Interviews

Veröffentlicht am 9.05.2012 | von Dominik

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PHONO POP FESTIVAL – Interview

Der Festival-Sommer wirft seine Schatten voraus, sodass auch wir uns den Dreck von den Gummistiefeln klopfen, Zeltstangen wieder gerade biegen und schon mal eine Korn-Banane-Tetra-Pack-Mischung bereitstellen. Doch damit nicht genug, haben wir doch auch an die Kollegen vom Phono Pop Festival in Rüsselsheim einen Packen Fragen geschickt, um mehr darüber zu erfahren. Hier nun die Antworten im Bedroomdisco Interview!

1. Steckbrief:

– Name: Phono Pop Festival
– Gründungsjahr: 2006
– Standort: Rüsselsheim / Rhein-Main
– Termin: 20. & 21. Juli 2012
– Preis: 39 € (Festivalticket), 25 € (Tageskarte)
– Besucher: 1.500

2. Fragenkatalog:

– Aus welchem Grund habt ihr angefangen das Festival zu veranstalten?
Ich habe Anfang der 00er Jahre angefangen mich für Musik zu interessieren. Da hat man eben „Neon Golden“ gehört, Fast Forward geguckt und ist zum Immergut gefahren. Später habe ich dann selbst angefangen aufzulegen und Konzerte zu veranstalten, da habe ich dann in Rüsselsheim im Kulturzentrum „das Rind“ Flo und Matthias kennengelernt. Wir haben dann beschlossen ein Festival zu machen, weil es im Norden das Immergut, im Osten das Populario und im Süden das PLUS gab, aber im Rhein-Main-Gebiet eben nichts dergleichen zu finden war.

– Gab es ein anderes Festival, dass euch als Inspiration diente – welches bzw. aus welchen Gründen?
Früher sicher, wie schon erwähnt, das Immergut und natürlich auch das Haldern. Heutzutage inspirieren uns ehrlich gesagt eher ausländische Festivals, privat fliege ich zum Primavera nach Barcelona, was ich den Stilmix wahnsinnig erfrischend finde. Ich finde der deutsche Festivalmarkt könnte mehr Mut und Innovation gebrauchen. Gefühlt spielen immer die gleichen Namen auf allen Festivals. Wir sind ja ein kleines Festival und arbeiten mit bescheidenen Mitteln, aber wir kämpfen immer wieder um Exklusives wie Two Gallants, Health, Japandroids oder dieses Jahr nun Warpaint und Nada Surf.

– Welchem musikalischen Genre würdet ihr euch zuschreiben?
Die drei Säulen des Phono Pop sind sicherlich Indie, Folk und Elektro. Allerdings sind wir sehr offen, wir hatten ja auch schon Punkbands bei uns oder Mardi Gras.bb, die sonst eher bei Jazzfestivals spielen. Was es sicherlich nicht geben wird ist Reggae und Metal. Aber es gibt sicherlich auch ein paar HipHop-Acts, die wir uns vorstellen könnten. Und das in diesem Jahr kein Elektroact spielt, liegt nur daran, dass einfach niemand von unserer Wunschliste verfügbar oder bezahlbar war.

– Wie kam das erste Mal zustande? Auf welche Probleme seid ihr gestoßen?
Flo hatte das Booking für das Rind in Rüsselsheim übernommen und es gibt in der Stadt immer den Kultursommer, da hatte er die Möglichkeiten ein paar Veranstaltungen Open Air durchzuführen. Wir wollten als kleinen Test eigentlich erstmal ein eintägiges Festival mit fünf Bands auf einer Bühne machen. Uns wurden dann soviel Bands angeboten von den Agenturen, dass wir irgendwann noch spontan den Freitag drangehängt haben, auch eine zweite Bühne bespielt haben und dadurch natürlich auch einen Campingplatz organisieren mussten. Vor lauter Organisation haben wir ein bisschen die Werbung unterschätzt oder vielleicht sogar vergessen. Das war dann wirklich ein Festival mit Clubatmosphäre – 250 Leute waren da und wir haben alle gut Geld verloren.

– Nach welchen Gesichtspunkten habt ihr die Location gewählt?
In Rüsselsheim findet immer über mehrere Wochen der Kultursommer statt, da gibt es neben unserem Festival auch Freiluftkino, Comedy, Theater und vieles mehr. Der Vorteil für uns war einfach, dass es dementsprechend für die Festung damals schon eine Nutzungsgenehmigung für Veranstaltungen und eine Grundinfrastruktur gab. Auch die Bühnen standen über mehrere Wochen da, das ist nun auch wieder so, das ist eine perfekte Zusammenarbeit mit der Stadt, dem Theater und dem Kulturbetrieb.

– Ihr seid schon mal umgezogen – warum bzw. seid ihr jetzt erstmal fest auf dem alten Opel-Gelände?
Wir mussten die Festung vor drei Jahren verlassen, weil es dort Sanierungsarbeiten gab, die eine Durchführung des Festivals unmöglich machten. Auch hier zog der komplette Kultursommer in das Opel-Altwerk und wir haben uns angeschlossen. Nun haben wir uns, nach langer Überlegung, bewusst dafür entschieden hier zu bleiben. Fakt ist einfach: Der Festivalmarkt hat sich in den letzten drei Jahren noch mal rasant entwickelt, die Gagen und sonstigen Kosten sind extrem gestiegen. Und unser Festival hat sich in der Zeit eben auch entwickelt, wir haben nun mehr als doppelt soviel Besucher. Wären wir zurück in die Festung gegangen, hätten wir Nada Surf, Warpaint und vielleicht auch die Co-Headliner nicht finanzieren können, trotzdem die Ticketpreise erhöhen und uns von 1/3 des Publikums verabschieden müssen. Wir finden aber auch, dass auch auf dem Opel-Gelände die Intimität und Atmosphäre erhalten geblieben ist.

– Wie lief das letzte Jahr?
Überraschend gut. Wir hatten ein bisschen Angst, es gab keinen Vorverkauf-Endspurt wie im Jahr zuvor, weil das Wetter schlechter wurde vor dem Festivalwochenende. Am Samstagnacht bei Kante gab es dann auch Nieselregen und es waren nur noch knapp 15°C auf dem Gelände. Dennoch wurden wir an der Abendkasse wieder überrannt. Der Abend mit Bodi Bill und Junip war der erfolgreichste in der Phono Pop Geschichte. Wir waren auch sehr happy mit allen Auftritten und der Stimmung. Es war ja auch ein bisschen eigensinnig und mutig Kante und Two Gallants als Headliner zu programmieren, beide waren ja jahrelang nicht aktiv, aber das waren auch sehr gefeierte Auftritte.

– Welche Änderungen wird es dazu dieses Jahr geben?
Nicht wirklich viele. Es wird weiterhin nur zwei Bühnen geben, die im Wechsel bespielt werden, damit man alles sehen kann. Wir denken eben weniger ist mehr und wollen die Besucher auch nicht so hetzen und die Bands durchschleusen, als wären wir bei The Dome. Wir werden ein bisschen an Feinheiten und Details arbeiten, an der Atmosphäre, mehr Dekoration und Kunst auf dem Gelände zum Beispiel.

– Gibt es eine Band/einen Act auf den ihr euch persönlich am meisten freut?
Wir freuen uns wirklich alle sehr auf Nada Surf. Uns ist es ja immer wichtig einen Headliner zu präsentieren, der ein Stück Musikgeschichte geschrieben hat und mit einem Katalog guter Songs anreist. Eine aktuelle Hype-Band, von der man nur ein, zwei Hits kennt, reizt mich als Headlinerbooking überhaupt nicht. Nada Surf haben 20-jähriges Bandjubiläum, die letzte Tour war sensationell: Die Band war gut drauf, die Stimmung im Publikum super, die Setliste ein Traum.

– Welche Band/welchen Act würdet ihr euch mal bei eurem Festival wünschen?
The Weakerthans und The Notwist versuchen wir schon seit Jahren zu bekommen und werden wir auch in Zukunft jedes Jahr anfragen und verhandeln. Für beide gilt das Gleiche, was ich ja gerade schon beschrieben habe, das sind eben Bands mit Geschichte. Vor zehn Jahren gab es eben nicht so eine Stilvielfalt und Bandauswahl wie heute, da gab es eben zwei Bands auf die sich alle einigen konnten, die mit Indie sozialisiert wurden: The Weakerthans und The Notwist.

– Welche Aspekte sind für euch als Macher bei einem Festival am wichtigsten?
Ich sehe das Phono Pop vor allem als Entdeckerfestival. Ich fände es schön, wenn irgendwann um 15:00 Uhr genausoviel Leute vor der Bühne stehen wie beim Headliner, so wie beim großartigen Orange Blossom Festival von Glitterhouse. Wir schauen uns fast alle Bands live an, bevor wir sie buchen, weil wir einen hohen Wert auf die Qualität der Darbietung legen. Zudem finde ich das Drumherum sehr wichtig. Für unsere Essens-Stände haben wir in den letzten Jahren viel Lob bekommen, da haben wir auch lange dran gearbeitet. Ich habe mich vor ein paar Jahren bei einem anderen Festival sehr aufgeregt, da stand im Vorwort des Programmheftes was von „urbanes und modernes Festival“ und man musste sich als Vegetarier dann drei Tage lang von fettigen Pommes ernähren. Für uns ist ein gutes kulinarisches Angebot sehr wichtig und heutzutage selbstverständlich.

– Welche Rolle spielt ehrenamtliche Arbeit bei eurem Festival?
Eine sehr große, fast alle arbeiten ehrenamtlich und ohne wäre es auch nicht zu finanzieren, da wir ja auch Branding und Großsponsoring ablehnen. Der Großteil kommt aus dem Rind-Umfeld, viele arbeiten auch dort, der Rest kommt aus dem Freundeskreis. Das ist mittlerweile ein super Team, letztes Jahr war die Stimmung und Zusammenarbeit backstage wirklich sensationell.

– Wie viele Menschen arbeiten an dem Festival mit?
Am Festivalwochenende selber sind es inzwischen über 100 Leute. Ich hingegen bin inzwischen wirklich 365 Tage im Jahr mit dem Festival beschäftigt. Sobald wir die Klappe zuschlagen mit der letzten Abrechnung, sitzen wir auch schon wieder an den ersten Plänen und Verhandlungen für das kommende Jahr. Zudem gibt es ja auch noch Clubs und Tourneen unter unserer Phono Pop Flagge, genug zu tun ist also immer.

– Welchen Background habt ihr als Macher?
Ich habe bei einer großen Festivalagentur in Hamburg meine Ausbildung zum Veranstaltungskaufmann gemacht, Matthias hat in der Batschkapp in Frankfurt gearbeitet und Flo macht das Kulturzentrum in Rüsselsheim. Ich denke dieser Grad an Professionalität hat uns auch innerhalb so kurzer Zeit bei Agenten und Managern Zugang zu so guten und großen Acts geschaffen. Ansonsten sind wir aber in erster Linie immer noch drei Musikliebhaber, wir haben alle Berufe mit denen wir unser Geld verdienen und Phono Pop ist unsere Leidenschaft, formulieren wir das mal so, Hobby klingt doof.

– Eure Top 3 Alben aus 2012 bisher? Warum?
Here We Go Magic – A Different Ship
Produziert von Radiohead-Mann Nigel Godrich, Thom Yorke ist Riesenfan, wird am Ende des Jahres in keiner Bestenliste fehlen, weil: großartig!
Alabama Shakes – Boys & Girls
So hab ich jetzt immer die ersten Sommertage des Jahres verbracht: Fenster aufreissen, Sonne ins Büro knallen lassen, Kaffee kochen und diese Platte auflegen. Besser kann man keinen Sonnentag starten!
Bear In Heaven – I Love You, It’s Cool
Eigentlich kann ich keine Synthesizer-Musik mehr hören, aber Bear In Heaven dürfen das, weil sie sich so cool bei Krautrock bedienen und es schaffen auf Albumlänge einen regelrechten Sog zu entwickeln, in den sie einen ziehen.

– Welcher Song passt zu eurer aktuellen Stimmung?
Gorillaz featuring Andre 3000 and James Murphy – DoYaThing

– Welcher Song bringt euch jedes Mal wieder zum Tanzen?
Lykke Li – „I Follow Rivers (The Magician Remix)“ legen wir alle gerade sehr gerne auf. Der Tanz-Hit der Phono Pop Crew ist aber „Time Has Changed“ von Codec & Flexor, seit er mal auf einer der After-Show-Partys lief.

– Wer hat den Fragenkatalog ausgefüllt?
Carsten (zuständig für Booking, Presse und Kommunikation)

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