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Veröffentlicht am 9.09.2011 | von Fred

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S.C.U.M. – Again Into Eyes

„It happened by accident“ 

(S.C.U.M. über die Entstehung von Again Into Eyes)

Wie gut eine Band sein muss, um nach der Reformation von Daniel Millers Mute Label als einer der ersten Acts unter Vertrag genommen zu werden, zeigen S.C.U.M. mit ihrem Debüt ‚Again Into Eyes‘. Und ja, die Messlatte für die nächsten Bands auf Mute liegt verdammt hoch.

Der Bandname S.C.U.M. verweist auf das Manifest ‚Society for Cutting Up Men‘ von der Radikalfeministin Valerie Solanas, die Bekanntheit durch den Mordversuch an Andy Warhol erlangte. Ironie und Provokation sind Gründe für die Namenswahl, denn zu Beginn ihrer Karriere war S.C.U.M. eine reine Männerband, Drummerin Melissa Rigby kam erst später zu S.C.U.M. Deren Musik ist jedoch frei von jeglicher Ironie: Opulenz und Pathos sind die richtigen Schlagworte. Da wundert einen auch das Zitat von Keyboarder Samuel Kilcoyne nicht: „Manche unserer Songs klingen wie der Ursprung und das Ende der Zeit zugleich“. Ganz so episch ist ‚Again Into Eyes‘ dann doch nicht, aber eine gesunde Portion Übertreibung hat ja noch keiner Band geschadet. Wenn man die gewagte Beschreibung mal bei Seite lässt, bleibt in jedem Fall Indie-Rock zwischen Wave-Beats, Post-Punk der 80er und Shoegaze. Das ganze wird dann in ein gothisches Korsett gezwängt und mit einer Portion Weltschmerz garniert. Irgendwie ist das alles schonmal da gewesen und ständig schleicht sich das Gefühl ein, dass man diese oder jene Melodie schonmal gehört hat. Macht aber absolut nichts und ist wahrscheinlich sogar kalkuliert, denn S.C.U.M. klingen auf ihrem Debütalbum monumental, laut, mitreißend, emotional und einfach auf den Moment hin ausgerichtet. Zwischen fast poppigen Tracks und skizzenhaften Balladen versteht es Sänger Thomas Cohen hervorragend, dramatisches Zittern in seine näselnde Stimme zu legen.

‚Again Into Eyes‘ wurde von Ken und Jolyon Thomas produziert. Die beiden haben schon mit Künstlern wie David Bowie, Public Image, Cocteau Twins, M83, Psychic TV und Sigur Rós zusammen gearbeitet und die genannten Acts spiegeln auch Einflüsse der Band wieder. Die gesamte Produktion zeichnet sich durch eine enorme Stimmigkeit aus und wirkt in jedem Moment mehr als gelungen. Vor allem die beiden Hits ‚Faith Unfolds‘ und ‚Whitechapel‘ begeistern. Wer tanzbare, dunkle Töne und die 80er mag, wird an S.C.U.M. viel Freude haben.

S.C.U.M. – Again Into Eyes
VÖ: 9. September 2011 (Mute/ Goodtogo)
www.myspace.com/scum1968

S.C.U.M by Mute UK

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Über den Autor

Fred ist 32 Jahre, wohnt in der Pop-City Damstadt und mag Hunde, Pizza und Musik.



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