Film Shameless - Staffel 1

Veröffentlicht am 5.09.2012 | von Fred

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SHAMELESS – Staffel 1- Kritik

Shameless - Staffel 1

We know how to fucking party!

(Frank Gallagher – Shameless)

Den notorischen Trunkenbold Frank Gallagher (William H. Macy) kann man nur an zwei Orten finden: Am Tresen seiner Stammkneipe oder bewusstlos auf dem Wohnzimmer-Fußboden. Hier bettet er sich oftmals ungewollt zur Ausnüchterung, ungeachtet dem Rest seiner Familie. Und die Gallagher Sippe ist groß, besteht sie doch aus sechs Kindern und keiner Mutter. Man könnte sagen Frank ist alleinerziehend, wobei das auch nicht so ganz stimmt. Denn anstatt sich um seine Familie zu kümmern, kennt der Vater nur die Sorge nach seiner nächsten erschlichenen Sozialhilfe und dem nächsten Bier. So kommt es, dass die älteste Tochter, Fiona (Emmy Rossum), die restlichen Geschwister erzieht, ernährt und versucht Ihnen ein Familiengefühl zu vermitteln. ‚Shameless‚ erzählt von diesem ungewöhnlichen Unterschichtenalltag der Gallaghers, der von skurrilen Situationen nur so strotzt und in seiner grenzwertigen Absurdität mehr als nur einmal zu lautem Lachen verleitet. Hier trinken die Kinder Bier und rauchen Gras, ergaunern sich mit illegalen Machenschaften Geld und erforschen ihre Sexualität. Und trotzdem: Jeder in dieser durchgedrehten Familie übernimmt auf seine Art Verantwortung für die Gruppe und sehnt sich nach einem Stück Normalität in ihrem familiären Chaos.

‚Shameless‘ ist eine unterhaltsame und gewagte Mischung aus Sozialdrama und Komödie, wie sie nur nur aus dem britischen Raum kommen kann. Der Humor ist tiefschwarz und es verwundert wenig, dass ‚Shameless‘ und die Gallaghers eine englische Idee sind. Das Original läuft seit 2004 erfolgreich und preisgekrönt in Großbritannien. Es spielt in Manchester und ist gut genug, dass eine neue und auch noch amerikanische Version zunächst nicht als das zwingendste Anliegen dieser Welt erscheint. Gerade, wo es doch immer ein Wagnis ist, eine polarisierende und provozierende englische Serie fürs amerikanische Fernsehen aufzubereiten. Als abschreckendes sei hier nur die US-Bubblegum Variante der E4 Serie ‚Skins‚ genannt, die nicht nur entschärft, sondern ihrer kompletten Seele beraubt wurde.

Nicht so bei ‚Shameless‘: Die US-Fassung funktioniert ausgezeichnet und übertrifft das Orignial sogar oftmals. Das liegt daran, dass sehr eng mit Paul Abbott, dem Macher und Erfinder von ‚Shameless‘ zusammengearbeitet wurde. Und der achtete penibel darauf, dass seine Schöpfung bei aller Amerikanisierung nicht verwässert oder überzuckert wird. Was wiederum auch nur möglich ist, weil die Serie in den USA beim Bezahlsender Showtime (‚Dexter‘, ‚Californication‘, ‚Weeds‘) läuft, der explizite Darstellungen von Sex, Drogenkonsum und Gewalt (erfolgreich) zum Geschäftskonzept erklärt hat. Ein Beispiel für die Ernsthaftigkeit mit der gedreht wird, ist das Make-Up Verbot. Dadurch soll eine eine Authentizität geschaffen werden, die gleichsam Look und Feeling unterstützt, aber auch den menschlichen Voyeurismus nach Realität befriedigt. „Die meisten der Charaktere leben ein Leben, das ihnen im wirklichen Leben kaum Zeit für Make-up ließe“, hieß es in einem Interview.

Um die Authentizität sicherzustellen wurde zudem eine ausgezeichnete Besetzung verpflichtet: Emmy Rossum spielt Fiona, das vernünftigste Familienmitglied, so warmherzig und gleichzeitig unterschwellig traurig, dass ihr Ruf als langweiliges Starlet hoffentlich bald der Vergangenheit angehört. Comedy-Veteranin Joan Cusack erinnert als agoraphobische und nymphomanische Teilzeitfreundin von Frank daran, dass es wenige Schauspieler gibt, die so lustig und gleichzeitig befremdlich sein können. Doch wie könnte es anders sein, Herz und Seele des Ganzen ist William H. Macy als Alptraum-Vater Frank. Er spielt einen Mann, der seine Kinder vernachlässigt, manchmal sogar gewalttätig wird. Er spielt einen Lügner und Betrüger, der zuerst immer nur an sich denkt und sonst nur an das nächste Bier – und trotzdem ist es schwer, ihn nicht irgendwie gern zu haben. Frank Gallagher ist ein verabscheuungswürdiger Charakter, aber Macy umgibt ihn mit einer traurigen Resignation, die andeutet, dass da doch ein besserer Mensch drinstecken könnte.

Zusammenfassend bleibt zu sagen, dass bei ‚Shameless‘ der Titel wahrlich Programm ist. Es wird kein Blatt vor den Mund genommen, Moral ist den Protagonisten fremd und es gibt (fast) keine Grenzen, die nicht überschritten werden. Die tragikomische Serie ist stets menschlich und realistische Figurenzeichnungen vermitteln Unterhaltung auf hohem Niveau. Sollte man am besten mit einem Bier genießen.

Shameless (USA 2011)
Schöpfer: John Abott
Darsteller: Steve Howey, Emmy Rossum, William H. Macy, Jeremy Allen White, Joan Cusack, Shanola Hampton, Justin Chatwin, Cameron Monaghan
DVD-VÖ: 06. Juli 2012, Warner Home Video

In Zusammenarbeit mit Warner Home Video verlosen wir zum DVD-Start von ‘Shameless’ zwei DVD-Boxen der ersten Staffel. Ihr wollt gewinnen, dann schreibt uns bis zum 28. September eine Mail mit dem Betreff ‘Shameless’ und eurer Adresse an gewinnen@bedroomdisco.de und mit etwas Glück habt ihr den Film bald daheim im Briefkasten.

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Über den Autor

Fred ist 32 Jahre, wohnt in der Pop-City Damstadt und mag Hunde, Pizza und Musik.



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