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Veröffentlicht am 14.04.2010 | von Franzi

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XXY – Filmkritik

„Die Natur macht uns zu Mann oder Frau…
oder beidem zugleich“

In ihrem Regiedebüt wagt sich die Argentinierin Lucia Puenzo an eines der letzten Tabus unserer modernen Gesellschaft: Intersexualität, Mann und Frau, die in einem und selben Körper stecken. Im vielfach ausgezeichneten Film „XXY“ nimmt sich Puenzo diesem Thema anhand des Schicksals der 15-jährigen Alex (Ines Efron) an. Die androgyne junge Rebellin lebt gemeinsam mit ihren Eltern zurückgezogen an der Küste Uruguays, weit weg von der Stadt und dem dummen Gerede der Leute.  Bekannte kommen zu Besuch, ein Chirurg samt Ehefrau und seinem 16- jährigen Sohn Alvaro . Die Frage nach einer sogenannten „normalisierenden“ OP steht im Raum, wird aber nie offen gestellt oder diskutiert. Der Vater von Alex (Ricardo Darín) ist von Anfang an dagegen, für ihn ist Alex perfekt – genauso wie sie ist. Auch Alex selbst macht keine Anstalten sich mit diesem Vorhaben zu bsechäftigen, setzt sie doch auch die Hormonabletten ab, die sie seit ihrer Kindheit gegen eine Vermännlichung ihres Körpers nimmt. Zwischen Alex und Alvaro herrscht vom ersten Augenblick an eine pubertäre Spannung, Es kommt zum ersten Mal – für Alvaro natürlich eine krasse Erfahrung, da Alex primär männliche Genitalien besitzt.

XXY ist eine subtile Studie, die die Menschen aus Alex Umgebung als Platzhalter für die Gesellschaft und ihren Umgang mit Intersexuellen porträtiert.  Alex Eltern sind im Grunde nur besorgt um sie und möchten sie gar nicht in Frage stellen. Allerdings sehen sie auch die Schwierigkeiten, denen Alex ausgesetzt und immer ausgesetzt sein wird, sei es beispielsweise durch die demütigenden Handlungen ihrer Mitmenschen. Der befreundete Chirurg sieht in Alex nur einen medizinischen Fall, eine Missbildung, mit deren „Heilung“ er sich in der Medizinerfachwelt profilieren kann.  Alvaro ist unglaublich fasziniert und Freunde von Alex gehen ganz natürlich mit ihr um.

Die Geschichte wird sehr authentisch und liebevoll erzählt, insgesamt kommt der Film mit sehr wenigen, dafür aber zum Teil drastischen Worten aus.   Ines Efron als Alex ist unglaublich präsent und stark, ein Mädchen, das sich ihres Schicksals bewußt ist, doch eigentlich den Dingen nur ihren Lauf lassen will und keine Enscheidung treffen möchte. Genau das ist auch  die Botschaft des Films: Das Leben ist nicht nur schwarz und weiß, männlich und weiblich, XY oder XX . Sondern es kann eben auch XXY sein, worauf der Filmtitel anspielt.

XXY ist ein stilles, aber sehr überzeugendes Filmmanifest mit der unmissverständlichen und meiner Meinung nach einzig richtigen Botschaft: Jeder hat das Recht auf sexuelle Selbstbestimmung.

4von511

XXY (Argentinien 2007)
Regie: Lucia Puenzo
Darsteller: Ines Efron, Ricardo Darín,  Valeria Bertuccelli, Germán Palacios, Martin Piroyansky, Carolina Peleritti
DVD-VÖ: 09. Januar 2009, Koolfilm, Goodmovies

httpv://www.youtube.com/watch?v=xk5bsgIUVTI

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