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Veröffentlicht am 2.01.2014 | von Jana

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SOLANDER – Monochromatic Memories

I took them in a train to see you
But you where not there at all
While the birds and the bees and the stones and the leaves and the woods are gone
I can see that the woods are gone

(Solander – The Woods Are Gone)

Solander hatten mit ‚Passing Mt. Satu‚ ein wunderbares zweites Album vorgelegt, voller Wärme und Tiefe. Jetzt kommt ‚Monochromatic Memories‚ fast 3,5 Jahre später. Man spürt eine leichte Veränderung, eine Trauer, die das Album umgib. Wunderschön und verletzlich. Das Cello klingt immer noch warm, legt sich behutsam um die Melancholie um sie erträglich zu machen, ist aber seltener geworden. Dafür dürfen die E-Gitarren vorsichtig aufheulen. Ein wenig hat sich die tiefe Dramatik von ‚Passing Mt. Satu‘ nach Innen gekehrt und ist knarziger geworden.

This is the day that would never come, this is the one we all come from“ (The Woods Are Gone)

‚Monochromatic Memories‘ ist ein Album über Verlust und den Versuch damit umzugehen. Noch reduzierter und zerbrechlicher wirkt dabei die Instrumentierung; der karge Gesang Karlssons, hier und da umrahmt von einem leichten Klappern und Rascheln legt sich behutsam über die Musik, ein Rückzug nach innen zum einen, zum andern immer wieder Ausbrüche zwischen Wut und Fröhlichkeit, wie bei ‚Monday Afternoon‚, wenn sich der Gesang plötzlich überschlägt, als wolle man mit Conor Oberst in einen Wettstreit der kippenden Stimmen ziehen.

Alte Synthesizer verstreuen einen warmen Klang, während Karlssons Stimme vom Warten auf jemanden, der nicht mehr kommt, berichtet und von der Erinnerung, die langsam hochkommen, die einen weit, weit weg trägt. Ein Cello zieht mit molligen Harmonien durch die Songs und wie die ruhige Atmung eines Schlafenden. Behutsam werden die Songs arrangiert, langsam bauen sie sich auf und werden dichter bis sich die Spannung löst. Eindrucksvoll zeigt dies der wunderbare Opener ‚The Woods Are Gone‚. Eine warme, leicht angezerrte E-Gitarre spielt eine sehnsüchtige Melodie und öffnet Räumen, die einen umarmen, trotz all der Sehnsucht in den Zeilen. ‚Preludium‚ kommt dann gar nur mit ein paar wenigen Gitarrentönen und Gesang aus. Im Hintergrund noch ein leichtes Säuseln wie vom vorbeipfeifenden Wind.

Die Texte sind voll von anrührigen Naturvergleichen, wie ein Wandeln durch unberührte Landschaften, die die Vergänglichkeit des Lebens greifbar werden lassen. Was soll man schon sagen bei einem Album, dass so eindrücklich eine Trauer verarbeitet. Vorzuwerfen, dass die Spielfreude des Vorgängers zu diesen Gunsten ein wenig eingebremst wurde, scheint unangebracht. Also lassen wir uns trage durch Sehnsucht und Erinnerung. Irgendwo zwischen Folk Songs und Singer/Songwritertum haben Solander ihre Nische gefunden. Das muss nicht alles immer neu sein, um zu berühren und darum geht es hier schließlich. Oder um es mit einer Stelle aus dem neuen Coen Film ‚Inside Llewyn Davis‚ zu sagen: Ein Folk-Song ist, was niemals neu war und niemals alt wird.

4von5

Solander – Monochromatic Memories
VÖ: 31. Januar 2014, A Tenderversion Recording
http://www.solander.se
www.facebook.com/solandersweden

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