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Veröffentlicht am 7.03.2010 | von Lisa

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BROTHER ALI – Us

I started rhyming just to be somebody
Found out I already was
Cause can’t nobody be free unless we`re all free
There’s no me and no you
It’s just us…

(Brother Ali – Us)

Auch wenn es eigentlich Bedroomdisco – Indie vs. Elektro heißt, gibt es heute auch mal einen Musiktipp, der in eine etwas andere Richtung geht: und zwar ein Rap-Album.

Auch wenn viele Kritiker den amerikanischen Hip Hop / Rap schon seit vielen Jahren für tot erklären, gibt es immer wieder Künstler wie Kanye West als letztes Beispiel, die beweisen, dass es sich beim Rap um alles andere als eine zuckende Leiche handelt – sondern um ein immer noch kreatives Genre mit Ausnahmekünstlern, die die Grenzen des Rap ständig neu definieren. Einer davon ist Brother Ali, der im Herbst vergangenen Jahres das hochgelobte Album „Us“ herausgebracht hat.

Brother Ali ist zunächst einmal ganz anders, als sein Name vermuten lässt: nämlich weiß, blind – und Albino. In seiner Kindheit mit seinen Eltern von Stadt zu Stadt gezogen und stets aufs Neue wegen seiner körperlichen Besonderheiten von seinen zumeist weißen Mitschülern gehänselt, fühlte er sich schon seit frühester Kindheit, wie er selber sagt, vor allem in Gesellschaft von Schwarzen wohl. Durch seine hauptsächlich farbigen Freunde wurde er in die Hip Hop- und Rap-Kultur eingeweiht und begann, selber zu rappen. Das im letzten Herbst veröffentlichte Album „Us“ ist bereits sein viertes Studioalbum.

„Us“ ist gespickt mit kreativen, souligen Beats, tänzelnden Klavierakkorden, säuselnden E-Gitarren, dem geschmeidigen Sprechgesang Alis und nachdenklichen Lyrics, die von gesellschaftskritischen Gedanken („The Travelers“), über seine Kindheit als das Kind, das immer anders war, in „Slippin Away“ (Mom wasn’t havin that, fuck bein cool / with no discussion, stuck me in a suburb school / Now day and night I’m on a bus full of fools / Who parents didn’t want us ended up in the news…“), bis hin zum Titelsong des Albums reichen, das in einem Wort die Mission des jungen Mannes, der von seinen Fans „Street Preacher“ genannt wird, subsummiert: „Us“. Brother Ali will Gemeinsamkeit, und keine Einsamkeit, und stellt in dem gospelartigen Song fest, dass für ihn, den Blinden, die Menschen eh alle gleich aussehen – und es ja eigentlich auch sind: „I`m blind in the eyes / but I see with my heart“.

In Brother Alis Songs geht es nicht, wie bei vielen Rap-Künstlern die mittlerweile nur noch das fleischgewordene Klischee von Gangster-Rap verkörpern, nur um Frauen, Schießereien oder Respekt, sondern ihm geht es um mehr Verständnis und Toleranz in der Welt. Er will Kritik üben an der Gesellschaft in der er groß geworden ist und die ihn so schlecht behandelt hat, er will Rassismus bekämpfen und auf Missstände aufmerksam machen, er spricht unbequeme Wahrheiten aus und macht das auf eine unnachahmlich lässige Art.

Wie bei so vielen Künstler entstammt auch bei Brother Ali die Musik, die Kunst, aus dem Drang danach, verstanden zu werden, weil man sich lange unverstanden fühlt – aber spätestens mit diesem Album sollte er sich um Zuhörerschaft wirklich keine Sorgen mehr machen müssen.

Brother Ali – Us
VÖ: 25. September 2009 (Rhymesayers)
www.myspace.com/brotherali

httpvh://www.youtube.com/watch?v=lsPaYZ26Cw0

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