Musik Braids - Flourish // Perish

Veröffentlicht am 25.07.2013 | von Fred

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BRAIDS – Flourish // Perish

Braids - Flourish // Perish

„Love for my conscience, a vacation
See the mad side in my bold eyes
Left my conscience, suffocation
See the mad side in my bold eyes“

(Braids – In Kind)

Braids haben eine dieser typischen Karrieren hinter sich: Vier Kanadier, die sich in ihrem letzten Highschool-Jahr langweilten gründeten eine Band und werkelten monatelang an diesem Debütalbum, dass die ganze Kraft ihrer Auftritte einfängt. Dann geht alles ganz schnell – Eine Split EP wird zusammen mit Purity Ring aufgenommen und 2011 auf Fat Possum veröffentlicht. Im selben Jahr folgt das Debütalbum ‚Native Speaker‚, auf dem Braids gekonnt vielschichtige Experimentalpop-Epen aufbauen. Spielerisch versucht die Band aus Montreal hier die Tiefen, der sie umgebenden Melodien, zu erforschen. Während die Band in Klangexperimente und Momente tiefster Obskurität abtaucht, bleibt an der Oberfläche immer eine unvergessliche Popmelodie zurück. Diesem Grundsatz bleiben die Braids auch beim aktuellen Album ‚Flourish // Perish‚ treu.

Der Opener ‚Victoria‚ ist einer der freundlichsten Tracks auf ‚Flourish// Perish‘ und erinnert an Fever Ray und Björk. Um Raphaelle Standell-Prestons markante Stimme ranken sich eine Vielzahl an unterschiedlichen Geräuschen. Da ist ein leiser, klackernder Beat, Drone-Intonationen und glockenspielartige Sounds – alles gleichzeitig, alles geloopt. Die ersten vier Songs schlagen alle in die selbe Kerbe, wenn man Genre-Neologismen mag, könnte man das Weird-Loop-Experimental-Pop nennen. ‚Girl‚ hingegen ist eine verschrobene Piano-Ballade, die mit Gesang, Klavier und nur wenig Rauschen (!) auf das Nötigste reduziert wurde. Eine gelungene Abwechslung, die mit ‚Together‚ weitergeführt wird. Der Track nimmt sich mal so richtig Zeit, hat ein langes Intro und baut in über acht Minuten eine wunderbare Klangwelt auf. Wenn man ‚Together‘ jetzt mit allen Geräuschen und seinem Intro und Outro wieder auf vier Minuten pressen würde, hätte man einen beliebigen Song auf ‚Flourish// Perish‘. Womit wir schon zum größten Problem der Platte kommen: Es passiert einfach zu viel. Live funktionieren die Songs ausgezeichnet und man fühlt sich sofort vom Sound verschluckt, aber auf der Platte will der Funke nur bei ‚Victoria‘, ‚Together‘ und der ersten Single ‚In Kind‘ so richtig überspringen. Auf letzterem zwitschert Raphalle ähnlich wie Austras Katie Stelmanis und die weiteren sieben Minuten ziehen nur so am Hörer vorüber. Man bleibt etwas verdutzt zurück – Wieso kann das nicht immer so sein?

Vielleicht ging es den Braids um Abgrenzung. Frau Standell-Preston hat immerhin noch eine weitere, nicht ganz unerfolgreiche Bands namens Blue Hawaii. Auch bei diesem Projekt mit ihrem Freund Alex Cowan werden elektronische Musik und Pop verheiratet, wenn auch mit deutlichem technoiderem Ansatz. Man kann jetzt rätseln so viel man will, schlauer wird man doch nicht. Sowohl die Live-Auftritte, als auch die drei genannten Highlights des Albums zeigen, dass ‚Flouish // Perish‘ deutlich mehr Potenzial hatte. So hinterlassen die Braids mit ihrem zweiten Album gemischte Eindrücke und irgendwie überwiegt die Vorfreude auf den nächsten Versuch. Schade.

Braids – Fluish/Perish
VÖ: 23. August 2013, Full Time Hobby, Rough Trade
http://braidsmusic.com
https://www.facebook.com/braidsmusic

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Über den Autor

Fred ist 32 Jahre, wohnt in der Pop-City Damstadt und mag Hunde, Pizza und Musik.



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