Musik

Veröffentlicht am 3.06.2013 | von Benjamin

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DAFT PUNK – Random Access Memories

Daft Punk - Random Access Memories

Es ist lange her, dass für ein Album die Werbemaschinerie der Art angeworfen worden ist wie es beim lang erwarteten, vierten Studioalbum der beiden Franzosen Thomas Bagalter und Guy-Manuel de Homem-Christo der Fall ist. Dass die Rezension zum neusten Werk von Daft Punk an dieser Stelle so lange auf sich warten ließ, ist einerseits dem Umstand geschuldet, dass man nur ungern die Helden seiner Jugend herabwürdigt. Und andererseits dem genauen Blick, dem es bedarf, um herauszufinden, warum man es leider doch tun muss.

Schon die letzte größere Produktion von Daft Punk hat sich als mittelmäßig herausgestellt. Die Rede ist vom Soundtrack des Sci-Fi Films ‚Tron Legacy‚, der nur wenige Perlen präsentierte  und glücklicherweise aufgewertet wurde durch die im Nachhinein veröffentlichte hochwertigere Remixplatte. Schon anhand des von ihnen produzierten Soundtracks lässt sich rückwirkend aus dem Zusammenspiel von visueller und auditiver Ästhetik ablesen, wohin sich die Elektronica-Poiniere Daft Punk hin entwickelten. ‚Tron Lecacy‘ selbst lebte – und das setzt das neue Album ‚Random Access Memories‚ fort – von einer schon fast nicht mehr enden wollenden Nostalgie- und Revivalwelle, wie sie Simon Reynolds auch in seinem Buch ‚Retromania‘ beschreibt. Letztlich ist das, was hier passiert, eine Neuauflage der Vergangenheit mit den gegenwärtig zu Verfügung stehenden technischen Mitteln. Auf der Strecke bleibt bei diesem Verfahren meist die vom Experimentieren lebende Weiterentwicklung. Und diese Unberechenbarkeit geht dem neuen Daft Punk Album völlig ab.

Random Access Memories‚ ist nicht mehr aber auch nicht weniger als eine solide Pop-Platte. Pop verspricht gegenwärtig (nur) die Freude an seinem Konsum, das heißt Pop ist performativ geworden. Im Vollzug schenkt er Glück. Das beste Beispiel dafür ist zweifellos die Kooperation Daft Punks mit Pharell Williams in der Hit-Single ‚Get Lucky‚, deren Thema nichts anderes ist als die Umsetzung von eben jenem Popversprechen. In der Hook heißt es:

We’ve come too far
To give up who we are
So let’s raise the bar
And our cups to the stars
She’s up all night ‚til the sun
I’m up all night to get some
She’s up all night for good fun
I’m up all night to get lucky
We’re up all night ‚til the sun
We’re up all night to get some
We’re up all night for good fun
We’re up all night to get lucky‘

Dass mit diesem Song ein absoluter Ohrwurm gelungen ist, überrascht wenig, denn schließlich sind alle Beteiligten Profis, die wissen, was sie tun. Aber auch hier ist zu bemängeln, was insgesamt an der Platte stört: der übermäßige Einsatz des Vocoders.

Überaus gelungen hingegen ist die Zusammenarbeit mit der Legende Giorgio Moroder, der im Song ‚Giorgio by Moroder‚ unaufgeregt  von seinem musikalischen Werdegang berichten darf, untermalt von einer heroisch strahlenden Melodie. Ergänzt wird diese von der auf dem Album ziemlich überstrapazierten Disco-Gitarre.

Fast alle anderen Stücke von ‚Random Access Memories‘  fallen durch ihre Belanglosigkeit auf. Das ist das größte Manko des Albums. Zwar folgt die Komposition des Albums einem stringenten Plan, doch die Handschrift von Daft Punkt ist vielerorts nicht mehr spürbar. Es ist ein Album, das von jedem gute Pop-Produzenten hätte gemacht werden können.

Ein Stück darf den schon etwas gelangweilten Hörer, der im Laufe der Platte kaum mit Überraschungen konfrontiert worden ist, dann doch noch beglücken. ‚Contact‚ schließt dann schlussendlich noch den Kreis zu dem, wofür Daft Punk einmal ganz zu Recht als innovative Künstler gewürdigt worden sind: Zu einem rauen, aufbrausenden Sound, der nicht nur glatte Pop-Oerfläche ist.

3von52

Daft Punk – Random Access Memories
VÖ: 17. Mai 2013, Smi Col (Sony Music)
www.daftpunk.com
httpv://www.youtube.com/watch?v=gmpsBeaVrkE

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