Kritik no image

Veröffentlicht am 25.02.2014 | von Tobias

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THE ACT OF KILLING – Filmkritik

Wenn ich ihn gefasst bekommen hätte, wäre er Tod 

(Anwar Congo – The Act of Killing)

Von 1965-1966 fand in Indonesien einer der schrecklichsten Massenmorde der menschlichen Geschichte statt. Sympathisanten und Mitglieder der Kommunistischen Partei Indonesiens wurden verfolgt und hingerichtet. Schätzungsweise 500.000 Menschen mussten ihr Leben lassen und bis heute sind diese Morde strafrechtlich nicht aufgearbeitet. In der indonesischen Öffentlichkeit werden die Morde immer noch als Heldentaten dargestellt. Der Film ‘The Act of Killing’ begibt sich auf die Spuren der Verantwortlichen und bittet sie ihre Taten in Filmszenen nachzuspielen.

Wenn Werner Herzog eine Dokumentation produziert und dafür seinen Namen hergibt, ist das an sich schon ein Gütesiegel, welches viel über die Qualität eines Films sagt. ‘The Act of Killing’ ist da keine Ausnahme und ist wahrscheinlich eines der wichtigsten Dokumentarfilme der letzten Jahre.

Die Grundidee die Täter ihre schrecklichen Morden nachspielen zu lassen ist zugleich simpel als auch brilliant. So etwas hat es bisher nicht gegeben und schöpft die erzählerische Form des Kinos voll aus. Beim Betrachten des Re-Enactings durchlebt man die komplette Palette der Gefühle. Man ist amüsiert über die Bemühung und die etwas komisch anmutende Umsetzung der Verbrechen. Sofort schaltet sich aber das Unterbewusstsein ein und es wird einem klar, dass hier in die ungeschönte Fratze des Bösen gezeigt wird. Hier werden nicht irgendwelche Filmszenen von dahergelaufenen Menschen dargestellt. Alle Morde die gezeigt werden, sind genau so in der Realität geschehen. Wie skrupellos und ohne jegliche Reue die Täter diese darstellen lässt einen sprachlos zurück. Wie kann ein Mensch nur solche Verbrechen gut heißen und sie auch noch ungeschönt wiedergeben, als wäre es ein Akt des Heldentums.

Anwar Congo steht im Mittelpunkt der Erzählung. Über die Dauer des Films erfährt der Zuschauer immer mehr über ihn und sein Leben nach den Taten. Eigentlich ein harmlos aussehender alter Mann, der Enkelkinder hat und seinen Ruhestand genießt. Er schwärmt von den alten Hollywood Stars und kopierte deren Stil, auch bei seinen Morden.

Alles spielt sich in der Vorstellung des Zuschauers ab und Regisseur Joshua Oppenheimer hat seine Dokumentation selbst als ‘Dokumentation der eigenen Einbildungskraft` beschrieben. In ‘The Act of Killing’ brennt sich ein großes Spektrum an Eindrücken und Gefühlen in den Kopf, der einen schockiert und alleine zurücklässt. Eine Erfahrung, die nur ein Film eines noch nie dagewesenen Kalibers bieten kann.

The Act of Killing (DK, NO, UK 2012)
Regie: Joshua Oppenheimer
DVD-VÖ: 20. Februar 2014, Koch Media GmbH

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Über den Autor

Tobias ist 31, Schwabe aus Überzeugung, trägt aus Prinzip keine kurzen Hosen. Liebt Musik, Bücher, Filme und Schnitzel.



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