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Veröffentlicht am 21.04.2011 | von Fred

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JAMIE WOON – Mirrorwriting

„Iʼve acquired a kind of madness
Daylight fills my heart with sadness
And only silent skies can sooth me
Feel that night air flowing through me“

(Jamie Woon – Night Air)

Jamie Woon gehört, genau wie James Blake, zur New Breed der englischen Singer/ Songwriter und wird definitiv das eine oder andere Mal mit dem bisherigen Hype Künstler 2011 im selben Atemzug genannt werden. Dabei wäre es nur allzu schade, wenn Jamie Woon ein Schattendasein fristet, da auch er ein ausgezeichnetes Debütalbum vorlegt.

Das erste Mal tritt Jamie Woon im Jahr 2006 in Erscheinung. Seine Version des traditionellen Folksongs ‚Wayfaring Stranger‘ wird von Dupstep-DJ Burial geremixt und schlägt in der Blogosphäre einige Wellen. Dann wird es längere Zeit still um den Absolventen der renommierten BRIT School, Veröffentlichungen gibt es nur eine Handvoll und ein Debüt sucht man vergebens.

Im letzten Jahr erscheint ‚Night Air‘, der Vorbote des Albums ‚Mirrorwritting‘. Die Vorabsingle schürt die Erwartungen ungemein und Jamie Woon erreicht Platz vier des BBC Sound of 2011 Polls, ein guter Indikator für den Erfolg in UK. Es erscheint immer mehr Video Footage im Internet, die den 28 jährigen Engländer meist alleine und in intimen Situationen zeigt. Egal ob auf einem Boot in Kambodscha oder bei Stimmübungen vor einem Konzert, die oftmals in schwarz weiß gehaltenen Videos konzentrieren sich auf das Wesentliche: Woons Stimme. Denn diese ist unglaublich R&B-lastig und wirkt wunderbar konträr zu den elektronische Elementen seiner Songs.

Jamie Woon schafft mit seiner souligen Stimme eine ungeheure Intimität. So etwas hat man in Verbindung mit elektronischen bzw. dubstepähnlichen Elementen selten gehört. Ausser eben bei James Blake, wobei beide den Gesang sehr verschieden einsetzen. Blake ist frickeliger, seine Stimme wird durch Effektgeräte gejagt und wirkt undurchsichtiger, technoider. Die Vocals sind ein Teil der Musik und stehen seltener im Mittelpunkt. Anders bei Jamie Woon, dessen R&B-lastiges Stimmorgan oftmals die Songs dominiert und prägt. Der Gesang auf dem Album ist durchaus romantisch, driftet aber nur selten in Kitschige ab. Die musikalische Ausgestaltung setzt mehr auf „reale“ Instrumente, auch akustische Gitarren sind vorhanden, wie auf dem Closer ‚Waterfront‚. Dieser hört sich an, als würde Jamie Woon mit dem Hörer auf die offene See hinaus rudern. Von Möwengeschrei umgeben, bietet einem nur Woons Stimme Orientierung. Während der gesamten Fahrt wird das Boot von seichten Wellen in Form von lyrischen Zeilen, wie „I decided to go out and breathe in the air I was made for“ umspielt. Ein nahezu perfektes Finale für ein gelungenes Album.

Die zweite Single ‚Lady Luck‘ glänzt mit saftigem Percussions, einem sexy rotzigem Bass, Handclaps und vielfältigen Ausflügen in geloopte Vocalorgien und Harmonien. Der von den Vocals getragene Song zeigt Jamie Woons wahres Stimmgeschick und strahlt eine ungeheure Sexyness aus. Vergleiche mit etablierten Pop Stars, wie Justin Timberlake oder Jamie Lidell, könnte man bei diesem Song wohl niemandem verübeln.

‚Mirrorwritting‘  ist ein faszinierendes Debüt, dass es schafft die Grenzen zwischen R&B, Soul, Pop, Dubstep und Elektronica einzureißen und dabei trotzdem ein klassisches Singer/ Songwriter Album bleibt. Es bleibt nur zu hoffen, dass Jamie Woon vom momentanen UK-Pop Hype profitiert und nicht in ihm untergeht.

Anspieltipps: Night Air, Lady Luck, Shoulda, Waterfront

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Jamie Woon -Mirrorwriting
Vö.: 19. April 2011, Polydor (Universal)
www.jamiewoon.com

Jamie Woon live at Boiler Room:

BR #34 Jamie Woon (live PA) by BOILER ROOM

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Über den Autor

Fred ist 32 Jahre, wohnt in der Pop-City Damstadt und mag Hunde, Pizza und Musik.



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