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Veröffentlicht am 5.02.2014 | von Eva-Marie

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DIE NERVEN – Fun

Was auch immer wir jetzt lernen,
ist mit Sicherheit nicht wichtig
was auch immer wir jetzt lernen,
ist mit Sicherheit egal
was auch immer wir jetzt machen,
ist mit Sicherheit nicht richtig
was auch immer wir jetzt machen,
ist mit Sicherheit illegal

(Die Nerven – Albtraum)

Die Nerven aus Stuttgart präsentieren ihr drittes Album ‘Fun’. Schon der Titel trieft nur vor bitterer Selbstironie, so zählen Die Nerven nämlich sicherlich nicht zu den Bands, die sich auf das Besingen der sonnigen Seiten des Lebens konzentrieren. ‘Fun’ erscheint bei This Charming Man Records und reiht sich damit stilistisch geradewegs in den letztjährige Veröffentlichung von Messer ein.

Wegen des Einstiegs ‚Albtraum‚, landet man nach einem destruktiv in sich zerfallenden Intro, etwa eine halbe Minute später, bei den frühen Blumfeld. Hallo Ich-Maschine, hallo Die Nerven! Treibender wird es bei ‘Eine Minute schweben’, dessen dringliches Riff den Gesang beschwört. Ziellos hechtet er durch die Straßen, dabei möchte er nur einen Moment Ruhe, eine Moment stehen bleiben, eine Minute schweben. Neigen andere Bands eher dazu den Moment, in dem man wirklich schwebt zu beschreiben, haben sich Die Nerven dazu entschieden, das chaotische Drumherum zu vertonen. Also die Sehnsucht nach der Stille. Und diese Sehnsucht ist laut!

Hörst du mir zu?‘ ist eines der Lieder, die man sich schon von der Veröffentlichung von ‚Fun‘ anhören konnte. „Das ist immer noch dein Leben, auch wenn du selbst nicht mehr entscheidest“, brüllt der Frontmann ins Mikrofon. Wenn das Leben aus den Fugen gerät und man einen guten Freund gebrauchen könnte, der einen darauf stößt. Ein Song über die verbale Ohrfeige, die man manchmal braucht, wenn man zwar schon ahnt, dass etwas nicht stimmt, aber man noch in der lethargischen Haltung verharrt, erst einmal nichts ändern zu müssen. Und genau da kommen die Nerven ins Spiel und brüllen dich an. Das gehört zum Leben, genau wie die Fehler, die man macht und für die in ‚Und Ja‘ lautstark plädiert wird. Unvollkommenheit ist gut.

Unsere Leben sind voll von Erwartungen, zeitweise ist ein Leben eine einzige Erwartungshaltung. Dabei wäre es so schön, sich davon lösen zu können. ‚Ich erwarte nichts mehr‘ erwidern da Die Nerven und verpacken diese enttäuschenden Gefühle in eine musikalische Psychose, voll mit Verfolgungswahn und Hoffnungslosigkeit.

‚Fun‘ ist sicherlich kein spaßiges Album, wie man im ersten Moment des Namens wegen annehmen könnte. Am ehesten lassen sich Vergleiche mit ihren Labelkollegen Messer ziehen, doch Die Nerven klingen noch verzweifelter, noch resignierter. Am Ende hängen ‚Girlanden‘ und die versprechen Veränderung. Als ob es doch noch einen Hoffnungsschimmer gibt, dass sich etwas ändern könnte, an all den Dingen, die auf den Nerven lasten.

Die Nerven – Fun
VÖ: 7. Februar 2014, Thischarmingman, Cargo Records
www.dienerven.tumblr.com
www.facebook.com/deinemutteralter

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