Interviews Juse Ju © V.Raeter

Veröffentlicht am 19.06.2020 | von Liv

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JUSE JU – Interview

Happy Releaseday Juse Ju! In seinem neuen Album Millenium durchlebt Juse Ju seine persönlichen 20er Jahre. Wir haben mit dem Rapper über das neue Werk gequatscht, erfahren was seine Freunde vom Album halten und wer oder was ihn eigentlich so inspiriert. Viel Spaß!

Dein Album Millenium erscheint am 19. Juni. Bist du aufgeregt? Bzw. ist man überhaupt noch aufgeregt, wenn man schon mehrere Alben veröffentlicht hat? Oder ist das mittlerweile schon irgendwie ein Routine-Move quasi?
Es ist jetzt nicht so eine Nervosität wie man hat, wenn man auf eine Festivalbühne geht oder so. Denn es passiert ja eigentlich nicht direkt an dem Tag selber. Ich habe aber bei den Single-Releases gemerkt, dass ich, wenn ich die online stelle, dann doch kurz nervös bin. Weiß aber gar nicht richtig warum, weil es ist ja eigentlich fertig. Es ist nicht so, dass ich jetzt noch anders performen könnte oder irgendwas ändern kann. Es ist ja schon so fertig. Sozusagen. Ich glaube, dass wen man an einem Album arbeitet – da sitze ich ja so ca. ein Jahr lang dran, von den Anfängen mit der Team-Zusammenstellung bis hin zu Veröffentlichung. Am Ende freue ich mich einfach nur darauf, dass ich sagen kann: Jetzt ist es da und jetzt kann ich auch nichts mehr falsch oder richtig machen. Das ist dann jetzt einfach so wie es ist. Der Kuchen ist fertig. Man kann sagen, das ist verdammt scheiße, aber so lass‘ ich das. Spaß. Es ist sehr gut. Also ich meine das ernst, es ist wirklich gut. 

Juse Ju - Millenium Cover

Bei Millenium dreht es sich ja um deine 20er und man es kann es durchaus als Fortsetzung deines letzten Albums Shibuya Crossing, was sich ja um deine Jugend gedreht hat, sehen. Das ganze Ding ist auch wieder komplett autobiographisch. Wie leicht oder schwer fällt es dir denn die Texte zu schreiben, denn es ist ja schon irgendwie ein intimer Einblick, den man da gewährt, oder?
Das sind zwei verschiedene Sachen. Das eine ist:  Fällt mir das leicht? Wenn du Geschichten hast, die du schreiben kannst, dann hast du auf jeden Fall was zu erzählen. D.h., ich habe keine Schreibblockaden. Tatsächlich sind Schreibblockaden das größte Problem von anderen Rappern. Ich habe Probleme mit tausend anderen Dingen, aber nicht mit dem Schreiben. Auf der anderen Seite fühlt man sich so’n bisschen nackt, wenn man diese ganzen Sachen erzählt, also ich fühle mich dann auf jeden Fall angreifbarer. Ich habe darüber nachgedacht, warum es mich zum Beispiel viel mehr abfuckt, wenn jemand meine Musik kritisiert als früher. Früher da habe ich Drehbücher für SAT1 geschrieben oder Radio-Dinge gemacht für [Radio] Fritz. Und wenn Leute dann gesagt haben „Ja, die Serie ist scheiße“ oder „Dein Sender ist scheiße“, dann konnte ich das so’n bisschen von mir distanzieren, weil ich gesagt habe, ja mag sein, dass ihr das irgendwie kacke findet, aber das bin ja nicht ich. Ich arbeite da. Aber wenn du dann dein Herz auf den Tisch legst und dann sagen Leute, es ist scheiße, dann trifft es einen einfach viel tiefer. Insofern gibt’s schon diesen Aspekt, dass das hart ist, weil man sich halt sehr nackt macht und auf der anderen Seite gibt’s aber einen auch die Möglichkeit was Interessantes zu erzählen, was nicht jeder zu erzählen hat. Ich gucke bei meinen autobiographischen Sachen auch immer darauf, dass die super detailreich sind, also das man merkt, ich habe mir das nicht ausgedacht. Ich finde sowas nämlich voll nervig. Also man hört so vielen Songs, gerade im Pop-Bereich, an dass das nicht real ist. Weißt du, die singen dann immer über Herzschmerz, Liebe oder so. Du weißt aber, dass die 20 Jahre verheiratet sind und eigentlich passiert in Sachen Herzschmerz und Liebe gar nicht mehr so viel bei denen. Oder man merkt einfach, dass es total allgemein gehalten ist. Und dann gibt es auf der anderen Seite so Künstler, wie jetzt Mike Skinner, die halt super detailreich sind, sowas finde ich halt geil und sowas mache ich dann auch.

 Stand das Konzept des Albums, also dass um deine Zeit in deinen 20er gehen soll, schon bevor du die Texte angefangen hast zu schreiben, also hast du dich hingesetzt mit dem konkreten Gedanken – okay, ich möchte an das vorige Album anknüpfen – oder hast du einfach geschrieben und dann gemerkt, dass du da ein Konzept herum stricken könntest?
Ich bin im Sommer 2018 einen Monat lang durch einen Eukalyptuswald gelaufen und da kam mir dann die Idee. Da habe ich dann so gedacht „Warum mache ich nicht eigentlich Shibuya Crossing 2?“. (lacht) [Anm. d. Verf.: Ist tatsächlich so passiert] Aber ich mache es ja nie komplett autobiographisch. Bei Shibuya Crossing haben auch Leute zu mir gesagt, warum hast du es nicht komplett autobiographisch gehalten? Da habe ich gesagt, weil Konzeptalben grundsätzlich scheiße sind. Konzeptalben sind nicht gut. Es ist ganz cool, wenn man einen roten Faden hat, der sich so’n bisschen durchzieht, aber es muss ab und zu auch noch mal so Banger geben, es muss einfach noch dummes Rumgelaber und auf die Fresse geben, so wie bei Kranich Kick oder Ich hasse Autos, das musste auch noch drauf. Ich mag gern 50:50 – die Hälfte autobiographisch und die andere Hälfte Rap. (beide lachen)

 

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Du hast jetzt ja zu deinem Album noch ein kleines Schmankerl rausgehauen. Wenn man sich dein Album auf Vinyl oder CD holt, gibt’s noch das Bonusalbum deiner alten Band Massig Jiggs dazu. Wie kam es zu der Idee mit Bonzi Stolle noch ein Album aufzunehmen? War das einfach der Good Old Times-Vibe, der da übergeschwappt ist? Weil es einfach zum Timing, das behandelt wird, gepasst hat? Was war da der Auslöser?
Es gab mehrere Ideen hinter diesem Projekt, also warum das so ist. Das eine ist, dass Stolle und ich schon immer darüber geredet haben, dass wir ein zweites Album zusammen machen wollen. Es gibt ja schon eins von 2003, also von vor 17 Jahren. Und ich habe gedacht, wenn man die Geschichte der 2000er erzählt, der Nuller Jahre als Jahrzehnt, dann mit ihm. Die waren bei mir halt Rap-technisch auf jeden Fall von Bonzi auch geprägt. Wir haben uns 2000 kennengelernt und 2001 haben wir diese Band gegründet und 2003 haben wir ein Album zusammen gemacht und wir standen dann noch bis Ende der 2000er zusammen auf der Bühne. Und dann habe ich gedacht, wenn ich über die Zeit rede, muss ich ihn quasi back holen. Back ans Mic. Das habe ich dann gemacht und das hat super geflutscht. Ich wollte auch so’n Album machen, wo so’n bisschen die Verantwortung von meinen Schultern genommen wird. Eben nicht nur das Herz auf den Tisch legen, sondern Trashtalk. Deshalb ist das dann entstanden. 

Und wie kann man sich das Ganze zeitlich vorstellen, also wann wurde an welchem Album gearbeitet? Hast du parallel an beiden Alben gearbeitet?
Ja, es sind tatsächlich auch Songs hin und her geschoben worden zwischen den zwei Alben.

Also der Song Ich hasse Autos zum Beispiel war logischerweise ursprünglich mal auf dem Massig Jiggs Album, den fand ich dann aber zu gut. Stattdessen ist dann ein Solo Song von mir, der heißt Where’s my fukking Money, jetzt auf dem Massig Jiggs Album gelandet. Das war auch nur fair, weil Stolle auch einen Solo Song auf dem Album hat. Man muss sagen, dass diese Songs zum Teil auch auf Skizzen beruhen, die Stolle solo gemacht hat, aber nie veröffentlicht hat. Gerade diese älteren Boom-Bap Nummern. Da sind so drei, vier auf dem Album, die stammen eigentlich von Stolle. Man sieht das auch immer, da wo er den ersten Part hat, ist es meistens ein Song von ihm und wo ich den ersten Part habe, ist der Song von mir. Das hat sich wirklich so durchgezogen.

Das ist auch, ich sag mal so […] diese ganzen Leute, die mit mir aufgewachsen sind, die finden es wahrscheinlich total geil. Das sind halt auch einfach MPC Beats, die halt nicht viel rum-arrangiert sind oder so.

Massig Jiggs CoverLass uns noch einmal zurück zu Millenium gehen. Ein Song, der mich sehr beschäftigt und gecatcht hat war Claras Verhältnis. Weißt du woran mich das erinnert hat? Kennst du das Konzept (in Anführungsstrichen) – ist kein richtiges Konzept, vielleicht sagt man hier eher die Idee hinter Kryptonit-Menschen?
Ne, was machen die? Also ich kenne Kryptonit, das ist das, was Superman in die Knie zwingt.

Das sind Menschen, die für einen selber immer eine Schwachstelle sein werden. Wenn man den Namen der Person hört, bekommt man irgendwie ein Stechen im Herz, weil alles so schön und/oder irgendwie auch so schön furchtbar war. Meinst du die Clara war oder ist so ein Kryptonit-Mensch? Oder einfach ein Mensch, an den du dich immer erinnern wirst, einfach weil sie dich in einem (wichtigen) Lebensabschnitt begleitet hat?
Ja, ich deute das ja so ein bisschen an. Ich glaube diese gewisse Anziehungskraft geht nie verloren. Das ist auch das, was so erstaunlich ist. Ich will das nicht so runterbrechen, aber es ist schon was sehr Körperliches einfach, weil wir ja menschlich jetzt nicht so gut zusammengepasst haben. Das beschreibe ich in dem Song ja auch. Man muss aber auch dazu sagen, dass ich mit ihr nur ein Jahr zusammen war. Ich glaube, dass sich deshalb der Impact auf mein Leben auch nicht so krass ausgewirkt hat als wenn das jetzt eine langjährige Beziehung gewesen wäre. Aber ich weiß, was du meinst. Sie hatte auf jeden Fall so eine Suchtwirkung auf mich. Aber das ist auch tatsächlich vorbei. Ich habe sie auch sehr, sehr lange nicht gesehen und ich weiß auch überhaupt nicht was sie macht. Wir reden hier von vor zehn Jahren, nä. Das ist ewig her. Das Album spielt ja in den 2000ern und in der Zeit hat sich das auch abgespielt. Aber das letzte Mal als ich sie gesehen habe, vor sechs Jahren oder so, hat mich das schon getriggert. Ich glaube wegen dieser Begegnung ist mir auch diese Zeile eingefallen mit dem „[…] würde ich sofort wieder mit dir schlafen“. Damals war ich Single und ich wusste, eigentlich hassen wir uns auf eine gewisse Art und Weise und ich finde sie trotzdem wahnsinnig anziehend.

 

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Ich habe mal ein bisschen zum Song Sayonara recherchiert. Da hast du ja durch den Refrain eine Verbindung zum Anime Yu Yu Hakusho hergestellt. Und ich habe mir die Version des Originals (auf englisch) mal angehört. Das ist ja einfach nur komplett traurig.
Das ist auch die Outro-Melodie. Yu Yu Hakusho ist eine Serie, die in der Zeit, in der ich als Kind in Japan gelebt habe, gelaufen ist und ich fand die wirklich mega krass gut. Früher musste man ja immer so eine Woche warten, bis im Fernsehen irgendwas Neues kam und ich habe darauf immer krass gewartet. Deshalb sind mir diese Melodien halt so im Kopf geblieben. Wobei man sagen muss, dass ich da jetzt nicht das Original gesamplet habe, sondern das ist quasi nur eine Anlehnung daran. Das hat so eine Künstlerin auf der Gitarre gespielt und wir habend das auch nochmal verändert, aber klar, es ist quasi ein Sample von diesem Song. Ich bin eh beeinflusst von japanischer Musik, die ist ganz selten einfach nur happy. Also es gibt schon diesen Happy-Pop, aber sie sind auch ganz oft eine Mischung aus melancholisch, nostalgisch und schön. Man kann es als herzerwärmende Melancholie übersetzen. Und weil es auch ein Anime Song ist und wir ja auch in dieser Kneipe waren und dort ein Anime Song lief, dachte ich, das passt ganz gut.

Bist du denn mit den Kumpels, über die du da sprichst, noch in Kontakt?
Jaja, mit den allen. Das ist meine alte Gang aus Kirchheim sozusagen.

Und kennen sie den Song schon? Hast ihnen den schon gezeigt?
Ich habe ihnen den geschickt, bevor ich den überhaupt auf Platte habe pressen lassen. Tatsächlich hat auch einer eine Anmerkung gehabt dazu und wollte was verändert haben, auch zurecht. Die Geschichte ist ganz lustig, also Sushi, Sush nenne ich ihn in dem Song, Sascha heißt er eigentlich. Der geriet früher immer so’n bisschen in Konflikt mit dem Gesetz. Vor allem, weil er so ein Hitzkopf war und wenn Leute ihn provoziert haben, hat er so viele Fressen poliert, dass Zahnärzte ihn zum Essen eingeladen haben. Das war übrigens eine Pillath-Line, die ich da gerade zitiere. Jedenfalls hatte er öfter mal Probleme und dann sollte er mal ins Gefängnis wegen einer Schlägerei, das sage ich da ja auch, und er war komplett pleite. Dann habe ich ursprünglich geschrieben, er wäre in U-Haft gefahren, das habe ich jetzt aber zu Jugendhaft gemacht später noch. Und er meinte „Ey Juse, ich mag deinen Song, aber nichts für ungut, ich bin niemals in U-Haft gefahren.“ Weil in U-Haft kommen Leute wegen Verdunklungsgefahr, Kapitalverbrechen, o.ä. Das war bei ihm auf keinen Fall gegeben. Der hätte glaube ich, auch nur für zwei Monate oder so ins Gefängnis gesollt und dann haben wir aber seine Kaution zusammengekratzt. Also er hätte ins Gefängnis gesollt, weil er das Geld nicht hatte, die Kaution zu zahlen. Also du kannst die Kaution bezahlen oder du kannst das absitzen sozusagen. Die Kaution habe ich dann tatsächlich von meinem ersten Zivi-Gehalt bezahlt. Also von den ersten paar Gehältern, die ich hatte. Man muss aber auch fairerweise sagen, dass er mir das alles zurückgegeben hat das Geld. Der ist heutzutage auch ein total unbescholtener Bürger und sehr guter Mann. Der war einfach nur als Jugendlicher sehr krass.

Haha, Wahnsinn! Also generell waren sie alle happy damit.
Ja voll, ich habe auch Flo gefragt, ob es für ihn okay ist, weil ich ja auch über sein Outing rappe und es sind schon persönliche Sachen. Und da habe ich ihm dann auch so geschrieben, „[…] das ist ja schon eine persönliche Geschichte“ und da meinte er dann „Wieso, das ist doch einfach ein Fakt.“. Und das war tatsächlich so, dass er sich nach diesem Sommer relativ schnell bei uns gemeldet hat und gesagt hat, dass er homosexuell ist und das bisher auch nicht kommuniziert hatte und ich glaube auch, dass es bei uns nicht so’n Ding war, ihm war schon klar, dass es bei uns im Freundeskreis völlig egal ist. Ich glaube eher, dass er das ursprünglich nicht gemacht hat wegen seiner Eltern. Also die ganzen Geschichten sind auch danach passiert, in verschiedenen Abständen, z.B. Sush hat sein Studium erst zwei, drei Jahre später gemacht.

Mit Unter der Sonne widmest du deinem verstorbenen Onkel einen Song. Würdest du sagen, dass dein Onkel einen großen Einfluss auf dich hatte und dazu beigetragen hat, dass du zu dieser jetzigen Person geworden bist?
Also ich glaube, es war ganz gut so jemanden im näheren Umfeld zu haben, der so’n bisschen alternativ die Sachen sieht. Der einfach zeigt, dass man auch anders leben kann. Dass man sich nicht in dieses Hamsterrad begeben muss. Ich komme aus einer schwäbischen Kleinstadt, davor habe ich in Tokio gelebt. Tokio und schwäbische Kleinstadt sind ungefähr gleich, was so das Leistungsprinzip angeht. Nicht mal nur von meiner Familie aus, sondern von allen. Beides extrem. Also da wird schon die Nase gerümpft und als ich gesagt habe, dass ich Theaterwissenschaften studieren will, hat man mich ausgelacht. Insofern war es ganz gut so jemanden zu haben. Ich bin auch nicht blutsverwandt mit dem, das ist der beste Freund von meinem Vater gewesen. Und er hat, wie gesagt, in diesem Poolhaus gelebt. Zu ihm gibt’s auch einfach noch so 101 geile Geschichten. (lacht) Und ja, ich fand ihn einfach immer cool. Das war einfach ein lässiger Dude , der hatte eine Kneipe und hat dann so gechillt. Der ist halt um 14 Uhr aufgestanden, ist dann zum Bogenschießen gegangen, dann hat er irgendwann die Kneipe aufgemacht, dann kam halt die Kohle rein und dann hat er sich wieder ins Poolhaus gelegt. Weil er so ein lässiger und gut aussehender Typ war, hatte er dann auch Affären mit so prominenten Balletttänzerinnen und so. Der war schon ein geiler Lebemann einfach.

Wenn wir schon bei Inspiration und Einfluss sind, gibt es denn auch Artists, die dich in deinem Schaffen inspirieren?
Jaaaa, aber die verrate ich nicht. Also ich bin natürlich beeinflusst von anderen Musikern, aber das sind so welche, auf die man nicht kommt. Erstmal, das sind keine Rapper, okay? Ich versuche mir Rap-technisch überhaupt von niemanden beeinflussen zu lassen. Ich merke aber schon, dass Kendrick Lamar und J. Cole einen gewissen Einfluss auf mich haben. Weil ich bei denen so sehe, was möglich ist. Das ist wie, wenn du in der dritten Fußballbundesliga spielst und guckst dann aber auch mal so’n Spiel von Messi. Echt krass, das will ich gar nicht leugnen. Was die Art von Stimmungen in Songs angeht, bin ich ansonsten auch stark geprägt von Rockmusik. Radiohead, Pearl Jam oder Green Day. Alles riesige Bands, aber die haben mich auch beeinflusst, aber es gibt auch noch andere Einflüsse, die ich jetzt nicht nenne.

 

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Weil ich es so unfassbar gut finde, noch kurz zum Albumcover, wer hat das denn gestaltet?
Das gestaltet bei mir seit sechs Jahren tatsächlich immer der Gleiche. Das ist jetzt die fūnfte Platte, die er gemacht hat. Christian Wischnewski heißt der, nennt sich aber Wischnik, den kann man auf Instagram folgen, da heißt er wischnikdraws. Der macht so verschiedene Sachen. Lustigerweise war der überhaupt nicht im Plattencover-Design-Business als ich den kennengelernt habe, sondern der ist einfach Designer. Eine Berliner-Freundin von mir hat so um 2013 mal erzählt, dass ein Freund von ihr so Zeug designt. Vielleicht will der ja dein Cover designen. Und normalerweise, wenn Leute kommen und sagen „mein Freund macht irgendwas“, dann denke ich mir meist, dass es furchtbar ist und ich möchte nicht. Aber ich habe da halt mal reingeschaut und habe mir die Website angeguckt und gedacht „Uh, okay, der ist echt krass. Das ist ein Pro.“ Und ich fand die Sachen total cool und dann habe ich mich mit ihm getroffen. Das ist echt ein lässiger Dude. Und dann hat er diese Idee gehabt für das Übertreib nicht deine Rolle-Cover mit diesem Maskenball und seitdem arbeite ich nur mit ihm. Und ich finde das ganz geil, weil er nur für mich Cover gestaltet, weil das ja sonst nicht sein Beruf ist. Er gibt meiner Musik damit quasi ein Design und das finde ich gut. Also das Übertreib nicht deine Rolle-Cover war komplett seins und seit dem arbeiten wir an den Covern zusammen. Also wir treffen uns, machen Skizzen, gucken was geht. Bei Millenium hatten wir zuerst diese Feuerwerks-Idee und dann kam er mit so japanischen Holzschnitten, was er da machen wollte und dann haben wir uns das ein bisschen zusammen überlegt. Das Massig Jiggs Cover (vom zweiten Album) ist ja auch von ihm und das ist wieder so’n Fall gewesen, was er alleine gemacht hat und da hat er gesagt, ich möchte, dass ihr auf einen Wels einprügelt. Da haben wir die Idee gehört und ich war so, okay machen wir. (beide lachen)

Ich habe auch ehrlich gesagt, überlegt ob ich dich was zur Tour frage, aber das ist alles gerade so ungewiss und es weiß einfach niemand, ob irgendwas stattfinden wird oder nicht. Deshalb belassen wir es einfach bei dem schöneren Ende. Was hältst du denn von der Idee, die Album-Reihe in ein paar Jahren noch weiterzuführen?
Ja, ich sage niemals nie. Noch bin ich ja in meinen 30ern. Ich würde es nicht total ausschließen, mir fallen aber nicht so viele gute Geschichten bisher ein, wie in meinen 20ern. Das ist ja das Schöne an den 20ern, dass man da diesen ganzen Ausprobierer-Scheiß macht. Ich werde jetzt ja nicht nochmal Work-and-Travel in Tokio machen oder ich würde jetzt keine toxische Beziehung eingehen. Ich könnte jetzt Songs machen, wie es in der Musikbranche ist, aber das braucht man ja auch nicht so wirklich. Ich schließe es nicht aus, aber wenn, würde ich jetzt erstmal was anderes machen. Man muss jetzt sowieso gucken mit Corona, wenn das so bleibt und das Live-Geschäft einbricht, muss ich sowieso wieder zurück in meinen normalen Job und dann muss man eh gucken wie das läuft. Weil ich bin halt ein Rapper, ich lebe halt von Live-Auftritten. Ohne live, kein Geld. Ohne Geld, brauche ich einen normalen Job. Ich habe ja auch einen normalen Job, ich mache meine Radiosendung noch einmal die Woche. Man muss jetzt mal gucken, was die Zukunft bringt. Ich finde das immer ganz lustig, viele Rapper hören ja auf und kommen dann wieder zurück. Seitdem damit einmal angefangen wurde, machen das ganz viele die ganze Zeit. Ich denke mir dann so, ich höre doch nicht auf, ich mache das mein ganzes Leben. Die Frage ist gar nicht, ob man weitermacht oder aufhört, sondern wie man es vermarktet. Im Moment stecke ich die Hälfte der Arbeit ins Marketing – sage ich mal so blöd. Also in Videos, Interviews, Artwork, in lauter so Zeug. Das ist halt super viel Arbeit. Ja, man muss gucken, wie es weitergeht, aber ich glaube nicht, dass ich aufhöre diese Songs zu machen. Dafür fällt es mir zu leicht, hahaha.

Vielen Dank für das Gespräch!

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Über den Autor

Für die Bühne hat es leider nicht gereicht, deshalb schreibt Liv jetzt einfach über Musik.



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