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Veröffentlicht am 25.11.2013 | von Sebastian Ladwig

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MARIA TAYLOR – Something About Knowing

We’re more than the sum of our lives

(Maria Taylor – Sum Of Our Lives)

Thereʻs no more sombre enemy of good art than the pram in the hall.“ Jener berühmte Satz von Cyril Connolly ist so etwas wie das Aphorismus gewordene Damoklesschwert, das über ‚Something About Knowing‚, dem neuen Album von Maria Taylor, schwebt. Die Platte strotzt nur so vor Mutterglück und nahezu anmaßender Zufriedenheit, dass man Frau Taylor mit Gewalt zurück in die Realität ziehen möchte. Doch spätestens ab ‚Sum Of Our Lives‚, dem vierten Stück des Albums, wird man unter Umständen gefangen genommen von dem Sog aus Träumerei an der Grenze zum Kitsch und jener Stimme, die schon zu Zeiten von Azure Ray jene zarte Vertrautheit hatte, bei deren Klang man sich für dreieinhalb Minuten in Embrio-Stellung auf den Fußboden legen und geborgen fühlen möchte. Der Sprössling ist ob der Wiegenlieder also nur zu beneiden und wer sich dem Eskapismus von ‚Something About Knowing‘ hingibt, erhält ein lupenreines Saddle Creek-Album mit den vertrauten Country-, Soul- und Dream-Pop-Einflüssen und Referenzen an Bright Eyes und der eben erwähntem Azure Ray.

Folk Song Melody‚ kommt ungewohnt fluffig daher, von der profilierten Schlagzeugerin ist man eher stampfende Beats im Stile Johnny Cashs gewöhnt. Der feuchte Folk-Traum ‚Saturday in June‚ geht in eine ähnliche Richtung, vielstimmiger Gesang wird hier über ein sanft mit Besen gestreicheltes Schlagzeug und Slide-Gitarre gehaucht. Und ‚Youʻve Got A Way With The Light‚ ist dann die pure Akustik-Schlaflied-Schmonzette.

Die Taylorsche Emergenz, wir alle sind mehr als die Summe unserer Leben, versprüht eine esoterisch-fatalistische Alles-Wird-Gut-Stimmung, deren Wirkung stark von der Gemütslage des Hörers abhängt und ähnlich verhält es sich auch auf der Ebene der Musik. An der kurzen Leine gehaltene Staccato-Pickings wechseln sich ab mit bluesig fuzzigen Gitarren in ‚Up All Night‚ und das elektronisch-artifiziell angehauchte ‚Tunnel Visions‚ ist nahezu tanzbar. Und doch, wem nicht nach Realitätsverlust und somnambulem Sichtreibenlassen ist, der lässt besser die Finger davon.

Maria Taylor – Something About Knowing
VÖ: 02. November 2013, Saddle Creek
www.mariataylormusic.com
www.facebook.com/mariataylor

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