Kritik no image

Veröffentlicht am 20.11.2014 | von Heide Pennigsdorf

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Kinotipp der Woche: DIE TRIBUTE VON PANEM – MOCKINGYJAY I

Heute erscheint der erste Teil des letzten Bandes der Jugendbuchtrilogie Die Tribute von Panem in den deutschen Kinos. Nicht nur für Fans ist das interessant, denn die Bücher, wie auch die Filme sind Kritikerlieblinge. Sie gewähren einen popkulturellen Zugang zu dem düsteren Thema der Dystopien, die nie so weit weg sind, wie wir uns wünschen würden, befinden wir uns doch schon fast in Huxleys Schöner neuer Welt.

Das Problem der Romanverfilmung in zwei (oder mehr Teilen) ist eines, vor dem man in letzter Zeit häufiger steht. Eigentlich liegt es so nahe Bücher zu unterteilen, wo sich Fans der Vorlagen doch sonst immer beschweren, weil die Filme nur verkürzt darstellen. Jetzt schreien alle, es sei Geldschneiderei, wenn eine Verfilmung zweiteilig herausgebracht wird. Auch nachvollziehbar, denn die gebotene Zeit für detaillierte Erzählungen zu nutzen ist schwer filmisch machbar, kann doch eine fünfzehnseitige Beschreibung in wenigen Sekunden gezeigt werden und ist die klassische Dreiaktstruktur nur schwer aufzubrechen und zu unterteilen.

Jetzt ist The Hunger Games: Mockingjay (Suzanne Collins) ein so dichtes Buch, dass es genug Stoff bietet, um zwei Filme zu füllen. Stoff, den nicht zu zeigen eine Kastration bedeuten könnte. Dieser Roman ist, wie es sich bei den beiden vorherigen schon angedeutet hat, kein Jugendbuch, sondern eine detailliert beschriebene Dystopie, an deren Härte und Ungerechtigkeit man fast verzweifelt, eben weil es auf einem Niveau erzählt wird, auf dem man sich schnell mit Charakteren identifizieren kann.

Jetzt dürfen, können, müssen wir diesen Figuren dabei zusehen, wie sie in den Krieg ziehen. Katniss Everdeen (Jennifer Lawrence) wird dabei wieder zum Spielball der Mächtigen, indem sie selbst zum Mockingjay, zur Symbolfigur, der Revolution werden soll; wieder in ein Kostüm, wieder in die Show zurück. Ihre anfängliche Verweigerung muss sie aufgeben als klar wird, dass Peeta (Josh Hutcherson) noch lebt und sie keine andere Möglichkeit hat als sich zu fügen, um ihn zu retten.

Aber immer noch – und das ist das Großartige an der Reihe – hadert Katniss mit dem System der Zurschaustellung innerhalb der Politik und den diktatorischen Systemen selbst und kann ihr Unbehagen kaum verbergen, auch wenn sie es vielleicht nicht einmal selbst versteht.

In kurzen Propagandaspots soll sie die Moral der rebellierenden Distrikte stärken und zum gemeinsamen Kampf aufrufen. Vor einer Leinwand aber, mit einem Stock in der Hand wird alles, was sie sagt zur vorgetragenen Plattitüde. Erst als sie sich mit einem Dokumentarfilmteam in Kampfgebiete begibt, in denen ein Lazarett bombardiert wird, bekommen sie überzeugendes Material. Hier wird die Wut nach der, der vorherige Spielleiter der Hungerspiele und jetzt PR-Mann der Revolution Plutarch Heavensbee (Philip Seymour Hoffman) und die Revolutionsführerin Alma Coin (Julianne Moore) suchen, endlich entfacht.

Gerade darin liegt das Interessante des Films, denn was hier in den Vordergrund tritt, ist nicht die Parallelisierung mit aktuellen Diktaturen oder Rebellionen, sondern die Instrumentalisierung des Mediums Film.

Und genau damit erkämpft sich Francis Lawrence einen Freiraum, den das Medium Film hier, dem Buch voraushat – die Selbstreflexion. Wenn die Aufnahmen, die wir vorher gesehen haben, Teil eines Spots werden, ohne das in dem Moment eine diegetische Kamera vor Ort gewesen war, ist das kein Fehler, sondern das Bewusstmachen der Mediengleichheit. Auch hat die Inszenierung der Präsidentin Coin, Züge der Propagandafilme Leni Riefenstahls. Der Film reflektiert so nicht nur sich selbst, sondern auch seine Geschichte.

Francis Lawrence und die Autoren Peter Craig und Danny Strong nehmen sich für diese Dinge Zeit, eben weil sie nicht an die klassische Dreiaktstruktur gefesselt sind. Sie können so Konflikte deutlicher machen, weil niemand erwartet, dass sie aufgelöst werden.

Gut, dass es ein Zweiteiler geworden ist, auch wenn man so lange auf das Ende warten muss.

Regie: Francis Lawrence
Darsteller: Jennifer Lawrence, Josh Hutcherson, Liam Hemsworth
Kinostart: 20. November 2014, STUIOCANAL

 

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