Reviews The Shins - Port Of Morrow Cd-Kritik

Veröffentlicht am 7.06.2012 | von Fred

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THE SHINS – Port of Morrow

The Shins - Port Of Morrow Cd-Kritik

„Well, this is just a simple song,
To say what you done.
I told you about all those fears,
And away they did run.“

(The Shins – Simple Song)

Ich erinnere mich noch deutlich an mein erstes Zusammentreffen mit den Shins. Es war damals im Jahr 2004, als Hypemachine noch in den Kinderschuhen steckte und der wohl bekannteste Indie Musik-Blog ‚Good Weather For Airstrikes‚ hieß‘. Irgendwie steckte das ganze Internetding noch ein wenig in den Kinderschuhen und die nächsten großen musikalischen Trends namens Nu-Rave und dem Ed Banger Elektro kamen gerade ins Rollen. Irgendwann entdeckte man zu dieser Zeit unweigerlich die Shins, da führte eigentlich kein Weg dran vorbei. Wahrscheinlich durch einen Blog oder, denn das war damals auch noch möglich, einen Artikel im (offline) Lieblingsmusikmagazin, das heute mit großer Wahrscheinlichkeit nicht mehr gedruckt wird. Und wow, was war das für eine Gefühl, als einen die Songs von ‚Oh, Inverted World‚ und ‚Chutes Too Narrow‚ auf die Suche nach dem perfekten Popsong mitnahmen. Auf diesen beiden Alben waren sie im Überfluss vorhanden, die warmen Songs, voller großartiger Kleinigkeiten und überbordender Ideen. Songs bei denen man sich sofort zu Hause und gut aufgehoben fühlte. Dann erschien ‚Wincing The Night Away‚ und die Zugänglichkeit wurde gegen Finesse, die Geborgenheit gegen Innovation getauscht. Heute weiß ich nur noch, dass ich das Album mochte, bis auf den Hit ‚Phantom Limb‘ blieb jedoch nicht viel hängen. Doch jetzt soll sich wieder alles ändern: Nach fünf langen Jahre gibt es wieder Indie-Pop von den Shins.

Port of Morrow‚ nennt sich das nunmehr vierte Album der Shins und dieses Mal ist vieles anders. Bandhäuptling, -genius und -diktator James Mercers hat die komplette Band ausgetauscht und auch der bisherige 60s-Pop der Band wird durch eine aufpolierte und modernere Version ersetzt. Bei den ersten Durchläufen wusste ich absolut nicht, was ich von den neuen Songs halten soll. Das sollen meine ach so lieb gewonnenen Shins sein? Wo sind die herzliche Indie-Verschrobenheit und der vertraute Retro-Sound geblieben? Die erste Single ‚Simple Song‘ steht beispielhaft für die neue musikalische Richtung, die Mercer auf ‚Port Of Morrow‘ eingeschlagen hat. Hier wird die komplexe Produktion von ‚Wincing The Night Away‘ auf Stadion-Niveau reduziert und die Gitarre hyperventiliert. Kompakte Power-Pop Riffs treffen hier auf die schmerzlich genau zutreffenden Observationen des Liebeslebens. Wenn hier „And you feel like an ocean being warmed by the sun“ gesungen wird, weiß man erstaunlicherweise sofort, wie das gemeint ist und trotz des hymnischen Charakters schafft es James Mercers immer noch, die großen Gefühle in ganz besonders treffende Worte zu kleiden. Auch das traurig-schöne ‚September‘ punktet hier mit seiner Transition vom gewöhnlichen Akkustigitarren-Lied zu einer wunderbar erzählten Geschichte, die einem, mit der Unterstützung von Glockenspiel und Rassel, punktgenaue Bilder in den Kopf zaubert. Das titelgebende Finale ‚Port of Morrow‘ geht dann ein wenig in Richtung Broken Bells, dem Nebenprojekt von Frontmann James Mercers. Hier wird ein karger und persönlicher Track entworfen, der auf musikalischer Seite nur mit Schlagzeug bzw. Drumcomputer, Bass und Synths auskommt und sich ansonsten ganz auf Mercers eindringliche Stimme verlässt. Port of Morrow ist ein Song, wie man ihn von den bisherigen Shins nicht erwartet hätte und wenn man sich die Lyrics über Leben, Tod und Beständigkeit anschaut, fällt auf, dass die Entwicklung der Band doch auch positive, reifere Seiten hat.

Auch wenn sich Texte und Musik der Band verändern, ihre größte Stärke bleibt. Die Shins sind eine Band, die es wie keine andere versteht, die großen Gefühle, die Musik auslösen kann, in dreieinhalbminütigen Songs zu konservieren. Zu verführerisch sind ihre Melodien und Songs, als dass man sie nicht direkt ins Herz schließen würde und so verzeiht man der Band auch gerne, die Weiterentwicklung von Indie zu klassischem Pop. Was bleibt ist ein tolles Album, das weder euer, noch mein Leben verändern wird, aber einen wunderbaren Soundtrack für das täglich erlebte darstellt und trotz größerer Gesten die Schönheit in den kleinen Dingen findet.

The Shins – Port Of Morrow
VÖ: 16. März 2012 (Smi Col/ Sony Music)
http://www.theshins.com
http://www.myspace.com/theshins

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Über den Autor

Fred ist 32 Jahre, wohnt in der Pop-City Damstadt und mag Hunde, Pizza und Musik.



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