Musik

Veröffentlicht am 30.08.2016 | von Eva-Marie

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DIE HÖCHSTE EISENBAHN – Wer bringt mich jetzt zu den Anderen

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Ich lieg im Bett, starr an die Decke und ich denke
dass du dich irgendwo an jemanden verschwendest
Ich weiß, dass besitzen wollen das dunkelste Gefängnis ist
Ich lern Seiten an mir kennen, die kennen mich nicht
Draußen ist alles da, auch wenn es niemand bezahlt hat
Der Himmel ist so hoch wie ich ihn mit 4 gemalt hab
Es ist Montag, jemand schiebt sein Sofa nachhause
Nebenan auf dem Schulhof ist Pause

(Die Höchste Eisenbahn – Blume)

Manchmal hat man sowas. Man geht abends noch was trinken, hat vielleicht keine großen Erwartungen an den Abend und dann trifft man diese Person. Diese Person, mit der man stundenlang redet, weil sie ein bisschen schräg ist, weil sie interessant ist, weil sie zu romantisch ist und weil man sich so unterhalten kann, wie man sich vorher noch nie unterhalten hat. So war das mit dem ersten Album von Die Höchste Eisenbahn. Das kam einfach so um die Ecke mit all seinen Geschichten, Wunderlichkeiten und tollen Melodien.

Jetzt, drei Jahre später – man hat sich danach ein bisschen aus den Augen verloren – warte ich wie auf einen guten Freund, während ich noch über all die alten Gespräche des denkwürdigen Abends nachdenke. Wiederholen kann man sowas natürlich nicht. Muss man auch nicht. Jetzt ist da ‚Wer bringt mich jetzt zu den Anderen‘. Schon die ersten beiden Singles ‚Lisbeth‘ und ‚Blume‘ lösten dieses gewohnte Gefühl aus, als hätte mein guter Freund endlich angerufen. Nichtsdestotrotz hat es ein paar Anläufe gebraucht,  wieder einen Zugang zueinander zu finden.

Viele Stunden müssen die vier im Studio verbracht haben; da noch ein Schlag auf das Becken, da noch eine Melodie am Keyboard, hier ein Zupfen der Gitarre. Die Platte ist voll. Am Anfang bei ‚Wir haben so lange nachgedacht bis wir wütend waren‘ fällt das noch gar nicht so auf, aber im Verlauf der Platte wird es immer deutlicher. Neben den immer noch sehr textreichen Songs haben sich jetzt auch noch unzählige Tonspuren dazu geschlichen. Das ist meistens schön, aber ‚Timmy‘ und ‚Stern‘ sind dann doch nicht ganz so leicht zu verkraften. ‚Timmy‘ bedient sich eines Reggae-Beats und ‚Stern‘ kommt als Elektrosong daher, der im Refrain leider sehr schlageresk anmutet.

‚Gierig‘ wird von einer markanten Geigenmelodie getragen und hat wie so oft einen Protagonisten, in diesem Fall heißt er Louie. Der titelgebende ‚Wer bringt mich jetzt zu den Anderen‘ läutet mit einem halligen Klavier ein, nimmt viel Raum ein und lebt im Verlauf durch den Stimmwechsel der beiden Frontmänner Moritz Krämer und Francesco Wilking. Schön und überraschend geht es dann weiter mit ‚Gute Leute‘. Eine vertonte WG-Party an einem dieser Abende, der einfach nur gut ist. Man ist vielleicht nicht gut drauf, aber diese unsichtbare Verbundenheit mit seinen Leuten gibt Selbstbewusstsein. Wenn man ehrlich ist, ist das schon geiler als bei How I Met Your Mother.  Und Francesco rappt sogar ein bisschen.

Die Platte ist ausgewogen. Wie schon beim Vorgänger gab es Momente, die man nicht mögen musste, aber die in ihre Existenz völlig berechtigt waren. Und dann gibt es da den Song ‚Blume‘, der sowas wie die Antithese zum Wir sind Helden – Song ‚Denkmal‚ zu sein scheint. Ganz schnell war er da, der obligatorische Eisenbahn-Ohrwurm. Textlich ganz groß durch Zeilen wie „Der Himmel ist so hoch wie ich ihn mit 4 gemalt hab“ und musikalisch von dieser Eisenbahnromantik umgeben. Würde man sich jetzt also wieder in der Kneipe begegnen, hätte man am Ende doch wieder viel mehr zu erzählen, als man vorher angenommen hatte. Das macht ja auch Freundschaft aus.

4von5

Die Höchste Eisenbahn – Wer bringt mich jetzt zu den anderen
VÖ: 26. August 2016, Tapete Records
www.diehoechsteeisenbahn.de
www.facebook.com/diehoechsteeisenbahn

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