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Veröffentlicht am 21.03.2014 | von Jana

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FINDUS – Vis A Vis

Strahlend geht die Welt zugrunde, leuchtend bricht ein Herz entzwei
Freude schöner Einsamkeit, endlich wieder Einfachheit
Wir singen, weil wir singen können
Wir springen, weil wir springen wollen
Wir jagen weil wir jagen können
und erfinden uns neu
Ich bin müde, ich bin wach,
ich bin euphorisch und todtraurig

(Findus – Mondspaziergang)

Findus sind mit ‚Vis A Vis‚ einen ganzen Schritt vorwärts gegangen. Vorbei ist es mit der unbedarften, jugendlichen Aufbruchsstimmung. Das hätte auch wenig glaubhaft geklungen nach all der Arbeit, nach all den Konzerten und Touren. Die fünf Jungs haben geackert wie fast keine andere Band hierzulande. Jetzt preschen sie nicht mehr einfach nur wahllos nach vorne, sondern zügeln auf ‚Vis A Vis‘ ihre Wut um sie anschließend pointierter wieder auszuspucken. Die Texte auf ‚Vis a Vis‘ sind reflektierter, der Sound gezügelter und trotzdem nicht zahnlos.

Findus entwerfen Zustandsbeschreibungen, einer leidenden Großstadtszene, ohne Antworten zu geben und zeigen, dass sie auch wunderbare Beobachter eines kränkelnden Großstadtlebens sein können. Sie schwanken zwischen Zweifel, Unzufriedenheit und der Wut auf das eigene Unvermögen, zwischen Teilhabe und Ablehnung. „Hamburg du Mörder, dir fehlt die Wut,“ singen sie und meinen damit auch ein Stück weit sich selbst. „Die Luft ist aufgefüllt mit Stimmen, doch keine weiß wohin. Wie ein Sturm ohne Wind wissen wir nicht wohin,“ rufen sie und torkeln dabei durch Gentrifizierung, Lebensentwürfe und lange Nächte immer irgendwo zwischen Euphorie und Depression – „Wir sind aufgewühlt und wir machen keinen Sinn.„(‚Laternenlichtschatten‚).

Eine Reflexion der eigenen Rolle, der eigenen Wut taucht immer wieder auf. „Wir sind feige und trostlos und überhaupt nicht stark,“ schreien Findus im Chor auf ‚Fremde Schatten‚. Nur die Woho-Chöre im Anschluss hätten nun wirklich nicht seinen müssen. Das wirkt dann doch wie eine ungewollte Ironisierung der eigenen Zeilen. Immer wieder beziehen sich Findus auf Hamburg, auf ihre Wahlheimat und werden dabei direkter als jemals zu vor. In ‚Geld frisst Stadt heißt es dann auch: „Wir haben uns gerade eingerichtet, da kommt die große Flut. Wir haben gerade aufgebaut, jetzt kommt die lange Flucht. Der Spiegel steigt, die Hoffnung geht. Die Menschen weichen und es leben die Cafes“ Da ist klar worum es geht, nicht erst seit den Protesten um Rote Flora und die Esso Häuser. Und trotzdem, trotz all der Wut, bleibt eine trotzige Hoffnung, dass sich das alles doch noch zum Besseren wendet. Und damit wird auch klar, warum ‚Vis A Vis‘ so gut funktioniert. Findus feiern die Party zum Weltuntergang. Sie finden Zeilen, um sie Wort für Wort mitzugrölen – düster, aber doch so prägnant um verschwitzt im engen Club die Arme in die Luft zu recken und den Abend zu spüren.

Und so feiert ‚Mondspaziergang‚ zu guter letzt die Euphorie einer langen Nacht und schwankt mit leierndem Gesang, erschöpft und doch glücklich nach Hause.

Findus – Vis A Vis
VÖ: 14. März 2014, Delikatess Tonträger, Broken Silence
www.findusmusik.de
www.facebook.com/findusmusik

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