahre“, schrieb das Online-Magazin Allmusic über die Band aus Cincinnatti/Ohio. Und die Anerkennung für diesen intelligenten, auch mal ungemütlichen Crossover-Sound hält bis heute an.

Zumal The Afghan Whigs, im Gegensatz zu den meisten der Kollegen von damals, immer noch aktiv und relevant sind. Erst recht mit dem neuen Album Soft Control, ihrem vermutlich besten seit rund 30 Jahren. Nachdem auf aktuelleren Whigs-Platten wie In Spades (2017) und How Do You Burn? (2022) das Pendel in Richtung eines etwas konventionelleren (gleichwohl hörenswerten) Gitarrenrock ausgeschlagen war, signalisierte bereits die fantastische Single Jungle Roux Anfang Juni eine Rückkehr zum Sound von Gentlemen (1993) und 1965 (1998), ihren souligsten Nineties-Alben.

Tatsächlich ist Dulli, der zwischendurch auch den Seitenprojekten The Twilight Singers und The Gutter Twins (mit dem 2022 gestorbenen Freund Mark Lanegan) seinen unverkennbaren dunklen Stempel aufgedrückt hatte, auf Soft Control in der Form seines Lebens als weißer Soul-Sänger. Mit dem bereits erwähnten Opener Jungle Roux gelingt den Afghan Whigs auf Anhieb eine perfekte Mixtur aus hartem Gitarrenrock und glühendem Gospel. Das ebenfalls vorab ausgekoppelte House Of I kombiniert knallige Riffs mit Dullis seelenvollen Macho-Vocals.

Und selbst wenn diese beiden Tracks bis zum Ende von Soft Control die insgesamt stärksten bleiben, kommt nie das Gefühl auf, es mit einer „Frontloader-Platte“ zu tun zu haben, der irgendwann die Luft ausgeht. Denn auch im mittleren bis niedrigeren Tempo ist diese fabelhafte Band zuhause, etwa in der mit schönen Trompeten-Sounds verzierten Piano-Ballade The Deepest Part Of The Darkest Shadow oder im hymnischen Mariah Luster. Mit dem sphärischen, von Dulli teilweise im feinsten Falsett zelebrierten A Simulation klingt ein Album aus, das die Theorie vom Tod des Gitarrenrock ad absurdum führt.

The Afghan Whigs haben Europa-Tourneetermine mit dieser superben Platte für den Herbst bekanntgegeben, inklusive – bisher leider nur – einer Deutschland-Show am 30.09.2026 im Kölner Luxor (mit dem Support-Act Ed Harcourt, der als einer von Dullis Lieblingskünstlern gilt). Wer diese US-Truppe (zweites Mitglied der Whigs-Originalbesetzung ist Bassist John Curley) schon mal live gesehen hat, weiß, was er zu erwarten hat – nämlich furiosen, schwitzigen, lauten Gitarren-Groove-Rock . „Ich liebe es einfach, mit einer geilen Band zu spielen“, sagte Frontmann Dulli kürzlich im Guardian-Interview. „Und die Afghan Whigs sind eine verdammt geile Band.“ Recht hat er.

The Afghan Whigs – Soft Control
VÖ: 21. August 2026, Royal Cream
www.theafghanwhigs.com
www.facebook.com/TheAfghanWhigsOfficial

The Afghan Whigs live:
30.09.26 Köln, Luxor

YouTube Video

Werner Herpell

Mehr erfahren →