Kritik no image

Veröffentlicht am 22.11.2013 | von Tobias

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PASSION – Filmkritik

Setz dich doch. Komm näher. Jetzt küss mich.

(Isabelle – Passion)

Christine (Rachel McAdams) ist erfolgreiche Chefin einer Werbeagentur in Berlin. Sie weiß, wie sie bekommt was sie will und kostet ihre Macht voll aus. Unter ihren Fittichen hat sie die naive und unschuldige Isabelle (Noomi Raapace) genommen. Diese unterwirft sich ihrer Chefin vollkommen, sie spielen schließlich im gleichen Team. Als Christine aber noch nicht einmal davor zurückschreckt, eine Idee Isabelles als die ihre auszugeben wendet sich das Blatt. Die Unschuldige emanzipiert sich und ein erbarmungsloser Kampf entsteht zwischen den beiden.

Große Namen schmücken diesen Film und versprechen im Grunde gute Unterhaltung. Doch weit gefehlt. Brian de Palma lässt sich 5 Jahre Zeit für diesen Film und liefert mit ’Passion’ einen schlecht geskripteten, unrealistisch umgesetzten und von einem ästhetischen Totalausfall geprägten Film ab.

De Palma hat viel erreicht in seinem Leben. Seine Affinität zu Hitchcock hat er nie verborgen, den Großmeister oft zitiert und gespickt mit seiner eigenen Note Klassiker wie ’Scarface’ oder ’Die Unbestechlichen’ geschaffen. Kein Wunder also, dass er von vielen frenetisch verehrt wird. Nun aber bleibt einem nichts anderes zu sagen als ’Das war leider nichts’.

Der Film ist angelegt in einem artifiziell wirkenden Berlin. Rachel McAdams verkörpert die machtbesessene Sexbombe und ihr gegenübergestellt Noomi Raapace die sich wie eine Raupe zu einem Schmetterling verwandelt, im Falle des Films zur Femme Fatale. Äußerlich wird dies durch einen stetigen Kontrast der Kleider dargestellt. McAdams ist immer in hellen Tönen gekleidet, Raapace in schwarz. Soll natürlich jeder kapieren, welche Absichten der Regisseur verfolgt.

Die Dialoge sind lächerlich und schmerzen in den Ohren. Laut Teasertexten zum Film soll es hier nur so von Erotik lauern. Aber wo genau? Bei den Lesbenanleien, die nie weiter als ein Kuss gehen? Bei den Anspielungen auf SM-Sex oder etwa bei dem banalen Liebestreiben der Hauptdarsteller? Man weiß es nicht. Vor 20 Jahren wäre dies wahrscheinlich ein Schocker gewesen, aber heutzutage wirkt dieser Zustand weder verrucht, noch sexy, sondern einfach nur überzeichnet und banal.

Die Story folgt einem klaren Muster, welches de Palme versucht mit traumwandlerischen Zwischenfeilen zu durchbrechen. Visuell ändert sich hier die Werbespotästhetik zu einem erdigen, dunklen Ton. Kann man machen, stört aber in diesem Fall. Die Erwartungen hin zu einem großartigen Twist werden damit exorbitant hochgeschraubt und verpuffen letztendlich im Nichts.

Es ist traurig zu sehen, wie ein einst hochwertiger Regisseur in der Bedeutungslosigkeit versinkt. Sich immer wieder seinen Stilmitteln annimmt, die ihn groß gemacht haben. Ohne eine Weiterentwicklung sind diese aber nutzlos. Dem Regisseur ist zu wünschen, dass er vielleicht in weiteren Filme die Kurve kriegt, das Gütesiegel ’Brian de Palma’ ist mit diesem Film aber erloschen.

Regie:Brian De Palma
Darsteller:Rachel McAdams, Noomi Rapace, Karoline Herfurth
DVD-VÖ: 19. November 2013, Ascot Elite

 

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Über den Autor

Tobias ist 31, Schwabe aus Überzeugung, trägt aus Prinzip keine kurzen Hosen. Liebt Musik, Bücher, Filme und Schnitzel.



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