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Veröffentlicht am 17.10.2014 | von Jana

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TRÜMMER – Trümmer

„Die Stadt zerfällt in ihre Einzelteile
Lethargie, Langeweile 

Und du, du, du, du sagst kein Wort
Du träumst nur von einem anderen Ort“

(Euphorie – Trümmer)

Sie heißen Trümmer, Zucker, Messer, Karies, Die Nerven. Sie klingen zuckersüß oder messerscharf. Musikalisch haben sie nicht all zu viel gemeinsam. Was sie eint ist eine Haltung und ein Standpunkt zu den Dingen, die uns Umgebung. Es gibt wieder Bands im Fokus der Popmusik, die das Potential von Musik als Ort der Reflexion und Meinungsäußerung sehen. 

„Und ich bin immer noch jünger als man es verkraftet. Mit Träumen und Wut bestens bewaffnet.“
Trümmer ziehen ihre Kraft aus den Träumen an eine irgendwie anders geartete Welt und dem Unbehagen über das Vorhandene. Sie bauen Utopien für ein ungewisses Danach und vereinen so Hoffnung und Untergangsstimmung. Sie changieren zwischen Wut und Zärtlichkeit, zwischen Exzess und Reflexion über den Stand des eigenen Lebens. Mit dem Kaputten Glamour eines Jens Friebes in der Stimme feiert Paul Pötsch die Romantik der Revolution. Trümmer suchen einmal mehr den Ausweg im Exzess – wieder etwas spüren in einer abgestumpften Gesellschaft. Dies Gedanken mögen nicht neu sein, aber viel schlimmer wäre es doch, wenn sie niemand mehr formulieren würde. Erst recht, wenn man das Gefühl hat, es mit jemanden zu tun zu haben, der die Worte seiner Texte sehr genau wählt. Paul Pötsch hat Spaß am Spiel mit den Worten und weiß um ihre Wirkung. Das muss nicht immer kompliziert sein, aber effektvoll. 

„Ja ich weiß, alles wird zu Grunde gehen, nein, ich habe damit gar kein Problem“
Trümmer
 entwerfen Zustandsbeschreibungen, einer leidenden Großstadtszenerie. Sie schwanken zwischen Zweifeln und Unzufriedenheit, zwischen Teilhabe und Ablehnung. „Ich habe Lust aufs Leben, ich will den Glanz den Dreck, ich hab so viel zu geben, doch ich hab Angst, dass ich fest steck“, singen sie und torkeln dabei durch Gentrifizierung, Lebensentwürfe und lange Nächte immer irgendwo zwischen Euphorie, Exzess und Depression. Dazu heulen die Gitarren durch die dunkle Nacht, der Gesang träumt, haucht und schreit dann doch manches mal. Trümmer haben den Mut zu scheitern. Sie feiern den Wahn als Saboteur, als Freund und Feind. Es geht darum, wieder etwas zu spüren, sich treiben zu lassen und zuzulassen was kommt. Das muss keineswegs immer laut sein, Trümmer suchen auch die explosive Kraft der Zärtlichkeit und fürchten sich dabei nicht vor Pop-Melodien.

Süßlich und fast zärtlich fragt Paul Pötsch „Bin ich eigentlich der, der ich sein wollte?“, um kurz darauf nach der Revolte zu rufen. Dazwischen wird noch ein lässiges „Badabada“ eingestreut. Trümmer hüllen ihre Botschaften gerne in zuckersüße Fassaden, nur um kurz darauf zu explodieren. Dabei bleiben sie immer angenehm schwebend zwischen Leichtigkeit und Ernst, was vielleicht die eigentliche Stärke dieses Albums ist – dem Pop wieder ein Thema geben ohne sich ihm zu verweigern.

Trümmer – Trümmer
VÖ: 22. August 2014, Pias Germany (rough trade)
http://www.truemmer.tv
https://www.facebook.com/truemmer.band

 

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