Film

Veröffentlicht am 26.07.2013 | von Tobias

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EIN KURZER FILM ÜBER DAS TÖTEN – Filmkritik

Sie waren alle gegen mich.

(Jacek Lazar – Ein kurzer Film über das Töten)

Filme über die 10 Gebote gibt es in rauen Mengen. Fast immer sind diese Kostümfilme, die sich mit ihrer Entstehung auseinandersetzen. Aber was bedeuten die Gebote in unserer heutigen Zeit? Wie kann man sie verstehen, wie wörtlich -soll man sie nehmen. Ende der 80er Jahre hat sich Regisseur Krzysztof Kieslowski genau mit diesem Thema auseinandergesetzt und die ‚Dekalog‚-Reihe gedreht. 10 kurze Filme, jeweils über ein Gebot. Zwei dieser Filme wurde für das Kino in Langversionen umfunktioniert. Einer davon ist ‘Ein kurzer Film über das Töten‘.

Drei Personen, eine Stadt. In Warschau fährt ein Taxifahrer (Waldemar Rekowski) durch die Nacht, ist eher unfreundlich zu seinen Kunden und will nur seine Schicht durchstehen. Ein junge Mann (Miroslaw Baka) treibt ziellos umher und wirft gelangweilt Steine auf fahrende Autos. Ein Rechtsanwalt (Krzysztof Globisz)  feiert seine bestandene Prüfung in einem Café. In diesem treffen alle drei Personen aufeinander. Der junge Mann steigt dort bei dem Taxifahrer ein und tötet ihn wenig später. Nur alleine der Rechtsanwalt will ihn verteidigen und vor der Todesstrafe retten. Bei der Schwere und sinnlosen Motivation der Tat, scheint dieses Unterfangen jedoch fast unmöglich.

Dieser Film ist ein Plädoyer gegen das Töten in jeglicher Form. Kieslowski hat sich in einem Interview sehr stark dagegen ausgesprochen, dass es sich nur um einen Film gegen die Todesstrafe handelt. Triste und surreale Bilderwelten bestimmen hier den Gesamteindruck. Kieslowski engagierte für jeden Film einen anderen Kameramann und wollte, dass dieser den Geboten eine eigene Visualität auferlegt. Bei ‘Ein kurzer Film über das Töten‘ zeichnete sich Slawomir Idziak dafür verantwortlich. Zum ersten Mal experimentiert dieser mit Filtern und Farbgebungen. Kieslowski war danach so begeistert, dass er Idziak ohne umschweifen für ‘Die zwei Leben der Veronika‘ engagierte. Natürlich ist der Film vorallem beeindruckend, wenn man ihn in der Gesamtheit der Dekalog-Reihe sieht. Aber auch als eigenständiges Werk ist er schön und gut. Das Thema von Tod und Mord wird aber so kühl und sachlich dargestellt, dass es auf jeden Fall nicht einfach ist, diesen Film zu betrachten. Doch man findet hier eine gute, moralische Lehrstunde und wie oft kommt es vor, dass man das über einen Film sagen kann.

Diese Kritik ist keine aktuelle Kritik, wenigstens dann nicht, wenn man es auf das Erscheinungsjahr des Filmes bezieht. Concorde Media hat aber eine Neuauflage des Films auf DVD veröffentlicht. Diese hat den Autor dazu bewogen, den Klassiker zu besprechen. Bedroomdisco hat keine Vorteile oder bezieht irgendwelche Zuwendungen durch diese Kritik. Sie ist auf Wunsch des Autors und dessen persönlichen Geschmacks entstanden und soll als Ergänzung und Bereicherung zu sehen sein.

Regie: Krzysztof Kieslowski
Darsteller: Miroslaw Baka, Krzysztof Globisz, Jan Tesarz, Zbigniew Zapasiewicz
DVD-VÖ: 11. Juli 2013, Concorde Video

httpvh://www.youtube.com/watch?v=4jp6zdr_Rpo

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Über den Autor

Tobias ist 31, Schwabe aus Überzeugung, trägt aus Prinzip keine kurzen Hosen. Liebt Musik, Bücher, Filme und Schnitzel.



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