Kritik no image

Veröffentlicht am 18.03.2014 | von Tobias

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LIBERACE – Filmkritik

Ich liebe es Leuten Spaß zu bereiten. 

(Liberace – Liberace)

Durch Zufall lernt der Tierpfleger Scott Thorson (Matt Damon) in den 70er Jahren den Entertainer Liberace (Michael Douglas) kennen. Sie beginnen eine Affäre, die aber vor der Öffentlichkeit geheim gehalten werden muss. Homosexualität ist immer noch ein absoluter Tabubruch. Zunächst scheint alles in Ordnung zu sein, aber Liberace Verhalten gegenüber seinem jüngeren Liebhaber wird immer obsessiver und brutaler. Er will alles in Scotts Leben kontrollieren und beherrschen. Scott kann den Druck kaum aushalten und verfällt immer mehr dem Alkohol und Drogen.

Liberace‚ hätte es fast nicht gegeben. Schon lange plante Steven Soderbergh dieses Projekt über den schwulen Entertainer. Bei der großen Hollywoodstudios erntete er aber nur Ablehnung und das Projekt war eigentlich schon längst begraben, bis sich letztendlich HBO der Verwirklichung annahm.

Der Film wurde im US-Fernsehen gezeigt und nicht wie normal in den Kinos. Im Bezug auf Produktion und Ausstattung erinnert er aber keinesfalls eine an eine Fernsehproduktion. Genau wie das Leben von Liberace ist auch der Film. Glamorös und pompös. An allen Ecke glitzert und funkelt es.

Die Liebe zwischen Liberace und Scott Thorson ist in allen Facetten tragisch und manövriert sich im Laufe des Films immer mehr in Richtung Abgrund. Die Darstellung der beiden Figuren durch Michael Douglas und Matt Damon ist meisterlich.

Auf der einen Seite ist da Douglas der sich vom Erfolg getrieben zeigt. Seine Homosexualität kann er nur im Geheimen ausleben, da es ein gesellschaftlich nicht möglich war als Entertainer Männer zu lieben. Gleichzeitig ist er aber abseits seiner Shows eine einsame Figur, die nur geliebt werden will und es nicht ertragen kann, seinen körperlichen Zerfall mitansehen zu müssen. Wenn Michael Douglas alleine in der Dusche steht, zum ersten Mal ohne seine Perücke, kommt die ganze Tragik der Person Liberace zum Tragen. Auf der anderen Seite würde die Figur aber nicht ohne seinen Gegenpart in Form von Matt Damon funktionieren. Dessen Metamorphose vom naiven Bettgefährten, des berühmtem Entertainer, hin zum Drogenabhängigen Frack, der sich eingestehen muss, dass er in seinem Leben nichts hat außer seine Liebe, ist einer der besten Darstellungen von Matt Damon.

Neben dem schauspielerischen Part ist man aber sonst über die Erzählstruktur enttäuscht. Wenn die Realisierung schon so viel Probleme bereitet hat und man sich dann für einen Hollywood unüblichen Weg entscheidet, wäre ein andere Ansatz wünschenswert gewesen. Sehr linear und schon fast vorhersehend rattert Soderbergh die Story geradezu herunter. Keine Überraschungen erwarten den Zuschauer und somit sieht der Film aus wie ein klassischer Hollywoodfilm der aus der Zeit gefallen ist. Das muss nichts Schlimmes sein, katapultiert den Film aber eher in die Kategorie „Standard“.

Regie: Steven Soderbergh
Darsteller: Michael Douglas, Matt Damon, Scott Bakula, Rob Lowe, Dan Aykroyd
DVD-VÖ: 21. März 2014, DCM

 

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Über den Autor

Tobias ist 31, Schwabe aus Überzeugung, trägt aus Prinzip keine kurzen Hosen. Liebt Musik, Bücher, Filme und Schnitzel.



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