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Veröffentlicht am 30.03.2010 | von Dorota

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THESE NEW PURITANS – Hidden

I’m not an actor
I don’t know what to say
until I’m writing more down on this piece of paper

(These New Puritans – Attack Music)

Noch nie ist es mir so schwer gefallen ein Album in eine oder mehrere Kategorien einzuteilen, wie bei dem neuen Werk von These New Puritans. „Hidden“ fällt aus der Reihe, provoziert, fasziniert und schubst den Zuhörer gewaltsam in eine experimentelle Welt.

These New Puritans trauen sich etwas, was heutzutage die Ausnahme ist: sie schaffen einen gewöhnungsbedürftigen Sound mit polarisierendem Charakter für den man sehr sehr viel Zeit braucht. Wo man bei anderen Bands nach dem dritten Mal hören übersättigt ist, verliert man sich hier immer tiefer in die Details der Songs und kommt so schnell nicht wieder heraus.
Schon beim ersten Album was laut Jack Barnett, dem Sänger der Band, von Wu-tang Clan, Aphex Twin und der Zeichentrickserie The Smurfs beeinflusst war, wurden die Pop und New Wave Ketten gesprengt. Mit „Hidden“ ist die 4 köpfige Band noch radikaler und gibt den Fans ein anstrengendes Werk, welches man erstmal Minute für Minute durchhören muss, bevor ein Urteil überhaupt möglich ist. Gespielt wird mit Rockelementen, elektronischen Samples, klassischen orchestralen Ensemblephrasen und Chorgesängen. Hier und da finden sich Trommeln und auch zersplitterndes Glas und Kettenrasseln darf nicht fehlen. Die Stimme, düster und geheimnisvoll, kann auch sanfte Töne anschlagen, was aber eher die Seltenheit bleibt. Jack Barnetts Perfomance bleibt durch die mehrmaligen Wiederholungen einzelner Sätze und dem oftmals sprechgesang-ähnlichen Stil im Gedächtnis.

Der Opener „Time Xone“ spiegelt zwar nicht das komplette Album wider, das kann es auch gar nicht bei so vielen Einflüssen, aber die Funktion als Ouvertüre nimmt es durchaus wahr. Dafür kann das Lied „We Want War“ als Querschnitt durch die Platte gelten. Es fällt, wenn es um eindeutige Zuordnung geht, aus dem Rahmen. Ein heftig den Rhythmus dominierendes Schlagzeug bzw. Drum Machine bilden die Basis, Bläserbegleitung, Soundsamples wie zum Beispiel Schwertklingen, die einfallsreich in das Lied eingearbeitet sind, die Stimme bedrohlich (wohl eher unwahrscheinlich, dass man diese Stimme für ein Kinderhörbuch nimmt) und dann noch Chorgesänge. Je länger das Lied andauert, desto mehr Instrumente und Sounds kommen dazu und desto mehr epischen Charakter bekommt das Lied und somit auch das Album.

Als Gegenstück „Hologram„, welches fast schon Jazz-ähnliche Merkmale am Anfang des Liedes aufzeigt, nicht nur wegen der Besetzung Klavier, Schlagzeug, Vibraphon und Posaunenchor. Dazu der Text so gefühlvoll von der Stimme vorgetragen, dass man gar nicht glauben kann, was da sonst so auf der Platte mit der Stimme vor sich geht

Man könnte ewig über die einzelnen Lieder und sogar über die einzelnen Pasagen schreiben. Bei jedem Hören eröffnen sich mir mehr und mehr Einzelheiten des Cosmos, den These New Puritans erschaffen. Ich kann verstehen, wenn andere Hörer Schwierigkeiten mit dem Album haben und es vielleicht sogar nicht bis zum Schluß hören können oder wollen. „Hidden“ ist ein schweres, nicht einfach zu durchschauendes Album, dem man Zeit geben muss sich zu entwickeln, in dem man sich selbst bereit erklärt sich von These New Puritans aus dem typischen Genredenken in eine Welt ohne Beschränkungen und Regeln führen zu lassen.
Für mich ist „Hidden“ das bisher interessanteste und vielschichtigste Album des Jahres und wird mich wohl noch einige Zeit weiter beschäftigen.

45von521

These New Puritans – Hidden
VÖ: 15. Januar 2010, Domino
www.myspace.com/thesenewpuritans

These New Puritans – We Want War

httpv://www.youtube.com/watch?v=GIfKqgWPVvk

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