Kritik

Veröffentlicht am 7.12.2020 | von Julius Tamm

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CAPTIVE STATE – Filmkritik

Wie es ist, in einem autoritären Staat zu leben, ist leider keine Fiktion, sondern die Realität vieler Menschen. Darum ist auch Captive State von Regisseur Rupert Wyatt weniger Sci-Fi-Drama als Metapher für die heutige Zeit. Mit einer spannenden Umsetzung bringt Wyatt frischen Wind in das Alien-Invasions-Genre.

Das Setting ist bekannt: Aliens landen auf der Erde und attackieren die Menschheit. Doch anstelle uns, die Menschen, auszurotten wie in vergleichbaren Werken – Krieg der Welten, Edge of tomorrow oder Independence Day – wird sich für ein diplomatischeres Modell entschieden. Die Gäste aus dem All nisten sich im Untergrund ein und übernehmen von dort aus die Führung der Welt. Auf der Erdoberfläche bleibt das Leben fast unverändert – bis auf die Tatsache, dass ein Überwachungsstaat, geführt von Kollaborateuren und Aliens, jeglichen Widerstand mit Gewalt und Kontrolle niederschlägt.

In dieser dystopischen Welt leben und rebellieren die beiden Brüder Rafe (Jonathan Majors) und Gabriel (Ashton Sanders). Der eine als Fabrikarbeiter, alles daransetzend, dem Regime zu entkommen, der andere als Widerstandskämpfer im Untergrund. Dritter Akteur des Films ist der Polizist und Partner des verstorbenen Vaters von Rafe und Gabriel, William (John Goodman). „Captive State“ porträtiert mit diesen Protagonisten drei Wege, wie sich Menschen in einem Staat der Unterdrückung verhalten können – Flucht, Wiederstand und Akzeptanz. Und Rupert Wyatt versteht es, seine Figuren in Szene zu setzen, ihre Motive herauszuarbeiten. In dieser Geschichte scheint es, kein Richtig und Falsch zu geben – alle drei Figuren handeln so, wie es sich für sie richtig anfühlt immer im Kampf mit den eigenen Schuldgefühlen. Sei es nun Rafe, der ein Attentat auf die Unterdrücker plant oder William der die Kinder seines toten Partners aus Pflichtbewusstsein verfolgt.

Was Captiv State von anderen Filmen über Alien-Invasionen abhebt ist seine dezente Art der Erzählung und die Fokussierung auf seine Protagonisten. Nicht die Aliens stehen im Mittelpunkt – wo sie herkommen, was sie antreibt oder was ihre Ziele sind – sondern die Menschen, die unter ihrer Herrschaft leiden. Die Außerirdischen sind einfach nur ein Symbol der Unterdrückung, die es zu überwinden gilt, und damit wird aus einem Sci-Fi-Thriller ein Gesellschaftsdrama mit Tiefgang.

Regie: Rupert Wyatt
Darsteller: John Goodman, Ashton Sanders, Kevin Dunn, Vera Farmiga
Heimkino-Start: 10. Dezember 2020, eOne Entertainment (Universal Pictures)

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Über den Autor

Hat irgendwas mit Medien studiert, schaut gerne Filme und schreibt auch noch drüber. Autor bei bedroomdisco, FRIZZ Darmstadt, hr-iNFO Online und hessenschau Social Media.



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