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Veröffentlicht am 11.05.2021 | von Susan

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SARAH KLANG – Virgo

Hold me tight like a spell in the night
We both know it’s lost
Summer heat and I was feeling alright
We both know the cost

Your face is from a movie
80’s cop running like crazy

(Sarah Klang – Fever Dream)

Foto © Fredrika Eriksson

Psychische Verstimmungen, oder gar psychische Erkrankungen tauchen meist nicht aus dem Nichts auf, sondern sind das Ergebnis einer, oder mehrerer, ganz eigener (Leidens-)Geschichten. Diese schleichen sich in den Alltag, wie die Milch morgens in den Kaffee. Brechen sie dann aus und kann man sie nicht mehr ignorieren, folgt zumeist ein langer Prozess der Heilung, oder eben der Akzeptanz.

Die in Göteborg geborene Musikerin Sarah Klang befindet sich eben mitten in diesem Heilungsprozess und verpackt ihre Geschichten, die sie bisher erlebte, in ihre ganz eigenen Klangtagebücher ein, um sie mit der Welt zu teilen. Doch während ihr Debüt Love In The Milky Way ihr noch den Titel als saddest girl in Swedeneinbrachte, sorgten der Nachfolger Creamy Blue und nun auch ihr drittes Werk Virgo, das am 7. Mai erscheint, für einen wesentlich selbstbewussteren Umgang mit ihrem Unterbewusstsein. Es spielen noch immer die Ereignisse in ihrem Leben eine große Rolle, aber die melancholischen Songs, die ihr wie auf den Leib geschneidert sind, werden von Beginn an nun auch ihre Visitenkarte.

So beginnt die neue Platte mit dem Opener 17 Pounds sogleich mit sirenenartigen Klängen. Ein Statement der Musikerin, was sie von herkömmlichen Arrangements abhebt. Auch das findet sich auf ihrem Seelenpass. Sie bewegt sich gerne außerhalb der Norm. Auch Fever Dream erregt, trotz fehlender Sirenen, aufsehen. Der melancholische Popsong, geht mit einer zeitlosen Lässigkeit an den Start. Gefolgt von Country-Pop-Rock Canyon, der zu Beginn an Future Island und damit stark an die Achtziger erinnert. Mit Love Is Cruel zeigt sich ein weiteres musikalisches Gesicht und die Wandelbarkeit von Sarah Klang. Eine herzzerreißende Ballade, die an frühere Ikonen wie Carole King oder Carly Simon erinnert. Mit The End schließt Klang das Kapitel Virgo in einer sehr reduzierten Form ab.

Damit zeigt die Singer-Songwriterin erneut wie vielschichtig sie an das Thema Musik herangeht und vor allem wie groß der Teil in ihrem Leben ist, der von eben dieser eingenommen wird. Sie wirkt insgesamt sehr nachdenklich, doch keineswegs mehr traurig. Eher scheint sie angekommen zu sein, oder auf dem besten Weg zu sich zu finden. Virgo wirkt sehr viel reifer als seine Vorgänger. Sie spricht sich selbst aus der Seele und erreicht damit ganz spielerisch ihr Publikum, das sich auf ihrer ganz eigener Analyse-Couch wiederfinden wird. Und durch ihre authentische Art spielt sie sich nun seit Jahren schon in die Herzen der meisten Schweden. Es wird also Zeit, dass man Sarah Klang auch hier häufiger zuhört. Eine echte Power-Frau eben, mit einer Menge Tiefgang.

Sarah Klang – Virgo
VÖ: 7. Mai 2021, Pangur Records
www.sarahklang.com
www.facebook.com/sarahklang/

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Über den Autor

Susan wohnt in Hamburg und wollte früher hauptberuflich Groupie werden, bis ihr ein Exfreund einen Song auf Myspace widmete. Der hat bis heute 200 Klicks. Von ihr.



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