Interviews

Veröffentlicht am 22.08.2012 | von Dominik

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GARDA – Interview

Es herrscht große Vorfreude, angespanntes Werkeln und viel Organisationsarbeit bei Bedroomdisco, steht doch demnächst mit dem Golden Leaves Festival (hier alle Infos dazu) unser erstes eigenes Festival an. Eine Band auf die wir uns besonders freuen, ist dabei das ehemalige Kollektiv, beziehungsweise die jetzige Großband Garda aus Dresden, die emotionales Songwriting mit pompös-großem Klanggewand verbindet und für uns damit so etwas wie die deutschen The National sind. Zweiflern raten wir den Genuss der aktuellen Platte ‚A Heart of a Pro‚. Doch wir wollten natürlich nicht irgendwelche Leute zum Festival einladen und haben deshalb auch mal nachgefragt – kurz: Garda im Bedroomdisco Interview!

1.) Steckbrief:

– Name: Garda
– Bandmitglieder: Ronny Wunderwald, Cornelia Mothes, Lars Hiller, Frank Heim, Karsten Pretschner, Ludwig Bauer, Kai Lehmann, Markus Altmann, Bernd Wunderwald, Gunther Strehlau
– Gründungsjahr: 2006
– Standort: Dresden
– aktuelles Album: A Heart of a Pro (K&F Records, Hometown Caravan)

2.) Fragenkatalog:

– Wie habt ihr angefangen Musik zu machen? Was war der Grund für euch ein Instrument zu lernen oder wurdet ihr von den Eltern gezwungen?
Ich glaube die Musik war bei uns allen schon immer präsent. Ein paar von uns hatten von kleinauf Unterricht in verschiedenen Sparten, andere von uns waren eher die Konzertgänger, die irgendwann auch ihren Idolen nacheifern wollten und sich das jeweilige Lieblingsinstrument schnappten und in ersten Bands und Projekten loslegten. Und so nach und nach begaben wir uns dann auf die Wege die uns hierhin brachten und entwickeln liessen.

– Welche musikalischen Einflüsse habt ihr?
Da gibt es ziemlich viele, so dass es schwer ist hier alle aufzuzählen. Die reichen von unseren Wurzeln die im Hardcore und Americana liegen, bis hin zu Jazz, Klassik, Pop oder auch HipHop, so krude wie das jetzt klingen mag. Aber wir hegen alle ein recht großes Interesse an den Strukturen verschiedenster Musikbereiche, die irgendwie auch dann in unsere Musik fliessen. Sicher gab und gibt es Bands, ohne die es Garda in der jetzigen Version nicht geben würde, die auch oft in vielen Rezensionen als Vergleiche herangezogen werden. (:

– Wie habt ihr euch das erst mal getroffen bzw. wie kam es zur Bandengründung?
Ich schwanke immer zwischen 2005 und 2006. Ich glaube es war 2006. Unsere jetzigen Labelchefs von KF Records organisierten damals eine Singer/Songwriter Reihe im der legendären Dresdner „Madness“ Bar. Und irgendwie hatten sie Notiz genommen, dass ich neben meiner Band Claim, auch ruhige Akustik Songs schreibe. Somit folgte die Einladung zur Premiere, die ich dann nicht alleine bestreiten wollte und mit Ronny am Schlagzeug als Duo auftrat. An dem Abend waren auch komplett The Gentle Lurch anwesend, sehr gute Freunde aus der Heimat, die mittlerweile ebenso in Dresden wohnten. Um es kurz zu machen, irgendwann trafen wir uns zu einer ersten Probe, um die gemeinsamen Ideen in unseren Köpfen zu verbinden und zu realisieren und merkten auch schon alsbald und schnell, dass da eine große Menge an Inspiration zwischen allen herrschte.

– In welcher Situation kamt ihr auf den Namen ‚Garda‘, welche Bedeutung hat er für euch, warum habt ihr ihn ausgewählt?
Garda ist die Bürgerpolizei in Irland. Steht also für Sicherheit, das Beschützen. Das ist es auch, was die Band für uns bedeutet. Und durch einige Aufenthalte in Irland, schien uns das der treffendste Begriff für die Band zu sein.

– Zu Beginn habt ihr euch eher als Kollektiv gesehen, wann war der Punkt, an dem ihr euch als feste Band gesehen habt?
Dieser Prozess begann eigentlich schon während der Tourneen zum Debüt, weil alle Beteiligten schon damals viel Ideen in die Lieder einbrachten, von jedem so viel mehr als einzelne Noten in den Lieder steckten, dass es nicht mehr angebracht gewesen wäre, von einem Duo mit „Gastmusikern“ zu reden. Noch konkreter wurde es dann bei den Aufnahmen zum neuen Album, wir waren alle gleichberechtigt an den Arrangements beteiligt. Auch wenn Ronny und ich die Grundstrukturen schreiben, die Lyrics von mir kommen, so ist jeder Song auf „A heart of a Pro“ ein Ergebnis der Ideen einer Band.

– Wie arbeitet ihr normal an euren Songs?
Wie schon oben erwähnt. Ronny und ich entwerfen erste Skizzen zu neuen Songs, die wir dann einfach in die Runde werfen und gemeinsam innerhalb der Band modellieren und zu Leben erwecken. Wir versuchen verschiedene Wege zu skizzieren, um uns dann für den relevantesten zu entscheiden, der dem Song am gerechtesten wird und unsere Idee im Kopf am nächsten kommt.

– Was inspiriert euch zu euren Lyrics? In welchen Situationen schreibt ihr an Songs?
Die Lyrics sind speziell auf der neuen Platte durchweg autobiografisch, persönlich. Auf unseren Debüt waren da stellenweise schon noch mehr Geschichten, bei denen aber auch persönliche Ereignisse eine Rolle spielten. ‚A Heart of a Pro‘ ist eine einzige persönliche Geschichte, eine Erinnerung an die letzten Jahre. Die Lieder entstehen um Sachen zu verarbeiten, um Ereignissen einen Ausdruck zu geben, eine Sprache. Man kann schon auch sagen, es ist eine Art Selbsttherapie.

– Wie, wo und wie lange fand die Produktion von ‚A Heart of a Pro‘ statt? Was war der beste, was der schlimmste Moment während der Aufnahme? Was ist die meist erzählte Anekdote? Bzw. wie kamt ihr zum Alben-Titel?
Die Produktion fand in den Hotel Albert Studios in Dresden statt. Produziert wurde es von Philipp Makolies, Uwe Pasora und Ludwig Bauer (die man alle von Polarkreis 18 kennen dürfte). Insgesamt verbrachten wir über 6 Monate im Studio. Der beste Moment war die gesamte Produktion, von Anfang bis Ende. Musikalisch und menschlich das Beste was uns passieren konnte. Die schlimmsten Momente waren jeweils die, in denen Zweifel kamen, ob wir dem Song gerecht werden, die Idee in unseren Köpfen denn wirklich wird oder wir daran scheitern. Eine Anekdote, uiii, das ist schwierig. Weil die ganze Zeit voll mit Momenten und Ereignissen war, die so kaum zu erzählen sind. Vielleicht hätten wir eine Garda „On/Off“ Version machen sollen, wie es The Notwist getan haben.

– Wir haben gelesen, dass ihr euch vor den Aufnahmen zum zweiten Album viele Gedanken über eure klangliche Ästhetik gemacht habt und diese verändern wolltet. Warum wolltet ihr euren Sound verändern bzw. für welchen Weg habt ihr euch entschieden?
Wir wollte uns weiterentwickeln, anderen Instrumenten als der Aku. Gitarre mehr Platz geben, den Fokus auf sie richten. Weg vom Songwriter Fundament. Fordernder und präziser in unsere Aussage sein. Verschiedene Dinge einfach wagen, den Songs den Raum zu geben, den sie benötigen. Unser Ziel ist es, so perfekt wie es nur geht, den Spagat zwischen Intimität und Opulenz zu bewerkstelligen.

– Wurde dieser Weg dann auch bei den Aufnahmen konsequent eingehalten?
Wir sind bei den Aufnahmen ziemlich genau auf dem Weg geblieben, haben auch gelernt – und so wissen wir, wie wir bei einem kommenden Album vorwärts gehen wollen. Da ist schon eine Idee im Kopf, ein vages Bild wie dieses klingen könnte.

– Gab es Unterschiede bei der Produktion von deinem Debütalbum zu ‚Die, Technique, Die!‘?
Der Unterschied besteht vor allem darin, dass die erste Platte komplett im Proberaum entstanden ist und danach erst im Studio gemixt wurde, die Lieder schon vor den Aufnahmen fertig waren. Bei „A heart of a pro“ entwickelten sie sich oft erst komplett während der Aufnahmen im Studio. Das Album ist komplett da entstanden.

– ’00:00′ ist einer unserer Lieblingssong auf dem Album – könnt ihr erzählen worum es darin geht, wie der Song entstand bzw. ob es eine Geschichte dazu gibt?
Der Song ist aus einer Trauer heraus entstanden und erzählt vom plötzlichen Tod eines lieben und nahen Menschen. Diese Ohnmacht und Endlichkeit. Dass eigentlich der einzige Weg, um damit in irgendeiner Art zu Recht zu kommen, darüber geht dass man diesen Menschen weiter in sich trägt, in seinen Gedanken und Lebensmomenten. Und ihn dadurch auf eine andere Art und Weise am „Leben“ erhält.

– Euer Debütalbum ist auch in Japan erschienen – wie kam es dazu?
Das war am Ende Recht einfach, eine Mail an unser dortiges Label Moorworks, 2 Wochen warten und dann kam das okay und ein wenig später die Veröffentlichung. Manchmal geschehen Dinge wirklich unspektakulär (:

– Was sind eure nächsten Pläne?

Als nächstes wird erstmal die Tour im September kommen, sowie noch 3 Festivals in der Schweiz. Wir planen ausserdem ein Remix Release von den neuen Songs, welche z.b. von Jarii van Gohl (Dyse), Heart Island oder auch unserem Cellisten Markus Altmann.

– Was macht ihr, wenn ihr nicht gerade Musik macht?
Die Musik nimmt schon einen großen Teil in unserem Leben ein, aber abseits davon gehen wir auch weitgehend „normalen“ Jobs nach. Da ist alles dabei – über Grafiker, Psychologe, Booker usw. bis hin zum Steinmetz.

– Das habt ihr in 2012 gelernt?

Das auch gute Dinge ganz unverhofft passieren können.

– Eure Top 3 Alben aus 2012 bisher? Warum?
Uii, schwer. Wir hängen ja immer ein wenig hinterher und entdecken dann manchmal schöne Alben erst ein Jahr später – zählt das auch? Würden aber wiederum zu viele werden. Von daher erlauben wir es uns mal auf ein paar Freunde hinzuweisen, deren Alben uns sehr am Herzen liegen und ein unterschätztes einer großen, kleinen Dame:
1. Lestat Vermon „Clouds“ – wunderschönster Singer/Songwriter Stuff, Gitarre + Wurlitzer + Bläser, mehr brauch es nicht, um schön zu sein.
2. Continents „..and silence anchored our feet in Granite“ – grandiose Texte, grandioses Songwriting. die deutschen La Dispute, ohne zu übertreiben.
3. Tiny Ruins „Some were meant for sea“ – ohne Worte. einfach hören.

– Welcher Song passt zu eurer aktuellen Stimmung?
Talk Talk – „I believe in you“

– Welcher Song bringt euch jedes Mal wieder zum Tanzen?
Ryan Adams – „So Alive“

– Wie würde eure persönliche ‚Bedroomdisco‘ aussehen?
Freunde, liebe Menschen, gutes Essen, Wein, Sommernacht.

– Wer hat den Fragenkatalog ausgefüllt?
Kai Lehmann

httpvh://www.youtube.com/watch?v=XoP9gG5xUnE

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