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Veröffentlicht am 7.12.2010 | von Franzi

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POLARKREIS 18 – Frei

„All that I love,
a light that´s shining bright
from where I´ve never been before“

(Polarkreis 18 – All that I Love“ )

Dieser Tage erschien ein Werk. Ja, das neue Album „Frei“ von Polarkreis 18 darf so genannt werden. Und ja, es polarisiert.  Mehr noch, es stößt auf Resentissements, die sich in Zitaten wie „Da dreht sich mir der Magen um“ (Einer der ersten Hörer),  „Eine versalzene Suppe“ (Motor.de) oder „Beziehungsstatus: schwierig“ (Intro) mehr als deutlich widerspiegeln. Nach vielen Meinungen also singt Felix Räuber nicht nur den Eröffnungstrack „Frei“ mit einem Atem der Fehlbarkeit. Obwohl das Sextett aus Dresden ihr drittes Album doch als ihre reifeste Schöpfung betiteln. Ja und was soll der geneigte Polarkreis 18 Hörer nun denken oder erwarten?

Bleiben wir mal kurz bei dem „Erwarten“. Mensch Leute, Polarkreis 18 sind eine Band, die für ihr letztes Album (The Color of Snow, 2008) das gesamte Babelsberger Filmorchester engagierten, so opulente Klangkulissen schafften, bei denen sich Wagner im Grabe wohl über „Ideenklau“ beschweren würde, und die mit apokalyptischen Textzeilen wie „Wir sind allein“ eine ganze Nation zum Chorsingen bewegte. Was ist jetzt wohl die logische Konsequenz für ein Nachfolgealbum?  Glasklar ist die Antwort: Ein experimentelles Lo-Fi Post-Punk Album mit DIY-Charakter und dem Motto: „Weniger ist mehr“. Glasklar.

Natürlich wirkt „Frei“ überladen. Natürlich ist es an Pomp und Theatralik kaum zu übertreffen (obwohl, war da nicht irgendwas mit…Wagner ?!?!), aber es wären nun mal nicht Polarkreis 18, wenn sie Pop nicht seiner Seichtheit berauben würden, um ihn zu stilisieren und so zu  etwas G R Ö ß E R E M zu verhelfen.

Kommen wir nun zum denken. Die erste Hälfte des Albums bietet dafür eigentlich kaum Platz, muss man dieses Panorama an Klangpalästen erst einmal verarbeiten. Hie und da huschen nichtsdestotrotz unvermeidbare Dejà Vus durch die Flure, wie  zwischen englisch und deutsch wechselnde Lyrics („Frei“) oder ein schrilles „DAAINE LIEEEBE“ im Gesangstil von Modern Talking. Der zweite Teil des Albums ist weniger extrovertiert und temperamentvoll, nun ist Zeit, die Geschütze etwas zurückzufahren und sich mehr dem Melodram und des Gesangs anzunehmen.

Polarkreis 18 haben mit „Frei“ definitiv eins draufgesetzt. Für viele ist es  zu viel des Guten, da aus dem Hang, ein Überhang zur Dramatik wurde. Für viele andere, und allen voran wohl die Band selbst, ist es einfach ein gesteigerter Ausdruck von Emotionalität durch die Musik. Und was ist daran bitte verwerflich?

4von5111

Polarkreis 18 –  Frei
Vö.: 26. November 2010, Universal
www.polarkreis18.de

Polarkreis 18 – Unendliche Sinfonie

Polarkreis 18 – Unendliche Sinfonie from Daniel Warwick on Vimeo.

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