Kritik

Veröffentlicht am 29.01.2014 | von Tobias

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LAURENCE ANYWAYS – Filmkritik

Ich will eine Frau sein.

Laurence – Laurence Anyways

Laurence (Melvil Poupaud) und seine Freundin Fred (Suzanne Clément) sind seit zwei Jahren ein glückliches Paar. Sie leben ein verrücktes und bizarres Leben, aber ergänzen sich blind und genießen jede gemeinsame Minute miteinander. Eines Tages kann Laurence aber seine Gefühle nicht mehr unterdrücken und gesteht sich ein, dass er im falschen Körper geboren wurde und lieber eine Frau wäre. Er offenbart sich Fred und es scheint als wäre die Beziehung zu Ende. Aber so richtig können die beiden nicht ohne einander. So beginnt ein Kampf – gegen die Widerstände, die Vorurteile und ihre eigenen Unsicherheiten.

Schon lange hat niemand mehr so die Arthouse-Szene aufgemischt wie Xavier Dolan. Mit gerade einmal 20 Jahre brachte er ‘I killed my Mother’ nach Cannes und bezog dafür von allen Seite Anerkennung und Lob. In seinen Filmen führt der Frankokanadier nicht nur Regie, sondern schreibt die Drehbücher und spielt hin und wieder sogar selbst darin mit. Ein Übertalent.

Laurence Anyways’ ist der erst dritte Film von Dolan, wirkt aber wie von einem Altmeister erschaffen. Er beschränkt sich dieses Mal nur auf die Inszenierung (natürlich hat er auch das Drehbuch geschrieben) und bleibt sich in Stil und Story treu.

Mittlerweile hat er einen klaren Stil für sich definiert und nähert sich nicht mehr so spielerisch seinen Bildern wie in der Vergangenheit. Gleich zu Beginn prasselt eine Welle der Schönheit auf den Zuschauer ein. Durchgestylte Bilder voller Schönheit und Eleganz führen in den Film, werden aber sehr schnell durch harte Realitätsbilder und einen fast dokumentarischen Stil abgelöst. Dieser visuelle Griff findet sich in fast jedem Film von Dolan wieder. Seine Geschichte werden in so einer Brutalität und Ehrlichkeit erzählt, dass man meinen möchte er will dem Zuschauer eine kurze Atempause und etwas Schönes gönnen.

Melvil Puopaud und Suzanne Clément zeigen eine unglaubliche, schauspielerische Leistung. Besonders Puopaud verleiht der gequälten Seele von Laurence ein Gesicht und vermittelt glaubhaft seine bzw. ihre Bedürfnisse, Gefühle und Ängste.

Xavier Dolan ist ein junges Ausnahmetalent und hat wieder einmal einen unglaublich, einfühlsamen und an die Nieren gehend Film geschaffen. Mit fast 3 Stunden halst er dem Zuschauer auch so einiges auf. Wer sich auf die schwierige und nicht alltägliche Thematik einlässt wird aber mit einer tollen Geschichte, schönen Bildern und großer Filmkunst belohnt.

Regie: Xavier Dolan
Darsteller: Melvil Poupaud, Emmanuel Schwartz, Suzanne Clément
DVD-VÖ: 23. Januar 2014, EuroVideo Medien GmbH

 

 

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Über den Autor

Tobias ist 31, Schwabe aus Überzeugung, trägt aus Prinzip keine kurzen Hosen. Liebt Musik, Bücher, Filme und Schnitzel.



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