Foto-© Ryohei Ambo
Endlich hat das lange Warten ein Ende: Simon Green alias Bonobo kündigt sein neues Album Distance In Static für den 11. September via Ninja Tune an! Dafür arbeitete er mit einer gewohnt beeindruckenden Riege von Künstler:innen zusammen, darunter Arooj Aftab, Joy Crookes, Nilüfer Yanya, Ichiko Aoba, Nicole Miglis (Hundred Waters) und Aanya Martin. Die Texte sind in Englisch, Urdu und Japanisch verfasst, während historische iranische Samples und Guzheng-Aufnahmen neben Bonobos sorgfältig bearbeiteten Instrumentalklängen stehen. Diese entstanden in Aufnahmesessions in Los Angeles, Tokio, London und darüber hinaus: ein bedeutender Teil des Albums wurde auf Neil Youngs legendärer Broken Arrow Ranch in Kalifornien fertiggestellt, wohin er sich Anfang des Jahres mehrere Wochen zurückgezogen hatte. Es ist ein Album, das den Höhepunkt von über 25 Jahren als Musiker und als eine der prägendsten Stimmen der elektronischen Musik darstellt.
„Ich möchte die Idee bekräftigen, dass man mehr als nur eine Sache sein kann.“, erklärt Bonobo. Diese Dualität – Live-Künstler und DJ, introspektiver Komponist und cluborientierter Selector – steht im Mittelpunkt von Distance In Static, einem Album voller Tiefe, Details und Emotionen; wunderschön und mitreißend zugleich. Typisch Bonobo, aber dennoch jenseits der traditionellen Grenzen eines Bonobo-Albums.
Der Titel des Albums beschreibt treffend Bonobos aktuelle Situation: er evoziert Bilder von verzerrten Übertragungen und flüchtigen Frequenzen, Erinnerungsfragmente und Bedeutungsschimmer, die durch mehr als zwei Jahrzehnte an der Spitze der elektronischen Musik nachhallen. Er sieht die Spuren seiner Arbeit in einer jüngeren Generation widergespiegelt, die Triphop, Downtempo und experimentelle elektronische Musik der 1990er Jahre aus einer zeitgenössischen Perspektive neu entdeckt. „Ich glaube, der Anfang meiner Arbeit ist für jüngere Menschen heute relevant“, sagt er. „Mir gefiel die Idee, nach einem fernen Signal zu lauschen – im Rauschen etwas zu finden“, fährt er fort. Das gesamte Album vermittelt das Gefühl der Suche nach Transzendenz: Musik, die zwischen Intimität und Weite, Vertrautem und Unbekanntem schwebt.
Die visuelle Welt des Albums, die in Zusammenarbeit mit dem weltweit gefeierten Designer, Trevor Jackson, entstand, spiegelt diesen Wandel ebenfalls wider. Abseits der landschaftsinspirierten Ästhetik früherer Bonobo-Alben greift Distance In Static stattdessen auf mikroskopische Fotografien des renommierten Mikrofotografen, John I. Koivula, zurück und erschafft so kristalline, fremdartige Welten, die gleichzeitig natürlich und außerweltlich wirken. Diese Themen ziehen sich auch durch die brandneue Live-Show, die in Zusammenarbeit mit Pierre Claude – bekannt für seine Arbeit mit Air, Gesaffelstein, Phoenix und Caroline Polachek – konzipiert wurde, um eine weitere Evolutionsstufe des Bonobo-Live-Erlebnisses zu präsentieren.
Im Universum von Distance In Static schwingt zudem die Ahnung mit, dass dieses Album – und insbesondere die dazugehörige Live-Tour – etwas wahrhaft Monumentales markiert. Es ist ein Moment des Übergangs, eine Feier von Bonobos 25-jährigem Jubiläum, aber vielleicht auch sein letztes Album im traditionellen Sinne: mit zahlreichen Gastbeiträgen und einer mehrjährigen Welttournee mit kompletter Live-Band. „Es ist wahrscheinlich das letzte Mal, dass wir den Song in diesem Format spielen“, gibt er zu. Und wie sieht die Zukunft aus? „Ich weiß noch nicht genau, wie sie aussehen wird, aber es geht mir vor allem darum, das Musikersein von nun an neu zu definieren.“

