Kolumne

Veröffentlicht am 14.05.2012 | von Doris

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MONTAGSGEDANKE – Meine Freundin Claudi

Meine Freundin Claudi ist absolute Musikrealistin. Allerdings hasst sie Elektro sehr, dieses „Brrrrrrriiiiiiiiiiiii“ und  „Wuwuwuuwuwuwuuuuuuuu“, wie sie immer meint. Dabei schürzt sie die Lippen, rauft sich die Haare, wirft die Arme in die Luft und macht so als würde ihr Kopf explodieren. Das ganze aufgebauschte, aufgeregte, Hin- und Her, das Geheule, die Sirenen und die ständigen Kraftausdrücke. „Furchtbar“ sagt meine Freundin Claudi dann immer. Nun, ich bin nicht ganz ihrer Meinung, aber natürlich verstehe ich, was sie meint.

Ein einzelner Elektrosong hat häufig die Eigenschaft, in sich mehrere Höhepunkte  zu  vereinen, was auf Dauer eben sehr anstrengend sein kann und einen sehr kurzen Spannungsbogen zur Folge hat. Dennoch gibt es natürlich auch beim klassischen Elektro große Unterschiede und denn noch oder gerade deswegen bin ich sehr froh, dass das einstmals gute, nun mehr alte „auf die Fresse“ -Auflegen ausgedient hat. Wie die Indiemusik vom Elektro abgelöst wurde und dieses Elektro sich immer mehr zu überhartem Geballere entwickelte, so wird auch jetzt eine neue Ära eingeläutet. Damit meine ich keinesfalls Dubstep. Das ist noch mal eine Hausnummer für sich und nach meinem Geschmack nicht gerade die hellste Kerze auf der Torte.

Nein, die Leute können das harte, maschinell und synthetisch hergestellte Elektro nicht mehr gut vertragen. Auch meine Freundin Claudi nicht. Zumindest nicht mehr die ganze Nacht, wenn die DJs stündlich um den härtesten und ravigsten Sound konkurrieren und sich die Gäste nach dem Disco Besuch fühlen als hätten sie  eine 8 Stunden Schicht auf einer Großbaustelle hinter sich.

Man hat den Eindruck die tanzenden Massen wollen raus aus ihrer anonymisierten Lethargie, wollen mehr Wärme, mehr Gefühl in der Musik und auf der Tanzfläche erfahren. Das hat auch meine Freundin Claudi schon früh bemerkt. Da bounct der aufgepumpte Checker-Typ mit dem blumig-verträumten Studentenmädchen von nebenan und die Abiturientenclique wippt im gleichen Takt wie  der Alt-Raver. Es ist ein bisschen wie flüssiger Verkehr in der Rush Hour, alle sind am schwofen und ganz vermehrt auch wieder die Frauen.

Um weitere Worte zu sparen gibt es sozusagen die praktisch ausgeführte Fortsetzung meines Montagsgedanken als Set, das ich gestern, im heimeligen Wohnzimmer aufgenommen habe. Meiner Freundin Claudi gefällts bestimmt und ich hoffe Euch auch.

Ihr lest Montagsgedanken. Tagebuch einer DJane. Mein Name ist Doris Vöglin.

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