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Veröffentlicht am 27.10.2014 | von Karola Szopinski

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ZOLA JESUS – Taiga

How am I supposed to survive
If I don’t know what’s wrong and what’s right
How am I supposed to know freedom
If I don’t know, I’m living inside

(Zola Jesus – Nail)

Taiga’: schon der Titel des vierten Albums von Nika Roza Danilova – besser bekannt als Zola Jesus – lässt Bilder nebelverhangener, weiter Nadelwälder vor dem inneren Auge entstehen. Und ebendiese rauen Weiten nördlicher Waldgebiete besingt die US-amerikanische Sängerin hier mit orchestralem Pathos. Gekonnt setzt Zola Jesus ihre familiären Wurzeln in der heutigen Ukraine dabei als Teil ihrer Selbsterfindung ein und stilisiert sich wieder einmal zur entrückten, elfenhaften Kunstfigur.

Die Wildheit der ungezähmten Natur spiegelt für die 25-Jährige das elementare Chaos der Existenz wider, in dem allein Musik ihr Halt geben kann. Bereits der Eingangstrack entführt den Hörer mit Wucht in diese Welt: eine Klanglandschaft aus imposanten Bläsern und eindringlichen Drums leitet den theatralischen Gesang ein: „Do you wish you could go back to it all / I wouldn’t miss a moment of it all“.

Im Vergleich zu den Vorgängeralben spricht jedoch eine neue Offenheit und Freiheit aus den elf Songs. Denn mit dem Longplayer richtet sich die Stilikone bewusst nicht nur an einen musikalischen Untergrund, sondern wartet sogar mit tanzbarem Drama für die Masse auf. ’Dangerous Days’ und ’Hunger’ vereinen sphärische Klangwelten mit treibendem Gesang. In ’Go (Blank Sea)’ dringt die kraftvolle Stimme der Sängerin wie aus allen Himmelsrichtungen gleichzeitig zwischen verzerrten Synthesizern hervor. Man findet sich unmittelbar im Geist zwischen haushohen Nadelbäumen wieder, spürt die kühle Waldluft und das hereinfallende Sonnenlicht. Der letzte Song ’It’s Not Over’ stellt eine Art Parodie auf das in unzähligen Partyliedern besungene „Feiern als wäre es die letzte Nacht“ dar. Auch hier vereint Zola Jesus ihre Innengewandtheit mit großen musikalischen Gesten.

Diese Lieder sollen Mut machen, die Verlorenheit in der Welt zu spüren – sei es in Anbetracht der ungebändigten Natur oder inmitten einer Party – um sich dann auf die Suche nach der eigenen Bestimmung zu machen. ’Taiga’ ist eine akustische Kamerafahrt durch die raue, boreale Wildnis. Ihre gewaltige Stimme untermalt die Songwriterin auf diesem Album mit großformatigem Pop und macht damit den Waldspaziergang zur kollektiven Selbsterfahrung.

4von5

Zola Jesus – Taiga
VÖ: 03. Oktober 2014, Mute Artists Ltd
www.zolajesus.com
www.facebook.com/zolajesusofficial

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