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Veröffentlicht am 29.11.2013 | von Monya

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TONY DEKKER – Prayer of the Woods

Tony-Dekker-Cover

And I lived in your skin and its tame light
No names, but warm heat to your warm heat
I took a branch from you and you left through me
Giving that good new life one more go-round

(Tony Dekker – Somewhere Near Thunder Bay)

Der Wald scheint einem tatsächlich zuzuflüstern, im Soloalbum des Great Lake Swimmers-Sängers Tony Dekker. ‚Prayer of the Woods‚ ist ein unverschnörkeltes Testament voller leiser, ehrlicher Songs. Zehn, um genau zu sein. Sie entführen einen in die Weiten der kanadischen Landschaft und die Tiefen der menschlichen Sehnsüchte.

Dekkers fast metaphysisches Naturverständnis wird von den Klängen seiner akustischen Gitarre und seines sanften Gesangs getragen. Hier und da gesellt sich eine Geige oder ein Klavier dazu. Das intime Quietschen der Gitarrensaiten beim Griffwechsel schickt kleine Schauder den Rücken herunter. Es fühlt sich unheimlich nah an, dieses Album – als könnte man sich darin zum Winterschlaf einrollen und Energie fürs Erwachen sammeln. Es kitzelt wie Laub und plätschert wie Bergwasser, klingt seelenruhig, doch nie depressiv. Und ja, so redet man, wenn man unter dem transzendenten Schleier von ‚Prayer of the Woods‘ steht.

Getting back to town isn’t as easy as it seems / When you’ve been up all night with bad dreams“ singt Dekker in ‚On My Way Back‚. Der schwierige Versuch, den Alpträumen davonzufahren, hinterlässt seine Spur in jeder Zeile – „But I’m on my way back, on my way back / The smell of gasoline from the handle and the cap / Not as easy as it seems to drive away your dreams„. Weg von der Last, schweifen die Gedanken zur Natur, als Rückzugsort, als raues, seliges Exil: „Maybe I’ll just keep driving when I get there / Go up north, and be in exile in the oaks / Exile in the firs, exile in the birch / And stay until the winter won’t let me go / Her good arms around me, her cold arms around me„.

Somewhere Near Thunder Bay‚, beschwingt und verträumt, ist eine schwerelose Ode an die Natur. ‚Final Song‚, obwohl erst der dritte des Albums, ist trüber und mit einer kristallenen Schicht Frost überzogen. Es ist ein Abschiedslied kurz vor dem Tod. Die Harmonie schwingt ins Hoffnungsvolle um, wenn Dekker von der Bitte singt, in guter Erinnerung gehalten zu werden. Das Kunststück, die Worte schnörkellos mit der Melodie zu verknüpfen, ohne irgendetwas auf den Servierteller zu packen, ist zweifellos eine der berührendsten Qualitäten der Platte. Der Titelsong ‚Prayer Of The Woods‚ ist die Vertonung eines Holzschildes am ‚Bruce Trail‘ in Ontario. Die Bitte des Waldes – „Harm me not“ – zeigt, wie verwoben Dekkers Emotionen mit der Natur sind.

Die kanadischen Folkmusik hat in Dekker einen Patronen gefunden, der fern von leeren Redensarten, voller Feinfühligkeit und Poesie zu wirken weiß. Ein wunderschönes Album, das Neues von den Great Lake Swimmers mit großer Vorfreude erwarten lässt.

4von5

Tony Dekker – Prayer of the Woods
VÖ: 22. November 2013, Nettwerk
www.greatlakeswimmers.com
www.facebook.com/greatlakeswimmers

 

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