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Veröffentlicht am 8.09.2011 | von Azhar

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THEES UHLMANN – Thees Uhlmann

„Ein Finger in der Luft, zwei hinterm Rücken gekreuzt
Ich werde nie vergessen wovon du nachts träumst
das Leben ist hart aber das nehme ich in Kauf.
Zum Laichen und Sterben ziehen die Lachse den Fluss hinauf“

(Thees Uhlmann – Zum Laichen und Sterben ziehen die Lachse den Fluss hinauf)

Thees Uhlmann als „angekommen“ zu bezeichnen, wäre eine schlichte Untertreibung. Die Geschichte von Tomte und Grand Hotel van Cleef kennt man ja zur Genüge und darf an dieser Stelle geflissentlich übergangen werden. Viel wichtiger wäre die Frage, was das einzig verbliebene Gründungsmitglied dazu bringt, das durchaus schützende Tomte-Gewand abzustreifen und mit eigenem Namen zu bürgen? Das kann man entweder in einem allgemeinen Diskurs bzgl. der Existenzberechtigung von Soloplatten erörtern, bei man zurecht munkeln darf, was der primäre Songwriter in einer solchen Veröffentlichung denn neues zu sagen hat, oder die Sachlage eben hinnehmen. Unter „hinnehmen“ verbuchten auch durchaus einige die letzte Tomte-Veröffentlichung „Heureka“ – ohne Zweifel ein hervorragendes Album, aber eventuell doch Stagnation auf hohem Niveau. Somit darf man „Thees Uhlmann“ schon als den allzu inflationär gebrauchten Befreiungsschlag verstehen. Das Artwork überrascht daher wenig, schließlich sind Uhlmann’s erfolgreiche Streifzüge durch popkulturelle Referenzen seit eh und je eins seiner unverwechselbaren Merkmale.

Das Album begrüßt uns mit der wunderbaren Single „Zum Laichen und Sterben ziehen die Lachse den Fluss hinauf“ und legt die Meßlatte dabei ziemlich hoch. Uhlmann legt aber gleichzeitig einen durchaus anderen musikalischen Fokus hin zum Rock vor, welche bei der ersten Single noch dezent angedeutet wird, im Verlauf der Platte aber überdeutlich zutage gefördert wird. Dabei kann er auch lyrisch erstmals ohne Bedenken bereits zur Genüge erkundete Tomte-Pfade verlassen – siehe auch „Das Mädchen von Kasse 2“. Man mag von diesem Pathos-Ausflug halten was man will, aber erst an solchen Stücken hört man, wie sehr der Mensch Thees Uhlmann diese Platte letztendlich gebraucht hat. Pathos ist übrigens ein gutes Stichwort, denn wo Tomte lyrisch relativ subtil oder indirekt agierten, möchte sich der Solokünstler Uhlmann nicht in irgendwelchen Metaabenen verlieren. Dafür muss man aber tatsächlich Tomte vom Solokünstler gedanklich trennen, erst dann kann man das wirklich wertschätzen. Den Hang zum kulturellen Streifzug findet sich auch musikalisch wieder, so revanchiert sich Casper auf „Und Jay-Z singt uns ein Lied“ für Uhlmanns Ausflug auf XOXO.

Was bleibt nach mehreren Durchgängen von „Thees Uhlmann“? Eine gelungene Platte, die es dem Zuhörer unvermeidlicherweise anfangs schwer macht, Hauptband und Solokünstler mental zu trennen, aber nach dieser Phase eine spannende und ehrlich Erfahrung von einem der besten Künstler hierzulande bietet. Dabei mag man sich, wie bereits erwähnt, nicht mit dem damit einhergehenden Pathos so recht vertragen, aber selbst dass bleibt dem Boss höchstpersönlich nicht erspart.

Thees Uhlmann – Thees Uhlmann
VÖ.: 26. August 2011, Grand Hotel Van Cleef (Indigo)
www.theesuhlmann.de

httpvh://www.youtube.com/watch?v=GwwaYX1oG6g

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