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Veröffentlicht am 25.07.2014 | von Sebastian Ladwig

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THE SO SO GLOS – Blowout

Like all of your friends,
with their bullshit change

(The So So Glos – All Of The Time)

Punk ist ein viel zu häufig bemühter Begriff. „Anti“ als kleinster gemeinsamer Nenner lässt sich wohl zu einfach auf alles stülpen, was nicht bei drei im Establishment ist. Wenn die Libertines ein Konzert nach 20 Minuten beenden, weil sie ihr komplettes Set in dreifacher Geschwindigkeit gespielt haben, ist das vermutlich Punk. Miley Cyrus‘ Kiffen auf der Award Show, mit Mühe und Not. Lukas Podolskis Selfie mit der überrumpelten Kanzlerin, nein. The So So Glos rumpeln mit ‚Blowout‚ und dem Opener ‚Son Of An American‚ mit grölender DIY-Punk Attitüde auf den Hörer zu. Dieser fühlt sich bei der Stimme von Sänger Alex Elkin an die frühen The Clash und dabei abwechselnd an Joe Strummer und Mick Jones erinnert. Sein Bass treibt die Songs als Fast-Lead-Instrument an, Bruder Matt grölt sich im Hintergrund die Seele aus dem Leib und spielt seine Gitarre, als wäre es das Einzige, was er im Leben ernst nimmt. Aber die Melodien sind für Punk-Standards fast zu komplex, die Refrains zu catchy und die staubtrockene Produktion kann nur teilweise darüber hinwegtäuschen, dass fast alle Songs auf ‚Blowout‘ stadionkompatibel sind.

Wohuwohu-Backing-Vocals und Musikvideos aus alten Home Videos verleihen den Lederjacken tragenden Männern eine leicht konsumierbare Coolness und die Homebase Brooklyn schimmert immer wieder durch den Bierdunst. Egal, das vierte Studioalbum der New Yorker versprüht bereits beim ersten Mal Hören einen solchen Charme, dass jede Kategorisierung eine unwillkommene Ablenkung bedeutet. ‚Speak Easy‚ ist ein launig dahingerotzter Stampfer in traurigem Dur, ‚All Of The Time‚ purer Sixties Pop, der erklärt, warum sich …The Trail Of Dead ausgerechnet die Band der Elkin-Brüder mit auf Tour genommen haben. ‚Everything Revival‚ inszeniert die besten Seiten des Highschool Punk der 90er neu und wenn der Song vorbei ist, fragt man sich, ob man da wirklich gerade ein Glockenspiel gehört hat. Auch eine Art, Konventionen zu brechen. Der Subway To Your Suburb schleppt sich mit einigem Pathos zum Ende der Platte, bis das Schlussstück ‚Dizzy‚ von Protest-Folk in Kinks‘schen Kneipen Folk driftet und Blowout gefühlt zu früh abreissen, aber das Ganze natürlich gerade so der angestrebten Stilrichtung gerecht werden lässt. Keine Platte für eine bestimmte Schublade, aber es ist auch 2014 und der Meta-Punk von The So So Glos eines der erfrischendsten Alben des Jahres.

The So So Glos – Blowout
VÖ: 30. Mai 2014, Caroline (Universal Music)
www.thesosoglos.com
www.facebook.com/sosoglos

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