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Veröffentlicht am 17.04.2014 | von Fred

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CHET FAKER – Built On Glass

Chet Faker - Built On Glass Cover

Talk is cheap, my darling
When you’re feeling right at home
I wanna make you move with confidence
I wanna be with you alone 

(Chet Faker – Talk Is Cheap)

Der australische Soul Musiker Chet Faker erlangte mit seiner sonoren Stimme und einem grandiosen Cover zu Blackstreets 90er-Hit ‚No Diggity‚ schnell Berühmtheit im Internet. Doch der Mann mit dem reminiszenten Künstlernamen war nicht auf seine 15 minutes of fame aus. Seine ‚Thinking In Textures EP‚ und die Kollaborationen mit dem australischen Produzenten Flume sorgen für Begeisterungsstürme und treiben den Hype weiter an. Auf seinem Debütalbum ‚Built on Glass‚ präsentiert Chet Faker schließlich einen Sound, der in zweierlei Welten lebt – Underground-Mainstream sozusagen.

Nicholas James Murphy, so lautet Chet Fakers bürgerliche Name, hatte große Anforderungen an sein Debütalbum. “I thought it was finished and then I deleted everything and started again. I did that twice. I wrote like three albums for one album.“ Perfektionist also. Das hört man auch spätestens bei der ersten Single, ‚Talk is Cheap‚, heraus. Wahrscheinlich gab es im Jahr 2014 bisher keinen besseren Popsong. Klackernde Beats, Fakers soulige Stimme, das exponierte Fender Rhodes und ein hintergründiges Saxophon ziehen den Hörer hypnotisch in ihren Bann. Überhaupt sind die Zutaten auf ‚Built On Glass‘ sehr erlesen: Analoge Parts wie Orgel, Handclaps und Gitarre treffen auf verspielte Samples, Loops und Beats.

Melt‚ ist der einzige Song, für den sich Chet Faker ein Feature eingeladen hat. Das Feature mit der jungen New Yorkerin Kilo Kish kommt leider ohne große Überraschungen daher und gehört zu den schwächeren Songs der Platte – zu vorrauschaubar, zu wenig abwechslungsreich lautet das Urteil. ‚To Me‚ hingegen ist einer der besseren Songs auf ‚Built on Glass‘. Die repetitive Bass-Line, die zurückhaltenden Bläser und das Klavier schmiegen sich nonchalant an die fast versteckten Synthie-Linien. Hier werden Schichten gestapelt, verwoben und wieder auseinandergenommen und eine Intensität entsteht, wie sie bei James Blake nicht besser sein könnte. Die zweite Albenhälfte ist elektronischer und erinnert hier und da an die famose ‚Lockjaw EP‚. Das Tempo erhöht sich, Synthie- und elektronische Sounds werden prägnanter und instrumentale Teile bekommen eine größere Bedeutung. Die zweite Singleauskopplung ‚1998‚ mischt eingängige, bewusst angestaubte Housebeats mit Chet Fakers markantem Stimmorgan. ‚Cigarettes & Loneliness‚ arrangiert im gelungenen Wechsel zwischen seiner Kopfstimme und den hellen Akkorden der Hintergrund-Vocals, während nervös eine Glocke im Hintergrund zuckt. Ohne Anstrengung hält Chet Faker hier die Aufmerksamkeit des Hörer für fast acht Minuten. ‚Dead Body‚ schließt letztlich mit Kerzenlicht und hocherotischer Blues-Gitarre. Kann man machen.

Das Prädikat Klassiker bleibt mit ‚Built On Glass‘ leider noch aus –  irgendwie war Chet Fakers Stimme zu ‚No Diggity‘-Zeiten charmant-kratziger, das Songwriting vielschichtiger. Aber vielleicht sind auch die Erwartungen zu hoch gewesen, denn das Debütalbum ist keine lange, neue Version der ‚Thinking In Textures EP‘ geworden. Und obwohl musikalisch nicht alles beim Alten bleibt, strotzt ‚Built On Glass‘ nur so von Authentizität, einer inneren Zerrissenheit, die jeden Song bestimmt. Irgendwo zwischen der schillernden Oberflächlichkeit eines House-Tracks und der Seelentiefe des Soul, irgendwo zwischen analogem Retro-Sound und elektronischer Zukunftsmusik hat Nicholas James Murphy seine Nische gefunden. Future Beat kombiniert mit Modern Soul nennt das der Herr Faker. Wir nennen das ein sehr gelungenes Debütalbum.

4von5

Chet Faker – Built On Glass
VÖ: 11. April 2014, Pias Coop, Future Classic
www.chetfaker.com
www.facebook.com/Chetfaker

 

 

Tourdaten:

03.05.2014 – Postbahnhof, Berlin
04.04.2014 – Uebel & Gefährlich, Hamburg
08.05.2014 – Gloria, Köln
19.08.2014 – Zoom, Frankfurt

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Über den Autor

Fred ist 32 Jahre, wohnt in der Pop-City Damstadt und mag Hunde, Pizza und Musik.



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