Film Total Recall - Filmkritik

Veröffentlicht am 24.08.2012 | von Fred

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TOTAL RECALL – Filmkritik

Total Recall - Filmkritik

You’re going to wish you had three hands.

(Frau mit drei Brüsten – Total Recall)

Wenn Sequels die Problemkinder der Filmindustrie sind, dann ist das Remake wohl die größte filmische Herausforderung. Die Erwartungshaltung ist groß, Fanboy-Gebashe ist ungeachtet der eigentlich Qualtität des Filmes praktisch nicht abwendbar. Doch es gibt auch Filme, denen ein Remake die fantastische Chance bieten kann, sie mit moderner Tricktechnik neu zu erfinden. Genau diese Möglichkeit offenbarte sich, als man das erste Mal von dem ‚Total Recall‚ Remake hörte.

‚Total Recall‘ beruht, genau wie ‚Minority Report‚ und ‚Blade Runner‚, auf einer Erzählung von Science-Fiction Kultautor Philip K. Dick. Wir befinden uns im Jahr 2084 und ein dritter Weltkrieg hat das Leben auf der Erde fast vollkommen ausgelöscht. Nur zwei Regionen sind noch bewohnbar, die „Vereinigte Föderation von Britannien“ und „Die Kolonie“ (aka Australien). Die einzige Verbindung stellt eine Art Fahrstuhlschacht her, der so genannte „Fall“. Durch Ihn werden die Reisenden projektilähnlich geschossen. „Fall“ wurde erfunden, da die politischen und wirtschaftlichen Beziehungen des 21. Jahrhunderts asymmetrisch verlaufen. Die britische Föderation benötigt Zehntausende von Arbeitskräften, die täglich aus der Kolonie antreten müssen. Hier leben die Menschen eingepfercht in einer modernen Containerstadt; molochartig streckt sie sich in den gewittrig-schwarzen Himmel und jede dreckige Regenpfütze schreit einem nach kurzer Betrachtung das Wort Dystopie entgegen. Genre-Wetter eben. Hier liegt das bessere Leben am Ende eines 12.000 Kilometer langen Tunnels.

Die Story von ‚Total Recall‘ ist relativ schnell erzählt. Der hart arbeitende Douglas Quaid (Collin Farrel) entschliesst sich zu einer Gedankentransplantation, die von einer Firma namens „Rekall“ durchgeführt wird. Quaid will sich perfekte Erinnerungen gedanklich einpflanzen lassen, doch sein Vorhaben scheitert. Etwas geht bei der Transplantation schief und ehe er sich versieht, weiß er nicht mehr, wer er überhaupt ist. Realität und künstliche Erinnerungen verschwimmen und seine Frau (Kate Beckinsale) hält ihm eine Waffe an die Brust. Wie sich herausstellt ist Quaid ist in Wirklichkeit Carl Hauser, ein ehemaliger Agent der Föderation, der zu den Rebellen der „Kolonie“ übergelaufen ist, und dafür mit Hilfe einer falschen Erinnerung stillgelegt wurde. Nun flieht er vor der Geheimpolizei des Kanzlers Cohaagen (Bryan Cranston aus ‚Breaking Bad‘), dem Anführer der so genannten freien Welt. Was sich anfangs nach einem mehr als interessanten Plot anhört, entwickelt sich schnell zu einer kurzweiligen aber tumben Schnitzeljagd nach Hinweisen. Diese verläuft leider genauso geradlinig und direkt wie der Fahrstuhl „Fall“ sich durch den Erdmittelpunkt bohrt. Im Vergleich zu anderen Philip K. Dick Verfilmungen geht das Mindfuck-Element gegen Null und auch das Verwirrspiel um Quaids echte Identität ist nur angeschnitten, ja wird sogar im Orignal von Paul Verhoeven expliziter und besser dargestellt.

Auch im Bezug auf Tricktechnik und Choreografien der Actionszenen, kann ‚Total Recall‘ nicht vollkommen überzeugen. Natürlich sieht ‚Total Recall‘ gut aus, aber geht für mich im Einheitsbrei der modernen, postapokalyptischen Zukunftsvisionen unter. Manche würden den Look wohl als grundsolide bezeichnen, in meinen Augen kommt die Optik mit ihrer Mischung aus sterilglänzender Roboterwelt und düster-dreckiger Dystopie aber nicht über das Mittelmass hinaus. Das hat man einfach alles bereits zu oft gesehen. Zu beliebig wirkt das Design der Welt, die Action hat man schon besser gescripted in unzähligen Videospielen gesehen. Es ist zudem schade, dass der Humor und die Leichtigkeit das Originals verloren gegangen sind. Paul Verhoeven‘s Originalversion wurde oftmals mit einem leichten Schmunzeln erzählt, wozu natürlich auch Arnold Schwarzenegger und seine schauspielerischen Fähigkeiten ihren Teil beitrugen.

Insgesamt ist ‚Total Recall‘ ein nett gemachter Action Film, der aber leider im Schatten des Originals steht. Wer dieses jedoch nicht kennt, kann mit dem durchaus kurzweiligem Science-Fiction Streifen seinen Spaß haben – und zwar am Besten im Multiplex seiner Wahl. Die große Chance eines zeitgemässen Upgrades, das den Kultcharakter des Originals wahrt, wurde aber leider vertan.

Total Recall (USA 2012)
Regie: Len Wiseman
Darsteller: Colin Farrell, Kate Beckinsale, Jessica Biel, Bryan Cranston, Brokeem Woodbine
Kinostart: 24. August 2012, Sony Pictures

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Über den Autor

Fred ist 32 Jahre, wohnt in der Pop-City Damstadt und mag Hunde, Pizza und Musik.



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