Musiknews

Veröffentlicht am 1.04.2019 | von Dominik

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Bedroomdisco Top Alben – April

Schon mit den ersten Sonnenstrahlen und den ersten Tagen mit erträglichen Temperaturen hält uns nichts mehr drinnen, die Eisdielen haben Hochbetrieb und überhaupt nimmt das Gefühl des Fernwehs immer mehr überhand. Doch der Monat April hat noch mehr zu bieten als hoffentlich weiter steigende Temperaturen und Ostereier. Gute Musik zum Beispiel, heiße Newcomer und ordentlich Futter für eure Heavy Rotation! Unsere Alben des Monats April:

1. Aldous Harding – Designer (VÖ: 26.04.2019)

Als das Zweitwerk Party von Aldous Harding 2017 via 4AD erschein war die neuseeländische Songwriterin wohl nur den absoluten Kennern der Indie-Folk-Szene ein Begriff – was sich schlagartig änderte! Am Ende des Jahres fand sich das Album auf diversen Bestenlisten und Ende April gibt es auch schon den Nachfolger, in Form des Drittwerks Designer, das die Stärken der ehemaligen Straßenmusikerin noch mal mehr bündelt und noch gradliniger und rhythmische präsentiert! Dieses Album kann man nur lieben!

2. Mine – Klebstoff (VÖ: 12.04.2019)

Die Wahlberlinerin Mine hat in den vergangenen Jahren mit zwei Alben, zahllosen Kooperationen, einer gemeinsamen Platte mit Fatoni und nicht zuletzt aufsehenerregenden Crowdfunding-Kampagnen von sich Reden gemacht, durch die sie etwa ein Orchesterkonzert mit Gästen wie Friedrich Lichtenstein, Grossstadtgeflüster, Tristan Brusch oder dem Kneipenchor im ausverkauften Berliner Huxley’s auf die Beine gestellt hat. Dass die Multiinstrumentalistin dabei sämtliche Partituren auf eigene Faust erarbeitet hat, ist für sie so selbstverständlich wie die Tatsache, dass sie von je her ihre Musik selbst schreibt, einspielt und mittlerweile auch produziert. Das neuste Werk der Wahl-Berlinerin ist die nächste Stufe auf dem Weg zum hiesigen Pop-Thron und ein eingängig, wie vielseitiges Werk, das direkt ins Ohr geht!

3. Big Thief – U.F.O.F. (VÖ: 26.04.2019)

Big Thief haben sich schon mit ihren letzten beiden Alben einen Namen als aufstrebende Kultband gemacht, die sich nach und nach in die Herzen der Kritiker und Fans schlichen. Angeführt von Frontfrau Adrianne Lenker haben ihre Songs immer auch etwas verschrobenes und gefallen gerade durch ihren besonderen Klang und ihre emotionale Eindringlichkeit, die sie besonders live entfalten. U.F.O.F. erscheint erstmals bei 4AD und ist das Album, dass die Band als zusammengeschweißte Truppe zeigt, die auch erstmals wirklich die Songs zusammen geschrieben haben. Viele Songs handeln von düsteren Schatten oder der Dunkelheit. Genauso viele davon brechen am Ende wiederum aus und lassen den Sound von Big Thief heller denn je erstrahlen.

4. Bear’s Den – So That You Might Hear Me (VÖ: 26.04.2019)

Das Bedürfnis nach echter Verbundenheit bildet den künstlerischen Kern des dritten Albums von Bear’s Den. Lebhaft und verletzlich, intim und schwärmerisch sind die beiden zuletzt schon veröffentlichten Songs: Fuel on the Fire pulsiert und erblüht aus dem viszeralen Pochen von Drum Machine Beats und E-Gitarren zu orchestraler Schönheit, welche die eher elektronische Seite der Band zelebriert. Dem gegenüber steht das bezaubernde Blankets Of Sorrow, das die kontemplative Seite der beiden Briten nach außen kehrt und sich mit Themen wie familiärer Liebe auseinandersetzt, mit den vergeblichen Versuchen, jemanden zu erreichen, der schon längst nicht mehr erreichbar ist. Nachdem das letzte Album Red Earth & Pouring Rain den Sound der Band noch mal neu definierte und den endgültigen Durchbruch für die Briten bedeutete, sind wir hier sehr gespannt wie das nächste Kapitel in der Bandgeschichte klingt.

5. Nick Murphy – Run Fast Sleep Naked (VÖ: 26.04.2019)

Es wirkt fast als ob der Australier Nick Murphy nicht wirklich mit dem Erfolg seines Debütalbums Built On Glass zurecht kam. Fünf Jahre hat er sich zumindest Zeit gelassen, um mit einem Zweitwerk ums Eck zu kommen und ist dafür vier Jahre lang mit einem Mikrofon in seinem Koffer um die Welt gezogen, um seine Gesangsspuren in den Räumen und Umgebungen aufzunehmen, die ihn am meisten inspirierten. Bestärkt von der Lektüre der Theorien von Joseph Campbell über die schamanistische Rolle des Künstlers in der modernen Gesellschaft befand sich Murphy in einer ganz besonderen Zeit der Selbstfindung. Run Fast Sleep Naked ist ein Album, das ebenso durch ständiges Hinterfragen und das Erkunden von Wahrheit geprägt ist…und leider nicht ganz an die Klasse des Debüts anknüpfen kann, wenn auch die erste Single Sanity direkt ins Ohr geht. Abseits von der Vorabsingle verzettelt sich aber immer wieder und dümpelt leider letztlich etwas daher, ohne einen wirklich zu berühren.

Newcomer:

1. Jade Bird – Jade Bird (VÖ: 19.04.2019)

Schon seit einiger Zeit gilt die mittlerweile 21-jährige Jade Bird als spannende Newcomerin, die mit starker Stimme und ordentlich Selbstbewusstsein auf ihrem Debütalbum mühelos herausfordernden Themen wie Scheidung, Desillusion, Betrug und Trauer behandelt. Schon beim ersten Hören mag man kaum glauben, dass Jade Bird erst 21 Jahre alt ist. Die Momente der Traurigkeit werden stets herausgefordert von enorm erhebenden und freudvollen Songs. Im Ganzen wird das Album von einer grenzenlosen Energie und Positivität gegenüber der Liebe zusammengehalten.

2. Cassia – Replica (VÖ: 05.04.2019)

In UK schon der heiße Scheiß, hier noch ein gut gehütetes Geheimnis, machen sich die Jungs von Cassia gerade dazu auf, weltweit mit ihrem Debütalbum für Aufsehen zu sorgen. Dabei erinnert die Kombination von Indie- wie sommerlich und rhythmischen Elementen immer wieder an die Anfangstage von Vampire Weekend – und das nicht ohne Grund! Denn ihre zentralen Botschaften möchten Cassia insbesondere in den aktuell von Angst, Unruhe und Spaltung geprägten Zeiten bei jeder Gelegenheit verbreiten. “Unsere Musik ist die Antithese dazu”, stellt der Cassia-Frontmann Rob Ellis klar: “Wir möchten ein Gefühl der Lebendigkeit und leuchtender Resonanz bei den Leuten erzeugen, die uns hören. Wir möchten Musik schreiben, zu der sich Menschen locker machen und zueinander finden können”.

3. Fontaines D.C. – Dogrel (VÖ: 12.04.2019)

Die Dubliner Band Fontaines D.C. gilt jetzt schon als die neue Lieblingsband von allen, die schon die Idles oder Shame mochten. In Dublin an der dortigen Universität gegründet, war es die Liebe zur Dichtkunst und eine geteilte Leidenschaft für authentischen Selbstausdruck, die die Bandmitglieder zusammengeführt hat. Praktizierte Authentizität, die sie als bindende Verpflichtung verstehen, in ihrer Musik wie auch im Miteinander. Genau das macht die besondere Ästhetik der Band aus. Prägend und stilgebend war sicherlich auch das direkte Umfeld, ihre Heimatstadt Dublin, genauer gesagt die Gegend, aus der sie kommen: das Arbeiterviertel The Liberties. Gentrifizierung, Verdrängung… Ein Thema, was Sänger Chatten offenbar schwer beschäftigt und auch inhaltlich Einfluss genommen hat auf viele seiner Texte. Inhaltliche Reflexion, ordentlich Energie und die Live-Shows eine Wucht – dieser Hype ist real!

Wiederkehrer: Lambchop – This (is what I wanted to tell you) (VÖ: 22.03.2019)

Bei einer Band, die seit fast 30 Jahren beständig Alben veröffentlicht, kann man ja mal schnell denken, dass man den Sound eines neuen Albums einschätzen kann. Doch Lampchop steht seit jeher für Veränderung und Weiterentwicklung und so wundert es kaum, dass auch das neuste Album da keine Ausnahme bedeutet und vielmehr klingt als sei hier das neue Werk von Bon Iver versteckt. Perfekt funktioniert dabei die Kombination von Soul, Electronic, sowie Country und Folk, begleitet vom entspannten Gesang von Kurt Wagner, der hinter Autotune versteckt kaum mehr wiedererkennbar ist. Dennoch: ergreifend ehrlich, atemberaubend schön und überraschend!


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