Musik

Veröffentlicht am 13.03.2012 | von Benjamin

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BOYSNOIZE RECORDS – Miami Noize 2012

Die ‚Miami Noize‚ Compilation vom Berliner Boysnoize Records Label geht in die dritte Runde und steht den beiden Vorgängern von 2010 und 2011 in nichts nach. Auch in 2012 steht die Platte ganz im Zeichen der neuen, jungen Mitglieder der Talentschmiede um den Gründer Alexander Ridha. Die Meisten der vertretenen Produzenten haben sich in letzter Zeit schon einen Namen machen können, aber für kleinere oder größere Überraschungen und das ein oder andere Gastspiel ist die Zusammenstellung allemal gut.

Am meisten dürfte sich der treue Fan wohl über einen Titel freuen, der bereits seit 2010 durch die Sets der Protagonisten des Labels spukt und über den bis dato nicht viel zu erfahren war. Zuzuschreiben ist der Track mit dem Namen ‚Technorama‚ niemand geringerem als Digitalism. Das Hamburger Duo veröffentlichte im letzten Jahr mit ‚I Love You Dude‚ sein zweites Album und verließ damit die Wege, die das Debüt ‚Idealism‚ von 2007 vorgezeichnet hat. Das Album von 2011 setzte deutlich mehr auf Vocals und Gesang, was nicht nur auf Zustimmung stieß. ‚Technorama‚ deutet wieder in Richtung der Electro-Punk-Vergangenheit und unterlegt sie mit einem technoiden Beat. Der Platz auf der Platte für dem Label nahestehende Künstler geht dieses Mal an die Herren Bart B. More und Felix Cartal, die die Köpfe für ‚Cascade‚ zusammen gesteckt haben. Die kanadisch-niederländischen Kooperation macht durch ihren unverwechselbaren Sound kein Geheimnis aus den Beteiligten. Ein bretternd rollender Bass, der sicher auf das Konto von Bart B. More geht, wird ergänzt durch das typisch zerrige Electrogetöse von Felix Cartal.

Qualitativ verlieren die hauseigenen Produktionen aber keines Falls gegen die der Gäste. Die Eröffnung übernimmt Spank Rock, dessen Album ‚Everything is Broning and Everybody is a Fucking Liar‚ von 2011 von Boys Noize produziert worden ist. Der Klang des Stücks legt eine erneute Zusammenarbeit mehr als nach. Die verspielten, percussionlastigen und trompetenartigen Hintergründe, werden begleitet von Eletronicaeinprengseln und fast ausschließlich zusammengehalten von den Raps von Naeem Juwan.

Auch BS1 darf auf Miami Noize etwas zum Besten geben. Das zweigeschlechtliche Duo aus Italien gibt mit ‚Blow Me Away‚ genau so viel Gas, wie der Titel vermuten lässt. Der komprimierte, treibende Beat, den ihre erste EP noch vermissen ließ, wird von Acidfacetten untermalt. Das Acidthema greifen auch die Herrschaften von Shadow Dancer auf und legen mit ‚Wolff‚ einen – für ihre Verhältnisse – ungewöhnlich schnellen Technotrack vor, der zweifellos zu den Glanzstücken der Platte gehört.

Am umtriebigsten ist sicher der jüngste Vertreter der BNR-Crew. Der Hang von SCNTST alias Bryan Müller zu dekonstruierten Rhythmen bestimmt auch ‚Warped‚, allerdings treibt das Tempo eher in housigen Gefilden getragen von 90er Reminiszenzen. Djedjotronic greift für ‚Miamite‚ noch ein Jahrzehnt tiefer in die Trickkiste und kombiniert Synthies mit düster-modernem Beat. Ähnlich dunkel kommt auch ‚Combo‚ von Audionite daher. Der deepe Bass und die Echos des durch seine Einfachheit überzeugenden Stücks lassen die Handschrift von Audionite eindrucksvoll in Szene treten.

Zu Abschluss dürfen Jan Driver und Stripe Steve mit etwas leichteren Tracks die Platte beschießen. ‚Bacon Hill‚ hält zwar eine Weile damit hinter dem Berg, in welche Richtung er sich entwickelt, um dann umso überraschender einen tranceartigen Part und einen housigen Vocal mit dem flächig-gezogenen Bass zusammenfließen zu lassen. Stripe Steve macht den Deckel drauf mit einem Titel, der, wie sein Name vermuten lässt, die Compilation lässig beendet. ‚Strollin‚ lässt die Gedanken schon in Richtung des Festivalsommers abdriften. Glücklicherweise lässt der nicht mehr allzu lang auf sich warten, so dass man sich bald in der richtigen Atmosphäse einiger der hier vertretenen Bonbons anhören kann.

Hat man sich Miami Noize 2012 vollständig angehört und nimmt noch ein Mal das Coverbild in den Blick, liegt der Gedanke nahe, dass das Design kein Zufall ist. Das Spiel mit Popart-Veweisen geht hier durchaus auf, wenn man sich die Arbeit mit den verschiedensten Materialien aus dem musikalischen Archiv der vergangenen Jahrzehne verdeutlicht. Subtil und doch wahrnehmbar führt dieses Album eine kleine Revue der elektronischen Musikgeschichte vor, wobei jedes Stück die vorgefundenen Klänge in die eigene Gestaltung integrieren kann. Das Konzept geht auf! Statt ‚zusammengestellt‘ verdient Miami Noize deshalb eher das Prädikat ‚gut kuratiert‘.

V.A. – Miami Noize 2012
VÖ: 9. März 2012, Boysnoize Records
www.boysnoize.com

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