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Veröffentlicht am 30.09.2011 | von Julian C.

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I AM OAK – Oasem

I will not take it this far at all. I have got no words.

(I Am Oak – Distances)

Musikstile mit Jahreszeiten in Verbindung zu bringen liegt stets nah: Frühling und Sommer sind lebhaft, verspielt und ein bisschen poppig, der Winter hingegen getragen und schwer. Nur wie sieht das perfekte Herbstalbum aus?

Vielleicht wie ‚Oasem‘ von I am Oak, das sich trittsicher zwischen den Spätjahresmusik-affinsten Genres bewegt.
Horizon I &II‘ , Distances, oder schlicht ‚I – mit solcherlei Songtiteln ließe sich zunächst an die Genres Ambient oder Post-Punk heranpirschen. Spärliche Instrumentierung und sphärische Klangwelten führen zunächst einmal auf die richtige Fährte, machen aber schließlich nur Fragmente in einem vorzüglichen, minimalistischen Folkalbum aus.

Auf ‚Oasem‘ – niederländisch für Atem – hauchen, seufzen, schleichen und trappeln sich I am Oak respektive Songwriter Thijs Kuijke aus Utrecht, durch verschrobene, vornehmlich akustische Kompositionen. Gesang, Banjo und Orgel reichen neben Gitarre und Bass völlig aus, um vorsichtig aber bestimmt durchs braunrote Laub zu wandeln. Hier und da lugt immer wieder ein Melodiebogen mit scheuen Rehaugen aus dem Dickicht, um kurz darauf wieder im Unterholz zu verschwinden.

‚Oasem‘ kommt weitgehend ohne große Höhepunkte aus. Die verschiedenen Tracks pendeln stets zwischen schüchternem, niemals kitschigem Lagerfeuerkolorit (‚Curt‘) und der wahrscheinlich perfekten Untermalung nordischer Kriminalfilme (‚Islands II‘). Bestimmte Songs sind im Klangfluss aber nur schwer auszumachen und machen das Album zu einem Werk, welches dringend als Ganzes wahrgenommen werden muss.

Was nicht weiter schwer fallen dürfte, denn die Spannung wird anders erzeugt: Die Musik legt sich hier nebelschwadengleich bedrückend schwer und doch erleichternd aufs Gemüt. Es wird dunkles Massivholz geraspelt: Dem Folk geht alles Naiv-schwärmerische ab, dafür verzichten die Post-Punk-Elemente auf dessen typischen Fatalismus. Als würden Bon Iver und The xx  in Justin Vernons Waldhütte eine Session geben. Am Ende schlummern alle friedlich in den Ohrensesseln, und im Kamin geht langsam das Feuer aus.

I Am Oak – Oasem
VÖ: 10. Juni 2011, Midsummer Records
www.iamoak.com

httpvh://www.youtube.com/watch?v=ZoKoaUOQzzk&feature=fvst

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