
Foto-© Aidan Monaghan
He was not a hero.
(Robin Hood – The Death of Robin Hood)
Am Ende seines Lebens hadert Robin Hood (Hugh Jackman) mit seinem Vermächtnis: den Geschichten und Erzählungen über sein Wirken und die grausame Wahrheit dahinter. Schwer verletzt, mit dem Wunsch nach dem Tod findet er sich in der Pflege von Sister Brigid (Jodie Comer) wieder, die versucht seinen Körper und seinen Geist zu heilen.
Nach The Odyssey (2026) bekommen wir mir The Death of Robin Hood eine weiter Neuinterpretation einer klassischen Sage, welche das Leben eines kriegsmüden Mannes, der mit seinem Vermächtnis hadert, umreißt. Wobei hier der Fokus nicht auf der Reise, sondern fix auf dem Ende von eben dieser liegt. Auch wenn Regisseur und Autor Michael Sarnoski (Pig (2021), A Quiet Place: Day One (2024)) den Film durchaus mit ein wenig dreckiger, harter Action beginnt, ist Robin Hood primär ein ruhiger Film, in dem über den Kreislauf aus Gewalt, Verbrechen und vor allem Rache sinniert wird. So werden auch die wenigsten an dem zwar imposanten aber schlicht grausam und traurig inszenierten Action-angereicherten Auftakt des Filmes Spaß haben. Ähnlich wie in Valhalla Rising (2009) scheint die ganze Welt kalt, von Farbe und Freude beraubt und die Gewalt darin sinnlos und überbordend. Erst nach Robin Hoods unweigerlichem Fall kehrt ein wenig Farbe in das Bild auf der Leinwand und Hoffnung in die Herzen zurück. Bei allem Ernst und Dreck und der wirklich realistischen, reduzierten Inszenierung muss dennoch erwähnt werden, dass egal wieviel Bart und Schmutz man Hugh Jackman anklebt, er bleibt dennoch ein bisschen zu schön und vital, um einen gebrochenen, alten Mann zu spielen. Schlimmer noch, kommen bei seiner grummeligen, verbitterten und irgendwie dennoch unverwüstlichen Interpretation der Figur unweigerlich Erinnerungen an Wolverine auf. Wobei dieser fairerweise mit Logan (2017) auch schon einen sehr ähnlich gelagerten und auch ähnlich ernsten Film hatte. Und wenn Robin Hood hier nun einmal an denselben Punkt in seinem Leben kommt wie Wolverine, dann ist es nichts anderes, als perfektes Casting dafür Hugh Jackman an Bord zu holen. Bill Skarsgard hingegen verschwindet erneut völlig in seiner Rolle und auch wenn Little John nicht viel Screentime hat, macht auch er das Beste daraus. Wichtiger für den Film und vor allem Robin Hoods mögliche Erlösung ist Jodie Comers Brigid. Deren Figur wesentlich vielschichtiger ausgearbeitet wird, als man vielleicht zunächst vermutet. Ähnlich wie Pig ist auch Robin Hood nach einem erschütternden Auftakt eine sehr ruhige, fast meditative Reise. Darauf sollte man vorbereitet und willens sein, sich hier zwei Stunden Zeit und Ruhe zu nehmen. Auch sollte man wegen der Gewaltspitzen zu Anfang und der durchgehend schweren Thematik sehr gefasst an den Film herangehen. Vor allem aber sollte man keinen flotten Actionfilm oder gar eine romantisch verklärte Interpretation von Robin Hood erwarten. Dass Death of Robin Hood dies nicht sein will, stellt der Film in seinem Titel klar und das sollte man ihm daher nicht vorwerfen.
Wer sich also in der Lage sieht, sich durch zwei Stunden Ruhe und ein wenig sehr raue Gewalt zu arbeiten, der bekommt hier eine spannende, stark gespielt Neuinterpretation der klassischen Robin Hood Figur. Wunderschöne Landschaftsaufnahmen, gebrochen von bewusst hässlicher Darstellung der menschlichen Abgründe. Sicher nicht ohne Tränen, aber auch nicht ohne Hoffnung.

The Death of Robin Hood (US UK IR 2026)
Regie: Michael Sarnoski
Darsteller: Hugh Jackman, Jodie Comer, Bill Skarsgard, Jade Croot, Karie Breen
Heimkino VÖ: 25. September 2026, DCM

