Filmnews

Veröffentlicht am 30.09.2011 | von Benjamin

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DAS HAUSMÄDCHEN – Filmkritik

Das hab ich von meinem Vater gelernt. Er hat mir gesagt, ich soll immer nett zu allen Menschen sein.
Es sieht aus wie Nachgeben, aber so erreicht man viel mehr. Am Ende kriegt man alles, was man haben will.

(Nami – Das Hausmädchen)

Fast wie ein Labyrinth wirkt das Haus, in das die junge Eun-Yi (Jeon Do-yeon) als neues Hausmädchen einzieht. Mit ihrem naiv-kindlichem Charme ist sie genau die Richtige, um sich um die kleine Tochter des Hause Nami (Seo-Hyeon Ahn) zu kümmern und für das leibliche Wohl der extrem wohlhabenden Familie. Ein Glücksgriff scheint diese Anstellung für Eun-Yi zu sein, denn sie kommt aus ärmlichen Verhältnissen und hat sich vorher mit einem Job in einer Garküche über Wasser gehalten.

Der Unterschied zwischen diesen beiden Welten wird virtuos eingefangen: Der Prolog zeigt in wackligen Bildern, teilweise mit Handkamera gefilmt, das schwankende Leben der Protagonistin, abendliches Gewusel, buntes Treiben auf den Straßen, weichgezeichnete Konturen. Um so härter wirkt der Kontrast, der sich mit dem Bezug des herrschaftlichen Hauses einstellt. Die Kamera wird statisch, folgt den scharfen Kanten der Architektur, fährt über die ausschweifenden, polierten und glänzenden Flächen der Mamorwände und deckt durch ihre Perspektiven die Machtverhältnisse unter den Bewohnern des Hauses auf. Zu diesen Bewohnern gehören neben Nami und Eun-Yi natürlich Namis Mutter, die mit Zwillingen hochschwanger ist, ihr Vater und die etwas in die Jahre gekommene Haushälterin, die ihren Aufgaben zwar gewissenhaft nachkommt, aber längst nicht zufrieden ist.

Der Erste, der nicht nur die architektonischen Grenzen des kühlen Hauses überschreitet, ist der Hausherr Hoon Goh (Jung-Jae Lee). Von seiner Frau gelangweilt verführt er Eun-Yi, zu der er in den Keller hinab steigt, und das Drama nimmt seinen lauf. Schon bald beschleicht den Zuschauer das Gefühlt, dass der Prolog nicht nur Eun-Yis Vergangenheit zeigt sondern auch bedrohlich ihre Zukunft vorweg nimmt.

Ebenfalls vom Herren des Hause schwanger und unter ständiger Beobachtung kann sie ihren Zustand nicht lang geheim halten und sieht bald ihr Leben und das ihres Kindes in Gefahr. Hoon Goh scheint zunächst noch eine moralisch integere Figur zu sein, in einem Spiel der Intrigen, doch auch er entpuppt sich schnell als Opportunist.

Das Hausmädchen‚ zeigt mit beeindruckend stilisierten Bildern, was sich hinter glänzenden, glatten und spiegelnden Oberflächen verbergen kann und schafft es seine Charaktere und deren Beziehungen über die Räume zu definieren, in denen sie sich bewegen.

Hanyo (Korea 2010)
Regie: Sang-soo Im
Darsteller: Do-yeon Jeon, Jung-Jae Lee, Seo Woo, Yeo-Jong Yun
VÖ: 9. September 2011, Alamode

httpvh://www.youtube.com/watch?v=Y1vB5UdVJbQ

Im Rahmen der DVD-Veröffentlichung verlosen wir zwei Exemplare der DVD zu ‚Das Hausmädchen‘ unter allen, die uns bis zum 14. Oktober eine Mail mit dem Betreff ‚Hausmädchen‘ und ihrer Adresse an info@bedroomdisco.de schicken. Wir wünschen viel Glück!

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