Musik

Veröffentlicht am 16.03.2013 | von Monya

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DAUGHTER – If You Leave

Daughter If You Leave

Still with feet touching
Still with eyes meeting
Still our hands match
Still with hearts beating

(Daughter – Still)

Das Debutalbum des Londoner Trios Daughter um Elena Tonra wurde spätestens seit der ‚The Wild Youth‚ EP Ende 2011 sehnsüchtig herbeigewünscht. Das große Warten auf den größeren Herzschmerz. Daughter verstanden es schon mit all den bisher veröffentlichten Songs, grenzenlose Schönheit und atemberaubenden Zauber in einem das Innere schier zerreißenden Leid zu erschaffen. Auf ‚If You Leave‚ nimmt dies nun ein Ausmaß an, das dafür sorgt, dass man lieber weinen und in den Tiefen und Windungen der zehn Songs versinken möchte, als glücklich zu sein. Alles, was jemals am Herzen zog und im Magen krampfte, wird heraufbeschworen. Wir werden alle zu Masochisten ob der Schönheit im Schmerz dieser Musik.

Jeder der zehn Songtitel besteht aus einem Wort, das wie ein stummes Signal wirkt. Prägnant kann es nun ins Herz gebrannt werden, geformt aus glühendem Eisen. ‚Winter‚ ist direkt die für Daughter typische Verbindung aus kratzenden, blechernen, klackernden, mal stampfenden, mal wimmernden Klängen, die den durchlöcherten, luftdurchlässigen Teppich für Tonras zerbrechlichen Gesang bildet. Drifting apart like two sheets of ice, my love / frozen hearts growing colder with timeist die erste Textzeile, die sich über gleitende Gitarren und drängende elektronische Schritte legt. Der Song windet sich durch eine musikalische Landschaft aus loser, rutschiger Erde und pfeifenden Winden. Fast fünf Minuten schraubt er sich herauf, fällt ab, ist teilweise nicht mehr als rinnender Gesang über einem Klackern oder dem Hall einiger Gitarrensaiten.

Smother‚ ist ein bewegender, zerschlissener Song, immer zwischen spärlichen Gitarren und deren Nachhallen. Zugige, gesummten Melodien steigern den Gesang ins unerträglich Nahe, wenn Tonra singt In the darkness I will meet my creators / And they will all agree that I’m a suffocator. Und dann wieder nur ihre Stimme über einer vertrockneten Gitarre. Kraft und Erschöpfung scheinen immer Hand in Hand zu gehen und sich gegenseitig in Schach zu halten. Das ist auf dem Album durchgehend so und macht jedes Lied zu einem weitläufigen Gebilde.

Dann folgt ‚Youth‚, das eigentlich zu schön ist, um in einem Meer aus Tränen zu ertrinken. Es ist ein gebrochenes Stück über die Vergänglichkeit und Zerstörungswut von Liebe. Unendlich schwer scheint diese Bürde zu sein, und ewig andauernd ihre Last.

In ‚Still‚ weinen Gitarren über eine scheiternde Beziehung. Es gibt keinen Raum für Zweifel daran, dass das, was hier in Scherben geht, schneidet und Wundern verursacht – und man doch nicht fortkommt, doch bleiben und sich verletzen lassen muss, weil einen Liebe noch immer verbindet. ‚Tomorrow‚ zeichnet ein Bild vom flehenden Aufschieben von Verlust: So don’t bring tomorrow / Cause I already know I’ll loose you. Die Gitarren und das Schlagzeug warten hier teilweise mit viel Nachdruck auf, der nächste Tag rückt unaufhaltsam näher und alles muss unweigerlich zu Grunde gehen. ‚Human‚, nach ‚Smother‚ die zweite Single, ist beschwingter und scheint fast einen Hoffnungsschimmer zu bergen. Und trotzdem singt Tonra But I think I’m dying here, letztendlich gibt es keinen Ausweg aus dem Schmerz und der Betäubung. ‚Touch‚ sehnt Liebe herbei, sucht also einen Ausweg, sucht nach etwas, das Leben einhaucht. Wieder legt sich Tonras atemberaubend ergreifende Stimme über spärliche Gitarren, die flirren und hallen, und über ein Schlagzeug, das lediglich Akzente setzt, um die Textzeile mal mehr und mal weniger sanft ins Herz zu rammen. Mit ‚Shallows‚ klingt das Album fast sieben Minuten lang sanft aus. Der Albumtitel, entnommen aus der Textzeile If you leave / When I go / Find me / In the shallows , spiegelt den Verlust wieder, der in diesem letzten Song durchklingt und sich durch die ganze Platte zieht.

Porös und scheu ist dieses Album. Es entpuppt sich ganz langsam, zieht uns an sich heran und macht uns zu Zeugen von Verdüsterung. In seiner Melancholie legen wir uns nieder und wollen nie wieder aufstehen. Es ist zu schön.

5von56

Daughter – If You Leave
VÖ: 15. März 2013, 4ad/Beggars Group
http://ohdaughter.com
www.facebook.com/ohdaughter

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