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Veröffentlicht am 8.04.2011 | von Benjamin

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Miami Noize 2011 vs. Let the Children Techno

VS.      

Das hier ist so etwas wie ein „Vergleich“!

Zunächst mal sind beide „Jubiläumssampler“ (Ed Banger 3 & Boys Noize 2 Jahre) und – wenn ich die Sache richtig sehe – dazu da, die neueren Mitglieder oder Freunde der Labels ins Gespräch zu bringen oder etablierte Leute unabhängig von EPs oder eigenen Alben mal einen Track raushauen zu lassen. Außerdem gibt es ja bekanntermaßen große Schnittpunkte und Sympathien zwischen beiden Musikschmieden. Eine langjährige Freundschaft Paris-Berlin, wenn man so will, die sich in unzähligen gemeinsamen Projekten (kürtlich erst Feadz & Boys Noize um nur eines zu nennen), gegenseitigen Remixes, und Releases der jeweiligen Artists auf dem anderen Lable. Djedjotronic hat sogar einen Track für jede der beiden Platten beigetragen. Gleiches gilt auch für Siriusmo, der auf Miami Noize Boys Noize‘ „Kontakt Me“ remixed und auf Let The Children Techno (LTCT) einen eigenen Song bringt. Das zeigt auch, dass beide Sampler nicht ausschließlich eigene Acts einbezogen haben, sondern auch enge Freunde ins Boot geholt haben. Der Vergleich scheint also legitim.

Was mir die LTCT-Suppe am meisten versalzen hat, ist um Grunde genommen das Intro, das von Altmeistern Mr. Oizo eingespielt wurde und mit blecherner Roboterstimme großspurig ankündigt: „We are now in the year 2017. Worldwar 5 has now ended. Peace is back. It’s time to let the children techno.“ Die Ansage ist also klar: Hier wird Zukunfts Musik gespielt! Auch wenn dieses Statement ironisch gemeint sein sollte, kann die Zusammenstellung das Versprechen des Intros leider nicht einlösen. Das war aber genau die Erwartung mit der man an sie herangeht und auch sollte, denn die Ed Bangers – angeführt von Busy P – sind sonst für recht avantgardistische Releases bekannt und stellen das jüngst auch wieder mit Sebastians „Embody“ unter Beweis. Auf diesem Album nun findet man zwar auch einige Songs dieser Güteklasse, das Problem daran ist aber, dass man den Eindruck hat, man konnte sich nicht so recht durchringen, dem Mix diesen Stempel konsequent aufzudrücken. Statt den coolen, schrillen, quietschigen Elektronikasound bis aufs Letzte zu kultivieren und den Fans das zu geben, was sie wollen, geht man hier einen Kompromiss ein, der der Platte insgesamt nicht gut tut. So finden sich neben einigen Dubsteptiteln (Siriusmo: „Idio“/Skream „Boat Party“/ Riton „One Night Stand“) auch Songs die – wohl aus Trendgründen – in die Discohouse-Kerbe stoßen (Breakbot „Shades of Black“/Cassius „Shark Simple“(L-vis 1990 & The Neon Dreams Remix)). Dazu kommen dann noch recht schlaffe Beiträge wie Gesaffelsteins „The Voice“, der eigentlich als eines der großen Talente von Turbo gehandelt wird (siehe „Variations EP“ auf Turbo). Fahrt nimmt das Ganze dann auch erst nach gut der Hälfte der Zeit auf, was wohl auch dem Gesamtkonzept geschuldet ist. An dem Punkt kann der Liebhaber auch kurz aufatmen, da sich mit Brodinskis & Tony Senghores „Anagogue“, Bobmos „Control“ und Zombie Nations „Relax“ noch ein paar Rosinen in Kuchen finden lassen.

Gemixed und Zusammengestellt ist die ganze Sache im übrigen von Busy P und DJ Mehdi, die handwerklich natürlich keine Wünsche offen lassen, aber das wäre ja auch noch schöner…Sicher haben die Tracks für sich genommen alle ihre Reize, in einen Topf geworfen und gut durchgeschüttelt geht das Konzept für mich aber leider nicht auf. Da hätte wohl eine klare Entscheidung geholfen: entweder für das Tanzflächenvolk oder eben nicht, halben Sachen gefallen halt auch nur halb. (Es kann aber nicht genug beton werden, dass hier trotz allem auf SEHR hohem Niveau gemeckert wird!)

Was macht jetzt den Berliner Sampler besser? Die Antwort liegt fast schon auf der Hand: Alles, was die französischen Kollegen nicht so richtig auf die Reihe bekommen haben. Und das ganz wörtlich, denn Miami Noize schafft es eben alle beteiligten, trotzt der musikalischen Diversität, doch in eine Linie zu bringen und dabei den Sound des Labels gut zu repräsentieren. Das, also die Repräsentation des Labels, schafft zwar in gewisser Weise auch LTCT, aber macht dabei eben nicht so viel Spaß.

Miami Noize ist eindeutig eine Aufforderung zum Tanzen, was schon die ersten beiden Titel klar machen (Djedjotronc „Fritz“/Stripe Steve „The Freaks“) und obwohl sie auch etwas ruhigeren Nummern (Lone „For Ed“) sowie Dupstep (Siriusmo „Kontakt Me“ Remix) zu bieten hat, die aber wiederrum der Sache insgesamt nicht entgegenlaufen, sondern sie vielmehr abrunden. Highlights sind übrigens Housemeisters „Get Naked“ und Shadow Dancer mit „Macid“.

Alles in allem ist das eine ehrlichere Platte, da sie für die Leute gemacht scheint, die diese Musik auch tatsächlich hören; das sind nun mal die Kids und zwar im Club. Auch wenn sie an Quantität (nur 12 statt 20 Stücken) etwas weniger zu bieten hat und nicht abgemischt ist (was den DJ sicher freut), bleibt sie für mich überzeugender.

Miami Noize 2011
VÖ.:  Beatport 28. Februar 2011, Boysnoize Records

4von5111

Let the Children Techno.
VÖ.: Beatport 21. Februar 2011, Ed Banger Records

2-3

Let´s listen to the winner:

BNR presents MIAMI NOIZE 2011 (Teaser) by Boysnoize Records

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